Umwelt | Natur
Bayern kommt beim Moorschutz kaum voran
04. Mai 2026
Kein Fortschritt fünf Jahre nach Söder's Donaumoos-Versprechen
„Markus Söder hat im Donaumoos große Versprechen gemacht – doch fünf Jahre später zeigt sich: Bayern ist beim Moorschutz immer noch viel zu langsam. Dabei sind Moore unsere besten natürlichen Klimaschützer. In entwässertem Zustand heizen sie die Klimakrise an – intakt schützen sie Klima, Artenvielfalt und Wasserhaushalt“
erklärt Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen.
Am 4. Mai jährt sich zum fünften Mal Markus Söders Ankündigung, im Donaumoos 2.000 Hektar Moorfläche wieder zu vernässen und dafür 200 Millionen Euro bereitzustellen. Die Umsetzung bleibt bislang weit hinter den Erwartungen zurück. Seit der Ankündigung wurden gerade einmal 200 weitere Hektar Moorfläche für die Renaturierung erworben. Damit verfügt der Zweckverband Donaumoos nun über etwa 650 Hektar Fläche – vom selbst gesetzten Ziel ist der Freistaat somit immer noch weit entfernt.
Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz, betont: „Moorschutz geht nur gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten. Wer Flächen wiedervernässt, braucht Planungssicherheit, faire Vergütung und neue Einkommensquellen. Klimaschutz muss sich für diejenigen lohnen, die ihn vor Ort möglich machen. Genau darin liegt die Chance des Donaumoos: Es kann zeigen, wie Klimaschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen – als Standort für Klimaschutzhöfe, Paludikulturen und regionale Wertschöpfung.“
Das Donaumoos steht damit sinnbildlich für die gesamte Moorpolitik der Staatsregierung: große Worte, aber wenig Fortschritt.
Die Bilanz für ganz Bayern ist ernüchternd: Laut einer unserer Anfragen wurden seit 2019 bayernweit lediglich 1.706 Hektar Moore wiedervernässt – gerade einmal drei Prozent des von CSU und FREIEN WÄHLERN selbst gesetzten Ziels von 55.000 Hektar bis 2040. In diesem Tempo würde der Freistaat sein eigenes Moorziel nicht in 15 Jahren erreichen – sondern erst in 194 Jahren.
Auch auf den eigenen staatlichen Moorflächen kommt Bayern kaum voran. Das geht aus weiteren Anfragen der Landtags-Grünen hervor: Von knapp 34.000 Hektar Moorböden im Eigentum des Freistaats wurden seit 2019 auf nur rund 860 Hektar Maßnahmen zur Wiedervernässung umgesetzt – weniger als drei Prozent. In der aktuellen Anfrage verweist die Staatsregierung auf laufende Vorbereitungen und einzelne kleine Wiedervernässungen, beispielsweise auf 13 Hektar Moorfläche in Großkarolinenfeld. Dazu sagt Patrick Friedl:
„Prüfberichte, Machbarkeitsstudien und kleine Einzelmaßnahmen – echte Dynamik sieht anders aus. So wird die Söder-Regierung nicht einmal ihr ohnehin viel zu schwaches Ziel von 55.000 Hektar bis 2040 erreichen.“
Dabei ist der Handlungsdruck enorm: Entwässerte Moore stoßen in Bayern jedes Jahr rund 6,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus – etwa acht Prozent der gesamten bayerischen Treibhausgasemissionen. Naturnahe Moore dagegen sind gewaltige Kohlenstoffspeicher und binden pro Hektar im Schnitt rund 700 Tonnen Kohlenstoff.
Katharina Schulze fordert:
„Viel ankündigen, wenig umsetzen – das ist die bisherige Moorpolitik der Staatsregierung. Statt Bayerns natürliche Klimaschützer konsequent zu stärken, verschiebt Markus Söder lieber das Ziel der Klimaneutralität von 2040 auf 2045. Das ist die falsche Denkrichtung: Nicht die Klimaziele müssen nach hinten rücken, sondern der Moorschutz nach vorne. In den nächsten fünf Jahren muss auf allen staatlichen Mooren mindestens mit der Wiedervernässung begonnen werden. Außerdem brauchen wir eine zentrale Mooragentur* sowie deutlich mehr Geld und Personal für konsequenten Moorschutz.“
*In einer Mooragentur bündeln sich Maßnahmen und Beratungsangebote zu Moorschutz und Renaturierung, beispielsweise nach Vorbild aus Mecklenburg-Vorpommern: https://www.mooragentur-mv.de