Wirtschaft | Tourismus | Digitales
Mehrkosten für Kommunen wegen fehlendem Textilrecycling
01. April 2026
Staatsregierung lässt Kommunen mit der Krise beim Altkleider‑Recycling allein
Die Anfrage von Barbara Fuchs, Sprecherin für Wirtschaft der Landtags-Grünen zeigt: Die Bayerische Staatsregierung lässt die Kommunen mit dem steigenden Aufwand und den hohen Kosten für das Recycling von Altkleidern allein.
Darum geht’s:
Das bayerische Sammelsystem für Altkleider gerät zunehmend unter Druck.
Steigende Entsorgungskosten, sinkende Erlöse und die schlechte Qualität vieler Kleidungsstücke machen die Sammlung für gemeinnützige und gewerbliche Träger zunehmend weniger rentabel. Weil sich karitative Organisationen und Verwertungsunternehmen zurückziehen oder gar Insolvenz anmelden, bleiben die Kommunen auf dem Problem sitzen – und müssen die Entsorgung oft mit erheblichen Mehrkosten selbst übernehmen.
Statt konkreter Hilfen auf den Weg zu bringen, plant die Staatsregierung lediglich eine Studie, wie aus der Anfrage von Barbara Fuchs hervorgeht. Damit bleiben die Kommunen mit den steigenden Kosten und praktischen Herausforderungen des Textilrecyclings weitgehend allein.
Forderungen der Landtags‑Grünen
Kurzfristige finanzielle Unterstützung für karitative und gewerbliche Sammler, um das bestehende System bis zum Start der EPR zu stabilisieren und die Kommunen zu entlasten.
Soforthilfe für die kommunale Abfallwirtschaft, wenn sie einspringen und Altkleidersammlungen in Eigenleistung übernehmen muss.
Eine breit angelegte Aufklärungskampagne, um den Anteil der Fehlwürfe zu reduzieren und das Bewusstsein zu Fast-Fashion zu schärfen.
Gezielte Investitionsförderung für Recycling‑Infrastruktur, insbesondere für innovative Faser‑zu‑Faser‑Technologien.
Verbindliche Recyclingquoten und nachhaltige öffentliche Beschaffung, um Märkte für Kreislaufprodukte zu fördern.
Auf Bundesebene: Einsatz der Staatsregierung für eine schnelle Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) sowie für ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz nach französischem Vorbild, das besonders umweltschädliche Kleidung finanziell belastet und die Nachhaltigkeit von Produkten transparent macht.
Statements Barbara Fuchs, Sprecherin für Wirtschaft der Landtags‑Grünen
„Die Krise in der textilen Kreislaufwirtschaft betrifft längst nicht mehr nur die Entsorger – sie bedroht inzwischen auch Arbeitsplätze, Unternehmen und die kommunale Daseinsvorsorge. Die Bayerische Staatsregierung darf hier nicht länger zuschauen: Es braucht jetzt schnelle Hilfe für Sammler und verlässliche Perspektiven für Unternehmen, die in Recycling und nachhaltige Produktion investieren.
Es ist völlig inakzeptabel, dass die Kommunen mit den Folgen der Krise in der textilen Kreislaufwirtschaft allein gelassen werden. Wenn Sammler aufgeben, landen Kosten und Altkleiderberge der Fast-Fashion-Industrie bei Städten und Landkreisen – deren Haushalte ohnehin am Limit sind. Statt die Kommunen finanziell zu unterstützen, bleibt es bei leeren Ankündigungen und unnötigen Studien. Die Probleme sind seit Jahren bekannt – wer es ernst meint mit Kreislaufwirtschaft, muss jetzt handeln.“
Hintergrund
Nach Angaben von FairWertung e.V., dem Dachverband karitativer Sammler, mussten in mehreren bayerischen Regionen, wie z.B. in Georgensmünd, Mindelheim und Nürnberg Sammelcontainer abgebaut oder Kooperationen beendet werden.
Städte und Landkreise sind verpflichtet, eigene Sammelsysteme aufzubauen, wenn private oder gemeinnützige Träger ausscheiden – eine Aufgabe, die erhebliche Kosten verursacht.
Im Landkreis Rosenheim wird bei einer rein kommunalen Altkleider-Sammlung mit jährlich rund 340.000 Euro Mehrkosten gerechnet
Statt kurzfristiger Unterstützung für Kommunen oder Sammler hat die Staatsregierung lediglich eine Studie („MaKoSaTex“) in Auftrag gegeben dafür sind mit rund 129 000 Euro im Haushalt eingestellt – weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Systems sind nicht geplant
Fast-Fashion verschärft das Problem: Billigkleidung und Mischfasern führen zu immer größeren Mengen minderwertiger Alttextilien. Laut Angaben des wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag hat sich die weltweite Kleidungsproduktion seit 2000 verdoppelt, während die Lebensdauer um 40 Prozent gesunken ist. In Deutschland ist die Menge der Bekleidungs- und Textilabfälle in 10 Jahren um 55 Prozent gestiegen.
Fehlwürfe, also Abfälle und verschmutzte Textilien in Altkleidercontainern, nehmen stark zu und verschlechtern die Qualität des Sammelguts weiter. Dadurch steigen Sortier‑ und Entsorgungskosten zusätzlich.
Der Fachverband Textilrecycling im bvse warnt vor einem massiven Preisverfall auf dem Gebrauchtkleidermarkt. Für viele Sammler rechnet sich die Arbeit kaum noch.
Laut einer aktuellen Analyse der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages entstehen in Deutschland jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen Alttextilien; EU-weit werden weniger als 15 Prozent recycelt.
Neue EU‑Pflichten: Seit dem 1. Januar 2025 gilt die Pflicht zur getrennten Sammlung von Textilien. Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR), mit der Produzenten künftig an Recyclingkosten beteiligt werden sollen, greift jedoch erst 2027 oder 2028.