Grüner Wasserstoff aus Bayern für die heimische Industrie

Barbara Fuchs zu Besuch bei Bayernoil

07. September 2022

  • Unternehmen: Bayernoil Raffineriegesellschaft GmbH
  • Branche: Chemieindustrie
  • Standort: Neustadt an der Donau, Landkreis Kelheim, Niederbayern
  • Themen: Transformation, Grüner/Blauer Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft

Unternehmensportrait: Bayernoil ist ein Zusammenschluss der ehemals drei Raffinerieanlagen in Ingolstadt, Vohburg und Neustadt. In den Raffinerien werden sämtliche petrochemische Stoffe hergestellt, von Treibstoff über Wasserstoff bis hin zu speziellen Stoffen für die chemische Industrie. Insgesamt arbeiten heute rund 760 Menschen in den Raffinerien.


 

Bayernoil und Varo Energy haben sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt und wollen bis 2035 klimaneutral produzieren. Anstelle konventioneller petrochemischer Stoffe möchte das Unternehmen in den nächsten 10 Jahren auf die Produktion von Grünem Wasserstoff, klimaneutralen Treibstoffen (sog. E-Fuels), Bio-Kraftstoffen und aufbereiteten Kunststoffen aus Abfallprodukten umrüsten. Insgesamt beteiligt sich das Unternehmen an vier Leuchtturmprojekten, um dieses Ziel zu erreichen, u.a. an BayH2. Dies ist eine Kooperation von vier Unternehmen, die gemeinsam den Ausbau von regenerativ erzeugtem Wasserstoff in Bayern voranbringen wollen.

Bayernoil produziert nicht nur Wasserstoff, sondern benötigt diesen auch für die Produktion anderer Stoffe. Allein durch den Ersatz des konventionell erzeugten Wasserstoffs (grauer Wasserstoff) durch grünen (klimaneutral erzeugten) Wasserstoff aus BayH2, könnte Bayernoil seine Emissionen um 138.000 Tonnen CO2-Äquivalenzen pro Jahr senken. Bereits im kommenden Jahr will das Unternehmen neue Elektrolyseanlagen bauen, die 2024 in Betrieb gehen sollen. Das Projekt wurde auch für das europäische Förderprogramm IPCEI (Important Projects of Common European Interest) ausgewählt. Dadurch könnten Investitionen von 5,8 Mrd. Euro gesichert werden, die Bundesländer beteiligen sich mit 2 Mrd. Euro. Allerdings deckt dieses Projekt nur ein Drittel des Wasserstoffbedarfs von Bayernoil. Deshalb braucht Bayern zügig eine ehrgeizige Strategie zum Aufbau der Strukturen und der notwendigen Erneuerbaren Energien.

Defossilisierung durch Kreislaufwirtschaft

Neben BayH2 gibt es auch noch ein weiteres Projekt zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Bei Bayogen wird anstelle von Strom Grünes Gas zur Wasserstoffgewinnung verwendet. Dieses Gas soll aus biogenen Reststoffen, insbesondere der Holz-, Papier- und Landwirtschaft, gewonnen werden. Dies ist ein wichtiger Baustein zur Umsetzung einer tatsächlichen Kreislaufwirtschaft, die aus Abfallprodukten und industriellen Reststoffen wieder nutzbare Rohstoffe gewinnt. Den gleichen Ansatz verfolgen auch die beiden Projekte Bayosine und BayC3. Bei Bayosine sollen aus kommunalem Klärschlamm durch Pyrolyse Stoffe extrahiert werden, die anschließend entweder zu Biokraftstoffen oder zu grünem Gas verarbeitet werden. Mit dem gleichen Pyrolyse-Verfahren sollen im Rahmen von BayC3 aus Kunststoffabfällen petrochemische Stoffe für die Chemieindustrie hergestellt werden, quasi ein Recycling-Prozess, um Erdöl einzusparen.

Alle diese Projekte unterstützen wir, denn es ist wichtig und notwendig, dass wir die erneuerbaren Energieträger nicht nur importieren, sondern auch vor Ort produzieren, um uns unabhängiger zu machen und Arbeitsplätze in Bayern zu erhalten und damit als Vorreiter andere Unternehmen zu motivieren, sich auf den Weg zur Klimaneutralität zu machen. Wir werden uns auf allen Ebenen dafür starkmachen, bürokratische Hürden abzubauen und die Genehmigungsphasen zu verkürzen, um hier so schnell wie möglich voranzukommen. Außerdem müssen wir die Wasserstoffstrategie im Bund und im Freistaat voranbringen und auch die Rolle der Biogenen Wasserstofferzeugung miteinbeziehen, da diese bisher noch nicht anerkannt ist. Für die Kreislaufwirtschaft ist es wichtig, die rechtlichen Bestimmungen nochmal zu überarbeiten, damit Recyclingprozesse auch wirtschaftlich möglich sind. Zuletzt ist die Weiterentwicklung von technischen Möglichkeiten zur Stromspeicherung essenziell für die klimaneutrale Wirtschaft.  „Wir sehen also, dass es eine Menge zu tun gibt. Es wird Zeit, dass in Bayern die Staatsregierung endlich ambitioniert in die Zukunft des Standorts Bayern investiert und entsprechende Programme und Initiativen auf den Weg bringt", so Barbara Fuchs.