Inneres | Recht

Vorsorgliche Sabotage-Kontrollen und mehr Blackout-Übungen

03. September 2026

Bayern muss kritische Infrastruktur schützen

Katharina Schulze: „Bayern muss seine kritische Infrastruktur schützen, bevor wieder jemand zuschlägt.“ | Anhörung mit KRITIS-Betreibern soll Unterstützungsbedarf bei Ausfallsicherheit und Gefahrenabwehr klären

Nach den jüngsten Sabotagefällen an Energieanlagen in mehreren Bundesländern fordern die Landtags-Grünen mehr Vorsorge in Bayern. Besonders wichtige Umspannwerke, Großkraftwerke und deren Umspannanlagen sollen vorsorglich kontrolliert werden. Zudem fordern die Landtags-Grünen mehr Übungen für großflächige Stromausfälle und eine Anhörung im Innenausschuss mit Betreibern und Versorgern der Energieinfrastruktur. Sie sollen hier äußern können, welche Unterstützung sie für mehr Ausfallsicherheit und Gefahrenabwehr brauchen.  

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen: 

„Bayern muss seine kritische Infrastruktur schützen, bevor wieder jemand zuschlägt. Die hybride Bedrohung aus Russland ist real und die Zahl der Angriffe nimmt erschreckend zu. Die Staatsregierung muss jetzt gemeinsam mit Sicherheitsbehörden und Betreibern festlegen, welche besonders gefährdeten Umspannwerke, Großkraftwerke und Umspannanlagen auf Sabotage kontrolliert werden müssen, ähnlich wie aktuell in Hamburg*– am Boden und aus der Luft. Gerade vor Herbst und Winter ist das unverzichtbar. Wenn es dunkel und kalt wird, muss unsere Versorgung sicher stehen.

Große zentrale Anlagen sind die besonders verletzlichen Punkte unseres Stromnetzes. Hier hat eine dezentrale Energieversorgung klare Vorteile: Sie verteilt Risiken auf viele Schultern und macht unser Land robuster. Sicherheit und eine moderne Energieversorgung gehören deshalb zusammen.“ 

Die aktuelle Antwort auf eine Anfrage zum Schutz kritischer Infrastruktur von Florian Siekmann, Sprecher für Inneres der Landtags-Grünen, offenbart weiteren Handlungsbedarf. 

Florian Siekmann

„Sabotage wartet nicht, bis diese Regierung aus dem Quark kommt. Fast sieben Monate** für eine Antwort zum Schutz unserer kritischen Infrastruktur sind viel zu lang. Diese Antwortdauer steht exemplarisch für das Schneckentempo der CSU/FW-Regierung. Bayern braucht dringend mehr Eile bei Vorsorge, Gefahrenabwehr und Übungen.

Das Innenministerium verweist bei Schutz- und Redundanzkonzepten immer wieder auf die Betreiber. Die Staatsregierung muss sie aber auch aktiv unterstützen. Daher fordern wir eine Anhörung im Innenausschuss, in der Betreiber kritischer Infrastruktur und Sicherheitsbehörden ihre Erwartungen und weitere Bedarfe nennen können, um sich besser auf Ausfälle und Gefahrenabwehr einzustellen. Dazu werde ich auf die anderen Fraktionen zugehen. 

Auch auf einen großflächigen Stromausfall muss Bayern sich besser vorbereiten. Das Innenministerium sollte die Landkreise zeitnah zu regelmäßigen, auch landkreisweiten Blackout-Übungen auffordern. Gleichzeitig müssen die Gemeinden ihre Bürgerinnen und Bürger zügig darüber informieren, wo sie bei einem längeren Stromausfall Hilfe und Informationen bekommen.

Hintergrund:

*Angriffe auf Umspannwerke: Hamburger Polizei prüft Energieanlagen | ndr.de 

**Die Anfrage wurde am 8. Januar 2026 gestellt. Das Innenministerium beantwortete sie am 28. Juli – fast sieben Monate später.
 

Weitere Erkenntnisse aus der Antwort: 

  • In der Antwort erklärt das Innenministerium, Schutzmaßnahmen der Sicherheitsbehörden richteten sich nach der jeweiligen Verdachts- und Gefährdungslage. Für Redundanz- und Notfallkonzepte verweist es vor allem auf die Verantwortung der Betreiber. Der Austausch zwischen Betreibern und Behörden finde bei sensiblen Betriebsabläufen bislang „allenfalls punktuell“ statt. 
  • Für Stromausfälle nennt das Ministerium mindestens 1.500 Notstromaggregate mit einer Leistung bis 100 kVA sowie mindestens 170 Netzersatzanlagen ab 100 kVA. Weitere Anlagen werden derzeit beschafft. 
  • Alle Gemeinden sind angehalten, für längere Stromausfälle wohnortnahe Anlaufstellen einzurichten und möglichst bereits vorher über deren Standorte zu informieren. 
  • Bei Blackout-Übungen nennt das Innenministerium beispielhaft Übungen im Landkreis Günzburg und in Bad Staffelstein 2023, in Geroldshofen 2025 sowie die Katastrophenschutzvollübung „Black Noris 2026“ in Nürnberg. Die Aufzählung bezeichnet das Ministerium als nicht abschließend.