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Zuckersteuer für Hersteller – jetzt einführen!
25. März 2026
Hersteller sollen Abgabe für zuckerhaltige Getränke zahlen
Landtags-Grüne fordern eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke, orientiert am britischen Stufenmodell, entrichtet von Getränkeherstellern - Einsparungen von bis zu 16 Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahrzehnten möglich
Antrag in morgiger (26.3.) Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz
Hintergrund/Das Problem:
Etwa jede/r siebte Minderjährige in Deutschland ist von Übergewicht oder Adipositas betroffen; jeder siebte Todesfall in Deutschland ist laut Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf ungesunde Ernährung zurückzuführen. Außerdem erkranken in Deutschland jährlich mehr als eine halbe Million Erwachsene neu an Diabetes. Aktuell leben etwa 8,7 Millionen Menschen mit dieser Erkrankung. Etwa 95 Prozent von ihnen haben einen Typ-2-Diabetes.
Informationen des RKI dazu hier.
Deutschland setzte von 2018 bis 2025 im Rahmen der „Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ überwiegend auf freiwillige Zielvereinbarungen mit Branchenverbänden statt auf verbindliche gesetzliche Vorgaben. Diese Strategie zeigte kaum Wirkung.
Die Landesregierung von Schleswig-Holstein hat einen Antrag zur Einführung der Zuckersteuer auf Bundesebene im Bundesrat eingereicht. Dieser wird an diesem Freitag, 27.3., dort behandelt.
Die Lösung/unsere Forderung:
Eine Steuer/Abgabe auf zuckerhaltige Getränke, orientiert am britischen Stufenmodell (Lenkungswirkung primär über Hersteller‑Reformulierung). Angesichts der klaren Evidenz hinsichtlich ihrer Wirksamkeit aus Vorreiter-Ländern ist die Einführung der Zuckersteuer gesundheitspolitisch dringend geboten. Siehe unseren Antrag.
Best Practice: Großbritannien:
„Soft Drinks Industry Levy“ (seit 2018)
Offizielle Regierungsanalysen zeigen deutliche Zuckerreduktionen in Getränken durch signifikante Reformulierungen, und daraus resultierend geringere Zuckeraufnahmen der Bevölkerung. Modellierungen und Zeitreihenanalysen prognostizieren über 10 Jahre zehntausende weniger adipöse Kinder/Jugendliche sowie tausende verhinderte Kariesfälle, mit den größten Gesundheitsgewinnen in sozial benachteiligten Gruppen.
Zusätzlich belegt eine Studie der Universität Cambridge messbare Rückgänge der tatsächlichen freien Zuckeraufnahme (bis ca. 5 g/Tag bei Kindern bzw. 11 g/Tag bei Erwachsenen) nach Ankündigung und Einführung der SDIL.
Weitere Quellen:
https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1004371
https://www.epi.ims.cam.ac.uk/blog/2024/07/10/daily-free-sugar-intake-fell-uk-sdil/
Was sagt die Bevölkerung?
- FORSA-Umfrage im Auftrag von Foodwatch (2026): 60 Prozent der Befragten befürworteten eine gestaffelte Abgabe für die Hersteller sehr zuckerhaltiger Süßgetränke.
- 73 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die Politik Maßnahmen ergreifen soll, damit die Lebensmittelindustrie den Zuckergehalt in ihren Getränken reduziert.
- Eine zeitgleiche Civey-Umfrage ergab das gleiche Bild.
Studien:
- Eine Studie der TU München kommt zu dem Ergebnis, Deutschland könnte mit einer Steuer auf überzuckerte Softdrinks innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte bis zu 16 Milliarden Euro** sparen. Davon etwa vier Milliarden direkt innerhalb des Gesundheitssystems; die restlichen zwölf Milliarden über Folgeeffekte (weniger Fehltage, Frührente, deutlich geringere Versorgungskosten durch ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes 2).
- Direkte und indirekte gesamtgesellschaftliche Kosten von Adipositas werden bundesweit auf etwa 63 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Gerade für Kinder und Jugendliche hat der DAK Kinder- und Jugendreport 2022 aufgezeigt, wie seit 2019, gerade auch unter Einfluss der Coronapandemie, eine signifikante Risikozunahme für Adipositas stattgefunden hat. In Sozialräumen mit hoher Armutskonzentration hat sich diese noch vielfach potenziert.
- Die WHO empfiehlt Abgaben auf zuckergesüßte Getränke ausdrücklich als wirksame, kosteneffiziente Maßnahme der Primärprävention.
- Eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zeigt, dass der Zuckerkonsum wegen damit verbundener Krankheitsrisiken von Diabetes, Bluthochdruck, Karies oder Parodontose jährlich Gesundheitskosten von knapp zwölf Milliarden Euro in Deutschland verursacht.
Zitate Laura Weber, Sprecherin für Verbraucherschutz:
„Eine Zuckersteuer wäre ein Signal dafür, dass uns Gesundheit unserer Kinder wichtiger ist als die Gewinne der Getränkekonzerne.“
„Wir müssen das Rad nicht neu erfinden: Zahlreiche Länder liefern den Beweis, dass Zuckersteuern Konsum und Krankheitsrisiken senken. Es wäre fahrlässig, diese Chance nicht zu nutzen.“