Standort Bayern: nachhaltig & innovativ

Essbares Gold

Dr. Sabine Weigand zu Gast bei Goldschläger Eytzinger

Dr. Sabine Weigand bei der Herstellung von Blattgold

  • Unternehmen: Goldschlägerei Eytzinger GmbH
  • Branche: Metallindustrie
  • Standort: Schwabach, Mittelfranken
  • Themen: Zukunftsfähigkeit des Blattgoldherstellers

Unternehmensportrait: Bereits 1867 entdeckte der Schwabacher Käsefabrikant Johann Gottlieb Eytzinger seine Leidenschaft für Blattgold. Die Firma überlebte selbst heftigste wirtschaftliche Turbulenzen und ist heute stolz darauf, die älteste Goldschlägerei Deutschlands zu sein. Zukunftsfähig will das Unternehmen Eytzinger, das seit über 40 Jahren relativ konstant eine Belegschaft von 50 Mitarbeitenden hat, durch neue Produkte sein.


Die Grüne Landtagsabgeordnete Dr. Sabine Weigand besuchte den „hidden champion“ im Industriegebiet in Schwabach.

Dort traf sie sich mit Geschäftsführer Christian Scheuring, der schon seit 1980 in der Goldschläger-Branche tätig ist. Sein Großvater brachte ihn zu dem Handwerk, das schon seit einiger Zeit kein Ausbildungsberuf mehr ist. In den 1980er Jahren gab es in Deutschland noch 15 Betriebe, zwei in Dresden und Augsburg und 13 in der Goldschlägerstadt Schwabach. Heute sind es in Schwabach noch zwei Firmen.

Die Konkurrenz durch Blattgold und Goldimitat aus China ist für die Firma Eytzinger im kleinen Schwabach enorm. Schließlich wird im Denkmalbereich kaum noch echtes Blattgold verwendet – sogar die Staatsoper Unter den Linden in Berlin wurde mit Imitat aus China restauriert. Nachhaltig ist das nicht, gut für die einheimische Wirtschaft ebenso wenig.

Vor der Corona-Pandemie belieferte Eytzinger viele Malerbetriebe und Firmen, die Innenausbauten vornahmen. Das Blattgold ging für religiöse Bauprojekte bis nach Mekka und Israel. Doch leider sind Restaurierungsarbeiten in der Coronapandemie insgesamt stark zurückgegangen. Die Firma Eytzinger hatten hier einen Einbruch bei den Bestellungen von rund 70 Prozent.

Durch den Produktionsbeginn von essbarem Blattgold vor 15 Jahren, stieg das Unternehmen frühzeitig in die Lebensmittelproduktion ein und konnte so eine zu große Abhängigkeit vom Bereich Denkmal vermeiden. Für sein essbares Blattgold ist Eytzinger sogar koscher zertifiziert. Zum Einsatz kommt das essbare Edelmetall vor allem in Hochprozentigem und als Hingucker auf Schokolade oder Häppchen. Der Betrieb verkauft seit rund zehn Jahren außerdem auch Blattgold für die kosmetische Anwendung.

Ohne Investitionen in Sondermaschinen, die beispielsweise Blattgold beschneiden und zwischen die zart bepuderten Papierblättchen einlegen, sei der Betrieb nicht zukunftsfähig. Eytzinger ist nur deshalb nicht wie einige Konkurrenten mit der Produktion ins Ausland gegangen, weil die Firma wo es möglich ist, die Maschinenarbeit ausgebaut hat und mit modernster Technik, das Goldschlägerhandwerk in die Zukunft führt.

Auch der Einsatz für die Belegschaft und für Arbeitskräfte aus der Region sei vorbildlich. So hat Eytzinger in der Coronapandemie das Kurzarbeitergeld aus eigenen Mitteln von 60 auf 80 Prozent aufgestockt. Laut Geschäftsführer Christian Scheuring kann der Betrieb nur aufrechterhalten werden, wenn die Angestellten mit Herzblut dabei sind.

Sabine Weigand war fasziniert davon, wie die Firma Eytzinger die Branche für sich zukunftsfest macht.

Die bayerische Wirtschaft brauche verantwortungsvolle Geschäftsführer und Inhaber, denen es wichtig ist, dass ihre Unternehmen und traditionellen Handwerksbetriebe trotz aller Krisen fortbestehen und innovativ sind.