Land- und Forstwirtschaft und Ernährung

Tierhaltung verbessern, Sachkundenachweis für Großbetriebe einführen

Gisela Sengl: „Milchwirtschaft ist Rückgrat und Aushängeschild der Bayerischen Landwirtschaft“

Kühe

Als „Armutszeugnis“ bezeichnet die landwirtschaftspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Gisela Sengl, die Antwort des CSU-Landwirtschaftsministeriums auf die grüne Anfrage ‚Tierschutzskandal in Bad Grönenbach – Ausbildung, Betreuungssituation der Tiere und Maßnahmen zur Verbesserung‘. Denn auf die Frage 2a nach dem passenden Verhältnis Milchkühe/Betreuungspersonal kann das Ministerium keine Antwort geben. „Die Milchwirtschaft ist das Rückgrat und das Aushängeschild der Bayerischen Landwirtschaft. Deshalb muss man die Milchviehbranche gut aufstellen“, erklärt Gisela Sengl. „Es muss doch eine Möglichkeit geben, einen passenden Mensch-Tier-Betreuungsschlüssel auszurechnen und vorzugeben.“ 

Zwölf Menschen betreuen insgesamt 1700 Milchkühe im Betrieb Endres in Bad Grönenbach (Frage 4) – „das ist viel zu viel: 142 Milchkühe kommen auf eine Arbeitskraft. Hier wurde massiv an den Personalkosten gespart – auf Kosten von Tier und Mensch“, so Gisela Sengl. „Man sollte sich hier auf keinen Fall mit ‚fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen‘ (Frage 2a) rausreden, sondern sofort tätig werden.“

Auch bei der Frage 2b, welche Kenntnisse und Fähigkeiten verbindlich nachgewiesen werden müssten, um Tiere gemäß § 2 Tierschutzgesetz zu halten und zu betreuen, zeigt sich ein großes Problem in der Tierhaltung: „Es gibt bis dato keinen verpflichtenden Sachkundenachweis für Nutztierhaltung und obwohl der Kompetenzkreis Tierwohl des Bundeslandwirtschaftsministeriums diesen Nachweis schon seit 2014 fordert, lehnt die CSU die Einführung vehement ab“, erklärt Gisela Sengl und weist auf die CSU-Ablehnung weiterer Sachkundennachweise für landwirtschaftliche Tierhalter 2016 im Bayerischen Landtag hin. 

Gisela Sengl​​​​​​​: „Das nützt vor allem den großen Betrieben, die mit Fremdarbeitskräften arbeiten. Hier wird enorm an den Personalkosten gespart, sowohl an der Anzahl als auch an der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Ein Schlag ins Gesicht für die vielen bayerischen Familienbetriebe, die fachlich sehr gut aufgestellt sind und oft auch noch selbst Ausbildungsbetriebe sind. Die schwarz-orange Landesregierung unterstützt mit ihrem Nein zum Sachkundenachweis die Strukturen der agrarindustriellen Billigstproduktion in Großbetrieben.“
 
Die Landtags-Grünen fordern einen Sachkundenachweis des Betreuungspersonals für Tierhaltung in Betrieben über 100 Milchkühe.

Zum Download: Die Grünen-Anfrage ‚Tierschutzskandal in Bad Grönenbach – Ausbildung, Betreuungssituation der Tiere und Maßnahmen zur Verbesserung‘