Umwelt | Natur

Antragspaket Gewässerschutz

02. Juli 2026

Bessere Kontrolle, Gewässer renaturieren, Lebensräume schaffen - Konsequenter Gewässerschutz

Die Landtags-Grüne fordern klare Maßnahmen für einen besseren Schutz bayerischer Fließgewässer und stellen neben einer Analyse der aktuellen Situation hierzu ihr Antragspaket vor, um lebendige Gewässer für kommende Generationen zu erhalten.

Flüsse und Bäche schützen – unsere Lebensadern bewahren

Was brauchen Flüsse und Bäche in Bayern konkret, damit sie Rückzugsräume der Artenvielfalt UND Orte der Erholung bleiben oder wieder werden? Die Antwort: vor allem unsere Aufmerksamkeit. Unseren Schutz. Und den politischen Willen, konsequent zu handeln.

Warum gesunde Gewässer für uns alle so wichtig sind

Flüsse und Bäche sind viel mehr als Wasserläufe. Sie verbinden Landschaften, schaffen Lebensräume und sichern unsere Lebensqualität. Sie sind Rückzugsorte für unzählige Tier- und Pflanzenarten, von der Libelle bis zur Bachforelle. Naturnahe Gewässer filtern Schadstoffe und tragen zu hochwertigem Trinkwasser bei. Intakte Flussauen speichern Wasser und reduzieren das Risiko von Überschwemmungen. Gewässer und ihre Ufer kühlen die Landschaft und helfen, Extremwetter abzufedern.

Was derzeit schiefläuft

Unsere Fließgewässer stehen unter massivem Druck. Nur etwa 21 % der bayerischen Oberflächengewässer erreichen einen guten Zustand. Pestizide und Schadstoffe gelangen aus der Landwirtschaft in Bäche – gerade bei kleineren Bächen oft unbemerkt in kurzfristigen Belastungsspitzen, zum Beispiel bei Starkregen. Verbauungen und Barrieren zerschneiden Lebensräume. In Bayern verhindern rund 57.000 Querbauwerke natürliche Wanderungen von Tieren. Und viel zu oft gehen auf einen Schlag, wie bei Ausbaggerungen am bis dato einzigartigen Wildbach Rappenalpbach im Allgäu, einzigartige Ökosysteme verloren.

Was wir konkret tun wollen

Mit unserem Antragspaket fordern wir klare Maßnahmen für besseren Gewässerschutz in Bayern:

1. Bäche besser überwachen – Probleme sichtbar machen

Wir wollen ein modernes Monitoring für kleine Fließgewässer, mit automatisierten Messsystemen, die auch bei besonderen Ereignissen wie Starkregen Proben nehmen, und damit auch Belastungsspitzen statt nur Durchschnittswerte analysieren. So schaffen wir eine wichtige Datengrundlage, um gezielt handeln zu können.

2. Durchgängige Lebensräume schaffen

Flüsse sollen wieder das sein, was sie von Natur aus sind: verbindende Lebensadern. Dafür braucht es den Aufbau eines landesweiten Biotopverbunds entlang aller Gewässer und die Beseitigung von Barrieren und Durchgängigkeit auch im Wasser für Tiere, um isolierte Lebensräume wieder besser vernetzen zu können. Denn für Tier- und Pflanzenarten ist es entscheidend, sich zwischen verschiedenen Lebensräumen bewegen zu können; ob zur Nahrungssuche, zu saisonalen Wanderungen, zur Fortpflanzung oder zum genetischen Austausch. Gewässer wie Flüsse und Bäche wirken dabei als natürliche Lebenslinien und verbinden unterschiedlichste Lebensräume in der Landschaft. Nur durch das Schließen bestehender Lücken entsteht ein funktionales Netzwerk, das Artenvielfalt langfristig stabilisiert und Bayern gegen die Folgen des Klimawandels widerstandsfähiger macht.

3. Auen wiederherstellen und stärken

Auen sind die unterschätzten Multitalente unserer Landschaft: sie speichern
Hochwasser auf natürliche Weise und verringern dadurch Überflutungsrisiken; sie filtern Nähr- und Schadstoffe und tragen so zum sauberen Wasser bei und gehören zugleich zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Viele bedrohte Tierarten sowie zahlreiche spezialisierte Pflanzen sind unmittelbar auf intakte Auen angewiesen. Flussauen müssen deshalb wieder an natürliche Überschwemmungsdynamiken angebunden werden. Das hilft gleichzeitig der Natur und schützt uns Menschen vor Hochwasser.

4. Entstandene Schäden konsequent aufarbeiten und Gewässer renaturieren

Der Fall Rappenalpbach zeigt, wie schnell Lebensräume verloren gehen können. Der Bach war über viele Jahre hinweg einer der ökologisch wertvollsten und dynamischsten Alpenbäche Bayerns und ein herausragendes Naturjuwel des europäischen Naturerbes. Dies änderte sich abrupt durch massive, nicht genehmigte Eingriffe im Herbst 2022, bei denen der Bach auf rund 1,5 Kilometern Länge begradigt, eingeengt und mit Kies überdeckt wurde. Die ökologischen Schäden sind noch lange nicht behoben. Wir fordern eine konsequente Aufarbeitung und Renaturierung des zerstörten Bachlaufs.  Solche Ereignisse dürfen sich nicht wiederholen.

Unser Ziel: Lebendige Gewässer für kommende Generationen

Flüsse und Bäche sind kein Luxus. Sie sind die Grundlage für eine gesunde Umwelt – und damit für unser eigenes Leben. Der Schutz unserer Flüsse und Bäche ist eine Aufgabe, die uns alle betrifft. Politik, Landwirtschaft, Kommunen und Gesellschaft müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Denn nur wenn wir unsere Gewässer schützen, schützen wir auch unsere eigene Zukunft.