Umwelt | Natur

Gefährlichen Blindflug bei PFAS endlich beenden!

02. September 2026

Grüne fordern systematisches Monitoring

Die Antwort der Staatsregierung auf eine Schriftliche Anfrage der Landtags-Grünen zeigt erhebliche Lücken beim Umgang mit PFAS in Bayern: Die Staatsregierung weiß nicht, welche PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel tatsächlich auf bayerischen Feldern eingesetzt werden, kann die Bedeutung der Landwirtschaft für PFAS- und TFA-Einträge nicht beziffern und hat auch keinen aktuellen Gesamtüberblick über die bekannten PFAS-Fälle im Freistaat. Gleichzeitig sind zusätzliche eigene Maßnahmen derzeit nicht geplant. 

Für die Landtags-Grünen ein unhaltbarer Zustand – denn schließlich geht es hier um die Gesundheit der Menschen in Bayern! 

HINTERGRUND

PFAS – sogenannte Ewigkeitschemikalien – sind extrem langlebig und können sich über lange Zeiträume in Böden und Gewässern anreichern.

Aus der Antwort auf die Schriftliche Anfrage geht hervor: Zu den tatsächlich eingesetzten PFAS-haltigen Pflanzenschutzmitteln in Bayern kann die Staatsregierung keine Angaben machen. Auch welchen Anteil landwirtschaftliche Anwendungen am PFAS- beziehungsweise TFA-Eintrag haben, kann sie derzeit nicht beziffern.

Bei den bekannten PFAS-Belastungen fehlt außerdem ein aktueller Gesamtüberblick. Die 23 zuständigen Kreisverwaltungsbehörden konnten für die Anfrage nicht abgefragt werden. Eine aktualisierte PFAS-Fallliste kündigt die Staatsregierung erst für den Landtagsbericht im September 2026 an.

Selbst die Kosten der PFAS-Altlasten kann Bayern nicht grob beziffern. Eine allgemeine Aussage sei wegen der unterschiedlichen Fälle nicht möglich.

PROBLEM: BAYERN WARTET AUF BRÜSSEL – UND BLOCKIERT GLEICHZEITIG

Trotz dieser Wissenslücken plant die Staatsregierung keine zusätzlichen eigenen Maßnahmen zur Einschränkung von PFAS. Sie verweist stattdessen auf das laufende europäische Beschränkungsverfahren im Rahmen der REACH-Verordnung.

Damit lautet die bayerische Linie faktisch: Brüssel soll es richten. Gleichzeitig setzen sich Vertreter der CSU auf europäischer Ebene für weitreichende Ausnahmen bei einer PFAS-Beschränkung ein.

Dass ein Bundesland selbst handeln kann, zeigt Schleswig-Holstein: Dort hat die Landesregierung erst im Juni eine eigene Verordnung auf den Weg gebracht, mit der PFAS-haltige Pflanzenschutzmittel in Wasserschutzgebieten eingeschränkt werden sollen (https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/V/Presse/PI/2026/260615_PI_PFAS_Verordnung). Für 19 Wirkstoffe, für die Alternativen verfügbar sind, ist ein unmittelbares Anwendungsverbot vorgesehen. Zusätzlich stellt Schleswig-Holstein für fünf Jahre 3,5 Millionen Euro für ein PFAS-Sonderprogramm bereit, unter anderem für Monitoring sowie die Unterstützung von Kommunen bei Erkundung und Sanierung belasteter Standorte.

Bayern könnte sich daran orientieren, statt ausschließlich auf eine europäische Lösung zu warten (bzw. vorzugeben darauf zu warten).

GRÜNE FORDERUNGEN FÜR BAYERNS UMWELT UND DIE GESUNDHEIT DER MENSCHEN

Die Landtags-Grünen fordern auch weiter ein systematisches PFAS-Monitoring. 

Konkret wollen die Grünen:

  • Systematisches PFAS-Monitoring für Böden, Gewässer und Trinkwasser: regelmäßige und vergleichbare Messungen statt nur anlassbezogener Untersuchungen.
  • Mehr Transparenz: Messdaten, Belastungstrends und bekannte Hotspots sollen öffentlich zugänglich gemacht werden.
  • Konkrete Sanierungsstrategien für belastete Standorte sowie die Förderung PFAS-freier Alternativen.
  • Ein bayerisches PFAS-Sonderprogramm für Kommunen und Wasserversorger: Das letzte bayernweite Sonderprogramm für PFAS im Trinkwasser stammt aus den Jahren 2018/2019. Wasserversorger dürfen beim Messen, Bewerten und bei notwendigen Gegenmaßnahmen nicht allein gelassen werden.
  • Eine Strategie für PFAS im Abwasser: Die Staatsregierung bestätigt selbst, dass die vierte Reinigungsstufe PFAS grundsätzlich aus Abwasser entfernen kann. Sie beantwortet aber nicht, welche Alternativen Bayern bei Verzögerungen der europäischen Vorgaben vorsieht.

Laura Weber, Sprecherin für Verbraucherschutz der Grünen Landtagsfraktion, erklärt:

„Bei Ewigkeitschemikalien reicht es nicht, darauf zu hoffen, dass irgendwann jemand anderes das Problem löst. Die Staatsregierung weiß nicht einmal, welche PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel tatsächlich auf Bayerns Feldern eingesetzt werden, sie kennt den Anteil der Landwirtschaft am Eintrag nicht und kann die Kosten der PFAS-Altlasten nicht beziffern. Trotzdem lautet die Antwort immer wieder: Brüssel wird’s schon richten.

Besonders absurd ist das, wenn die CSU gleichzeitig in Europa daran arbeitet, die geplanten Regeln mit möglichst vielen Ausnahmen zu versehen. Schleswig-Holstein zeigt und das dortige Grün geführte Umweltministerium zeigen, dass man als Bundesland längst selbst handeln kann. Man muss nur wollen. 

Wir brauchen ein bayernweites PFAS-Monitoring, mehr Transparenz und ein eigenes Sonderprogramm für Kommunen und Wasserversorger. Bei Stoffen, die praktisch für immer in unserer Umwelt bleiben, ist Abwarten keine Strategie.“