Umwelt | Natur

Warnsignale ignoriert, Flüsse in Gefahr: Grüne werfen Regierung jahrelanges Versäumnis beim Gewässerschutz vor

06. August 2026

Forderung nach einem Schutzpaket gegen den Gewässerkollaps

Durch historisch niedrige Wasserstände geraten Wasserlebewesen und Pflanzen unter Druck, es droht massives Fischsterben. Die Landtags-Grünen sehen die Verantwortung bei der Staatsregierung – und fordern ein Schutzpaket gegen den Gewässerkollaps.

Seit Tagen herrscht aufgrund der Hitzewelle Niedrigwasser in Gewässern, teils mit drastischen Auswirkungen auf Frachtschifffahrt oder Energiegewinnung, doch besonders die Folgen für die Natur sind gravierend, warnen die Landtags-Grünen.

„Die derzeitige Entwicklung führt zu schweren ökologischen Krisen: Fische, Amphibien und weitere Wasserlebewesen werden in großer Zahl sterben, wenn sie nicht gerettet werden. Laichplätze gehen verloren. Und auch Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum. Die Lage ist wirklich dramatisch", betont Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag. Seit Jahren fordern die Grünen die Staatsregierung dazu auf, Bayerns Gewässer an den fortschreitenden Klimawandel anzupassen.

„Aber die CSU und auch die Freien Wähler haben die Warnsignale über Jahre ignoriert. Ministerpräsident Söder trägt hier die politische Verantwortung, er ist in der Pflicht, zu handeln!“

Welche Maßnahmen die Bayerische Staatsregierung umgehend auf den Weg bringen muss, haben die Landtags-Grünen in einem Antrag zusammengefasst und diesen heute im Bayerischen Landtag eingereicht. „Wir brauchen ein umfassendes Schutzpaket gegen den ökologischen Notstand in und an unseren Gewässern. Das betrifft sowohl kurzfristige Hilfe als auch langfristige Klimaanpassung“, sagt Patrick Friedl, Sprecher für Klimaanpassung der Grünen im Bayerischen Landtag.

Ein zentrales Element sei die durchgehende Beschattung der Gewässer durch Bäume und Sträucher an den Uferrändern. „Also breite Ufersäume, die die Temperatur senken und Lebensräume schaffen“, erklärt Patrick Friedl. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der Renaturierung der Fließgewässer:

„Wir müssen unseren Flüssen wieder den Raum geben, den sie brauchen! Dazu gehören die früher üppig vorhandenen Auenlandschaften, der Rückbau von Begradigungen und: nicht weiter alles technisch zu verbauen – nur so können unsere Gewässer wirklich widerstandsfähig gegen die Folgen der Erderwärmung sein.“

Damit die Anpassung an die neuen klimatischen Bedingungen auch langfristig funktioniert, brauche es zwingend eine grundlegende Umstellung in der Flächenpolitik, betont Patrick Friedl

„Bayern muss wieder ein Schwammland werden. Das heißt: weniger Versiegelung, mehr Humusaufbau, mehr Moorrenaturierung, mehr naturnahe Landschaften, die Wasser speichern wie ein Schwamm und langsam wieder abgeben.“ 

Nur so ließen sich die Folgen der Klimakrise abmildern und die Lebensgrundlage Wasser für Mensch und Natur langfristig sichern. Auch große Wassernutzungen durch produzierende Industrie und Energieunternehmen gelte es mit Fokus auf Hitzewellen genauer in den Blick zu nehmen. Hintergrund: An vielen größeren Gewässern wird Kühlwasser entnommen und erwärmt wieder zurückgeführt. Was bei normalen Temperaturen noch verkraftbar ist, verschärft in Hitzephasen die Probleme.

Angesichts der seit Tagen akuten Gefährdung vieler Fischbestände fordern die Landtags-Grünen zudem staatliche Unterstützung für Fischereiverbände bei Notmaßnahmen: „Dazu gehört beispielsweise Hilfe bei der Bereitstellung mobiler Belüftungsanlagen für Gewässer mit akutem Sauerstoffmangel“, so Patrick Friedl. Notmaßnahmen müssten zudem durch Bezirksregierungen, Wasserwirtschaftsämter und Fischereifachberater*innen zentral koordiniert werden. Eingriffe wie Wasserbereitstellung, Umsetzungen oder Notabfischungen müssten schnell geprüft und, wo nötig, genehmigt werden. „Gut, dass es einen Alarmplan für Main und Donau gibt. Dies brauchen wir künftig für alle Gewässer“, so Patrick Friedl. Außerdem seien Notaktionen für Gewässer in Naturschutzgebieten, zum Beispiel mit seltenen Muschel- oder Libellenarten, erforderlich. „Unsere Flüsse und Bäche sind keine beliebig ersetzbaren Lebensräume. Was heute verloren geht, lässt sich in der Zukunft meist nicht mehr zurückholen. Der Schutz unserer Gewässer ist eine Überlebensfrage – für unsere Fische, für unsere Landwirtschaft und damit für uns alle. “ 

Den Antrag der Landtags-Grünen sowie weitere Informationen zum Gewässerschutz finden Sie auf der Webseite www.gruene-fraktion-bayern.de

Hier finden Sie die Temperaturen der bayerischen Flüsse: Wassertemperatur
Und hier der bayerischen Seen: Wassertemperatur

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