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Führungskrise an Bayerns Schule
Die Landtags-Grünen fordern wegen Überlastung und Personalmangel ein Reformpaket für bessere Arbeitsbedingungen von Schulleitungen in Bayern.
29. Januar 2026
Landtags-Grüne reichen Antragspaket für bessere Arbeitsbedingungen für Schulleitungen ein
Bayern hat ein massives Führungsproblem an Schulen: Leitungsstellen bleiben unbesetzt, viele Schulleitungen sind überlastet und Nachwuchs fehlt.
1. Unbesetzte Stellen
Bereits zum vergangenen Schuljahr 2024/2025 hat unsere SAN ergeben:
- 351 Leitungsstellen mussten neu besetzt werden (alle Schularten zusammen)
- Im Schuljahr davor blieben über 60 Führungsstellen (inkl. Vertretungsstellen) unbesetzt.
2. Überlastung
Jede dritte bayerische Schulleitung ist akut überlastet – das zeigt die GEW-Umfrage (2024) mit mehr als 700 befragten Schulleiter*innen.
- 59 % geben an, regelmäßig krank zur Arbeit zu gehen (= Präsentismus; COPSY Ergebnisbericht Teil 4, S. 7).
- 82 % der Teilnehmenden gaben an, dass ihre Leitungsaufgaben keinen oder nur geringen Freiraum für eine sorgfältige Vor- und Nachbereitung des Unterrichts lassen (PM, Seite 2).
3. Personalmangel wegen fehlender Anreize / Qualifizierung
Frauen sind in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert (SAN):
- 70 % der Lehrkräfte sind Frauen.
- Aber nur ca. 35–40 % der Schulleitungen an weiterführenden Schulen sind weiblich.
- In Rheinland-Pfalz stieg der Frauenanteil durch Mentoring dagegen bereits auf 61,4 %.
- Geplante Reform der Teilzeit im bayerischen Staatsdienst trifft Lehrer*innen stark. In manchen Schularten arbeitet mehr als die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer nicht in Vollzeit.
- Laut forsa-Umfrage (2024) halten über die Hälfte der Befragten Jobsharing / Schulleitungsteams für sehr hilfreich, um ihre Aufgaben besser erfüllen zu können.
Qualifizierungsprogramme gegen wachsenden Führungskräftemangel im Bildungssystem
Die Studie „Schulleitung voraus“ (Leuphana Universität Lüneburg, 2024/25) belegt:
- Frühzeitige Vorqualifizierung senkt Unsicherheit und steigert Führungsbereitschaft massiv.
- Nur 5,9 % der an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmenden Lehrkräfte sehen keine berufliche Perspektive – gegenüber 45 % bei Lehrkräften ohne Vorqualifizierung.
- Bayern hinkt im Vergleich zu anderen Bundesländern hinterher: NW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und BaWü haben bereits Mentoring, Führungsnetzwerke oder Jobsharing eingeführt. Bayern bietet dagegen vor Amtsantritt nur 3–5 Tage freiwillige Vorqualifizierung – deutlich weniger als der Bedarf.
Zitat Christian Zwanziger, MdL, Mitglied des Bildungsausschuss:
„Unsere Schulen verdienen top unterstützte Schulleitungen – und in Bayern lassen wir sie dagegen viel zu oft allein. Die Zahlen sind alarmierend: jede dritte Schulleitung ist überlastet, ein Großteil der Befragten sieht eine Beeinträchtigung der Unterrichtsqualität. Das ist kein individuelles, sondern ein systemisches Versagen.
Während andere Bundesländer längst Mentoring, Führungsnetzwerke oder Jobsharing in der Schulleitung ermöglichen, kämpfen in Bayern viele Schulleitungen mit Überlastung, fehlender Vorbereitung und gleichzeitig wachsender Verantwortung. Wir haben einen Zustand erreicht, in dem Leitungsstellen unbesetzt bleiben, Bewerberinnen abgeschreckt werden und engagierte Führungskräfte auf Dauer ausbrennen.
Es ist höchste Zeit für einen Wandel: Wir brauchen bessere Qualifizierung vor Amtsantritt, mehr Leitungszeit, moderne Modelle wie Jobsharing und eine gezielte Förderung von Frauen in Führung. Vor allem aber brauchen Schulleitungen starke Netzwerke – Räume zum Austausch, zur kollegialen Unterstützung und zum gemeinsamen Lernen.
Mit unserem Antragspaket zeigen wir ein Zukunftsbild für Bayerns Schulen: professionelle, gut vorbereitete und vernetzte Führungsteams, die Schulen mutig weiterentwickeln und den pädagogischen Auftrag mit Leben füllen. Gleichzeitig wird diese Arbeit anerkannt und unterstützt. Wer starke Schulen will, muss Schulleitungen stärken – und dafür sorgen wir jetzt.“
Zentrale Forderungen aus dem Antragspaket der Grünen Fraktion Bayern
- Modernere Führungsmodelle – Jobsharing und Teilzeitmodelle für Schulleitungen überall ermöglichen → macht Leitungsstellen attraktiver, gerade für Frauen und Teilzeitkräfte. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern VI: Jetzt Jobsharing und Teilzeitmodelle für Schulleitungen aller Schularten ermöglichen! 0000007479.pdf)
- Mehr Leitungszeit für alle Schulleitungen → Entlastung sofort spürbar, besonders an Grund-, Mittel- und Förderschulen. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern III: Mehr Leitungszeit für Schulleitungen! 0000007482.pdf)
- Frauen gezielt fördern – Programm „Frauen führen Schule“ an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen (ALP) → Mentoring, Fortbildung, Vernetzung; evaluiert und landesweit zugänglich.(Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern IV: Mehr Frauen in Führung. Mentoring- und Entwicklungsprogramm für weibliche Schulleitungen und Führungskräftenachwuchs in Bayern 0000007481.pdf)
- Erweiterte Schulleitungen jetzt auch an Grund- und Mittelschulen einführen → Entlastet Schulen mit den größten sozialen Herausforderungen. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern I: Einführung erweiterter Schulleitungen an allen Schularten in Bayern 0000007484.pdf)
- Landesweites Netzwerk „Schulleitung vernetzt Bayern“ aufbauen → Professionalisierung, Austausch, Resilienz und Innovationskraft stärken. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern II: Netzwerkstrukturen für Austausch, Unterstützung und Professionalisierung in Bayern schaffen 0000007483.pdf)
- Qualifizierung vor Amtsantritt verbessern und Bewerbungsprozess beschleunigen → Entscheidungen bis Weihnachten, mehr Praxisanteile, bessere Vorbereitung. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern V: mehr Perspektiven, Qualifizierung und Unterstützung für zukünftige Führungskräfte im Bildungssystem 0000007480.pdf)
Hinweis: Das Antragpaket wird am 29. Januar 2026 im Bildungsausschuss behandelt.