Modellbau - Affäre Haderthauer

UA Modellbau: Das Für und Wider der Modellbautherapie

In der 13. Sitzung des Untersuchungsausschusses „Modellbau“ sagten zwei überzeugte Befürworter der Modellbautherapie und eine Gegnerin aus. Aufgrund der schwierigen Umstände, die damals in der Forensik in Ansbach herrschten, waren die ehemaligen Ärzte Dr. Lang und Dr. Danner froh über die Modellbautherapie, die sie vor allem, aber nicht nur für den Patienten und Modellbauer St. für sehr sinnvoll erachteten.

Ganz anders bewertet das Frau Dr. Baur. Sie kam im Jahr 2000 als erste Chefärztin einer bayerischen Forensik nach Ansbach. Ihrer Ansicht nach, handelte es sich dabei keinesfalls um eine „Modellbautherapie“, sondern lediglich um „Modellbau“. Besonders alarmierend fand sie, dass der ehemalige Kollege Dr. Hubert Haderthauer darauf drängte,  dass Modelle fertig gestellt wurden und so Druck ausübte, der mit dem therapeutischen Gedanken unvereinbar ist. Ihrer Aussage nach handelte es sich bei der Modellbautherapie um eine Firma, die ausschließlich auf den einen Patienten, St., zugeschnitten war. Dieser war Tag und Nacht damit beschäftigt, Modellautos zu fertigen. Dazu beschäftigte er mehrere „Angestellte“, die seinen Anweisungen zu folgen hatten. Überall lag gefährliches Werkzeug herum, die Zeugin erinnert sich an zahlreiche scharfe Messer auf dem Boden. Dr. Baur versuchte zunächst noch Ordnung in die Arbeitstherapie zu bekommen, entschloss sich aber letztendlich wegen schwerer Sicherheitsbedenken die Modellbautherapie im August 2000 vom einen auf den anderen Tag zu schließen.

Eines hatten alle drei Zeugen gemeinsam: Über die wirtschaftlichen Hintergründe der Modellbautherapie und der Firma SAPOR GbR hatten sie sich kaum Gedanken gemacht und waren der Überzeugung, dass sie die wirtschaftlichen Interessen aus ärztlicher Sicht nicht zu interessieren hatten. „Man ist einfach davon ausgegangen, dass das schon alles seine Richtigkeit habe“, stellt Ulrike Gote, rechtspolitische Sprecherin und Mitglied der Landtagsgrünen im Untersuchungsausschuss „Modellbau“ verwundert fest.

Eine neue Heimat für die Modellbautherapie

Rätselhaft bleibt weiterhin die Verlegung von St. ins BKH Straubing. Nachdem Dr. Baur die Modellbautherapie geschlossen hatte, feilschten die anderen Maßregelvollzugsleiterinnen und -leiter regelrecht darum, wo diese weitergeführt werden sollte. Letztendlich erklärte sich wohl nur Straubing dazu bereit. Zu den genauen Hintergründen hat sich Dr. Baur nicht geäußert. Nach der Schließung wollte sie mit dieser Angelegenheit nicht weiter in Verbindung gebracht werden und stimmte der Verlegung des Patienten St. nach Straubing zu, obwohl die Verlegung einer Arbeitstherapie keineswegs auch die Verlegung eines Patienten nach ziehen müsste. Sie hätte St. auch in Ansbach behandelt, aber eben ohne Modellbautherapie.

Das BKH Straubing ist die Maßregelvollzugsanstalt mit den höchsten Sicherheitsstandards in Bayern. Gründe für eine Einweisung nach Straubing sind klar geregelt und umfassen u.a. extrem hohe Gefährlichkeit für MitpatientInnen und Personal, drohende Fluchtgefahr oder schon ergangene Fluchtversuche. Gründe also, die bei St. nie eine Rolle spielten. Ulrike Gote: „Welche Gründe auschlaggebend waren, dass sich das BKH Straubing bereit erklärte, eine Arbeitstherapie installierte, die auf einen einzigen Patienten zugeschnitten war und noch dazu einen Patienten übernahm, der nicht zwangsläufig nach Straubing gemusst hätte, muss dringend aufgeklärt werden.“

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