Umwelt | Natur
Hitzeschutz ist eine Frage der Gerechtigkeit
19. August 2026
Hitzeschutzplan für Bayern
40 Grad draußen, 30 Grad drinnen – und kaum Abkühlung in der Nacht. Die extreme Hitze trifft uns alle. Aber sie trifft nicht alle gleich. Wer sich keine Klimaanlage leisten kann, keinen Garten hat und keinen kühlen Rückzugsort besitzt, kann der Hitze kaum entkommen. Für Millionen Menschen wird der Sommer so zur täglichen Belastungsprobe. Das ist ungerecht. Hitzeschutz ist deshalb vor allem eine Frage der Gerechtigkeit. Mehr Bäume, entsiegelte Flächen, begrünte Dächer und kühle Orte in unseren Städten und Dörfern machen das Leben für alle erträglicher.
Doch trotz extremer Hitze, Niedrigwasser und weiter ausbleibendem Regen und Ernteausfällen fällt der Staatsregierung nichts Neues ein. Die Programme sind alt, konkrete neue Maßnahmen fehlen. Die Wirtschaft leidet unter Hitze und Niedrigwasser, allein die Landwirte beklagen mindestens 600 Millionen Euro Schäden. Keine Krisentreffen, kein entschlossenes Nachsteuern – obwohl nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts allein in diesem Jahr bereits rund 1.440 Menschen in Bayern an den Folgen von Hitze gestorben sind, vor allem Ältere. Das können wir nicht hinnehmen. Wenn sich die Lage zuspitzt, muss Politik handeln. Ministerpräsident Markus Söder trägt die Verantwortung. Wir brauchen jetzt einen wirksamen Hitzeschutzplan für Bayern: kurzfristig, damit Menschen sicher durch die nächste Hitzewelle kommen. Und langfristig, damit unsere Städte und Dörfer auch in Zukunft lebenswert bleiben und unsere Ernährung gesichert ist. Jeder verhinderte Hitzetote ist ein Menschenleben, das wir schützen konnten?
1. Wer die Klimakrise befeuert, muss dafür bezahlen
Neben dem CO₂-Preis gibt es weitere Maßnahmen nach dem Verursacherprinzip. Verbraucher*innen dürfen nie wieder für Ölkrisen bezahlen müssen. Zusätzlich zum langfristig wirksamen Ausstieg aus fossilen Importen hilft kurzfristig eine Übergewinnsteuer wie in Großbritannien. Die Einnahmen fließen über Vergünstigungen für Bus, Bahn und E-Autos an die Bürger*innen zurück. Die Botschaft muss klar sein: Je teurer und unsicherer Öl und Gas werden, desto schneller machen wir uns unabhängig.
Katharina Schulze erklärt:
"Wer der Klimakrise auch noch Schützenhilfe leistet, muss dafür auch gerade stehen: Mit Geld. Öl und Gas sind teuer, unsicher und machen uns abhängig. Wer das nicht versteht und damit uns allen schadet, muss dafür blechen. Die Verbraucherinnen und Verbrauchen haben die Nase voll von Multimillionen-Konzernen, die sich ohne Rücksicht auf die Gemeinschaft die Taschen vollstopfen und alles noch schlimmer machen."
2. Mehr PV auf staatliche Dächer
Von den über 11.000 staatlichen Dächern sind lediglich 903 mit einer PV-Anlage ausgerüstet. Ein Großteil der Dächer ist weiterhin unbelegt und wir verschenken damit Flächen für günstigsten Sonnenstrom. Hier könnten wir günstigsten Strom erzeugen für Klimaanlagen und darüber hinaus. Die PV-Anlagen würden sich praktisch selbst amortisieren - und wir alle profitieren. Klimaneutral gekühlte Räume würde auch den Beschäftigten beispielsweise in Schulen, Landratsämtern oder Finanzämtern den Arbeitsalltag erträglicher machen.
Katharina Schulze kommentiert:
"Das einzige Positive an dieser unerträglichen Hitze ist der Sonnenstrom als Nebeneffekt. Unsere PV-Anlagen produzieren mit aller Kraft massenweise sauberen, günstigen und unabhängigen Strom produzieren. Aber nicht mal das bekommt die Staatsregierung hin. Sie lässt dieses Geschenk auf den staatlichen Dächern einfach liegen - das halte ich für kurzsichtig, auch aus Haushaltsgesichtspunkten."
3. Städte und Dörfer runterkühlen
Hitze trifft nicht alle gleich. Wer in dicht bebauten Ortskernen lebt, an heißen Arbeitsplätzen arbeitet oder keinen eigenen Garten hat, leidet besonders. Deshalb müssen wir Städte und Dörfer klimaresilienter machen: versiegelte Flächen entsiegeln, mehr Bäume pflanzen und Fassaden und Dächer begrünen. Sie speichern Wasser, spenden Schatten und kühlen – gut für Menschen und Natur. Mit Schwammstadt-Prinzip, Zisternen und klimaangepasstem Bauen halten wir Regenwasser zurück, statt es sofort abzuleiten. Mehr energetische Sanierungen und der Schutz von Frischluftschneisen verhindern, dass sich Wohngebiete immer stärker aufheizen. Das schützt die Gesundheit und verbessert die Lebensqualität.
Katharina Schulze erklärt:
„Hitze ist auch eine soziale Frage. Im gekühlten Büro, im Einfamilienhaus oder in Seenähe lässt sich der Sommer leichter ertragen. Pflegekräfte, Bauarbeiter und Dachgeschossbewohnerinnen lachen bitter, wenn man ihnen nur rät zu lüften oder die Jalousien herunterzulassen. Städte müssen hitzeresilienter werden: Mehr Bäume, weniger Asphalt ist das Motto. Dazu braucht es auch mit Fassadenbegrünung, klimaangepasstem Bauen, energetischen Sanierungen und Klimaanlagen auf Rezept. Und wir müssen aufhören, jede grüne Wiese weiter zuzupflastern, wenn wir auch in die Höhe und Tiefe bauen können.“
4. Hitzeschutz für alle: "Kühle Räume"-Programm
Die Staatsregierung muss an der Landesanstalt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ein bayerisches Hitze-Notfallzentrum einrichten. Es koordiniert gemeinsam mit den Kommunen ein „Bayernnetz – Kühle Räume“, stattet diese bei Bedarf aus und macht einen digitalen Übersichtsplan schnell für alle zugänglich. In den „Kühlen Räumen“ gibt es kostenlos Trinkwasser, bei Bedarf medizinische Grundversorgung und ausreichend kühle Schlafplätze. Zusätzlich braucht Bayern ein Hitzetelefon bei der LGL – als schnelle Anlaufstelle für Bürger*innen und Kommunen.
Katharina Schulze fordert:
"Niemand sollte einer Hitzewelle schutzlos ausgeliefert sein. Hitzeschutz ist Bevölkerungsschutz – und dafür ist die Staatsregierung verantwortlich."
5. Wassernotfallplan gegen Trockenheit
Wasser wird durch die Klimakrise zur immer wertvolleren Ressource. Wir müssen es besser speichern, sparsamer nutzen und konsequent schützen. In der Landwirtschaft stärken agrarökologische, standortangepasste und wassersparende Bewirtschaftung die Widerstandsfähigkeit gegen Dürre und Hochwasser und sichern Ernten. Renaturierte Moore, Auen und Gewässer verbessern den Landschaftswasserhaushalt und sorgen für natürliche Kühlung. Wasserschutzgebiete müssen ausgeweitet und Schadstoffeinträge minimiert werden, damit unser Trinkwasser sicher bleibt. Weniger thermische Einleitungen und Wasserentnahmen in Hitzezeiten schützen Flüsse, Bäche und ihre Artenvielfalt. Wasserentnahmen und ihre Kosten müssen nachvollziehbar und gerecht sein. Wasser sparen und wiederverwenden muss einfacher und lohnender werden – für Verbraucher*innen, Landwirtschaft und Industrie. So sichern wir unser Wasser für kommende Generationen.
Katharina Schulze führt weiter aus:
„Es braucht einen Wassernotfallplan gegen Trockenheit. Unser blaues Gold wird immer weniger. Und Die Staatsregierung hat zu wenig getan, um es zu schützen. Mit der Wassergesetznovelle 2025 wurde die Chance verpasst, Bayerns Wasserzukunft langfristig zu sichern. Statt Flächenfraß zu stoppen und auf Schwammstädte zu setzen, fließen Millionen in teure Fernwasserprojekte und kommen absurde Vorschläge wie die weitere Ausbaggerung der Donau. Das bringt keinen Tropfen mehr Wasser, kann aber dazu führen, dass Wasser schneller abfließt, Lebensräume verloren gehen und das Flussbett wie eine Drainage wirkt, die Grundwasser aus der Umgebung zieht. Wollen wir wirklich Auen, Brunnen und Felder austrocknen lassen? Schon jetzt sind Ernteausfälle bekannt. Die Antwort heißt: mehr Natur statt Baggerschaufel – Schwammlandschaften, lebendige Auen, mehr Rückhalt für Starkregen und Lösungen für die Schifffahrt, die mit niedrigen Wasserständen klarkommen.“
6. Katastrophenszenario Waldbrand: Verhindern und schneller eindämmen
Feuerwehren und Katastrophenschutz müssen sich besser auf die Folgen der Klimakrise einstellen – etwa auf Waldbrände. Bayern ist bisher weitgehend verschont geblieben. Doch ein großflächiger Waldbrand braucht andere Strategien, Ausbildung und Ausrüstung als ein Küchen- oder Autobrand. Deshalb müssen Schulungen und Einsatzkonzepte angepasst werden. Auch Ehrenamtliche brauchen dafür Zeit und Möglichkeiten zur Weiterbildung. Ein Helfergleichstellungsgesetz, das wir Grüne vorgeschlagen haben und von der Staatsregierung abgelehnt wurde, würde ihnen genau das ermöglichen.
„Wenn Hitze in Feuer umschlägt, muss es schnell gehen. Waldbrände wie in Frankreich, den USA und Griechenland können uns auch treffen. Dann können unsere Einsatzkräfte zwischen einer Feuerwand und Wohnhäusern stehen. Dafür brauchen Haupt- und Ehrenamtliche gute Fortbildungen, Schutzkleidung und modernes Equipment. Wir müssen deshalb dringend prüfen: Haben wir genug Ausrüstung, etwa Löschflugzeuge? Sind unsere Einsatzkräfte ausreichend geschützt? Dafür braucht es Geld – und das darf nicht bei den Kommunen hängen bleiben. Der Freistaat trägt die Verantwortung für die landesweite Katastrophenstrategie und muss sich entsprechend finanziell beteiligen."