Rundfunk

Wenig Vielfalt und Qualität im privaten Rundfunk

Der Bericht von BLM-Präsident Schneider im Wirtschaftsausschuss zur Lage des privaten Rundfunks in Bayern förderte keine neuen Erkenntnisse oder Einsichten zutage. Die privaten Radiosender schaffen es größtenteils wirtschaftlich zu arbeiten, auf einzelne Unternehmen und ihre spezifischen Probleme wurde hier leider nicht eingegangen, und die großen privaten Fernsehsender wie Pro7/Sat 1 und Sky bringen Geld und Arbeitsplätze nach Bayern. Die regionalen und lokalen Fernsehsender sind seit Jahren die Sorgenkinder, die aus den roten Zahlen nicht herauskommen.

Sie können auch nach diesem neuen Bericht lediglich mit positiven Prognosen punkten, was ihre ZuschauerInnenzahlen und damit auch ihre Einnahmesituation angeht.

Aber dies genügt sowohl den BLM-Verantwortlichen als auch der CSU, um sich schon heute für den Erfolg des Beschlusses in den weiß-blauen Himmel zu loben, die Satellitenverbreitung der Lokalsender durch Investitionen in Höhe von 10 Millionen Euro zu fördern. Nach telefonischen Befragungen der Senderverantwortlichen konnten bisher um die 300.000 ZuschauerInnen zusätzlich erreicht werden, das unausgeschöpfte Empfangspotenzial liegt laut Schneider bei weiteren zwei Millionen Personen. Diese prognostizierten Zahlen beziehen sich jedoch nur auf die Empfangsmöglichkeiten nicht auf die tatsächliche Nutzung der Lokalsender, diese wurde nicht erfragt. Die Nutzungszahlen dürften jedoch weit darunter liegen, vor allem nachdem die BLM weiterhin die Meinung vertritt, für die Vielfalt der bayerischen Medienlandschaft sei die Organisation der Sender und die Veranstaltung der Programme durch einige wenige „starke Unternehmer“ das Beste.

Senderstrukturen mit einem hohen Regionalbezug werden weiterhin gegenüber bekannten Verlegern benachteiligt. Für die Qualität der Sendungen sollen die Weiterbildungen der BLM sorgen, Personalabbau wird in diesem Zusammenhang als unkritisch betrachten und als wirtschaftlich notwendig hingenommen.

Die Verflechtung und Konzentration der Fernseh- und Radiosender sowie der Zeitungen interpretiert Schneider als ein Zeichen der Modernität. Er führt hier als Vergleich die Strategie des BR, seine Bereiche Radio, Fernsehen und Online zu verknüpfen, als Vorbild an. Dabei lässt Schneider geflissentlich die Tatsache unter den Tisch fallen, dass der BR ohnehin ein einziges Unternehmen ist, das auch als ein solches auftritt. Es würde darüber hinaus niemand auf die Idee kommen, eine Vielfalt der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Bayern zu propagieren.

Die medienpolitische Sprecherin Ulrike Gote, MdL, kritisierte den Bericht des Präsidenten Schneider: „Trotz der neuen Verortung des Fachbereichs Medien im Wirtschaftsausschuss dürfen hier nicht nur die betriebswirtschaftlichen Aspekte im Vordergrund stehen wie es in diesem Bericht der Fall war. Passt die Qualität der Berichterstattung und der journalistischen Arbeit nicht, ist das Ziel der Medienunternehmen verfehlt auch wenn die Zahlen stimmen.“