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HIV-Neuinfektionen stagnieren auf hohem Niveau

16. Juni 2026

Bayern steuert auf Versorgungsproblem zu

Die HIV-Neuinfektionen in Bayern stagnieren auf hohem Niveau. Gleichzeitig bestehen weiterhin Defizite bei Prävention, Testangeboten und der medizinischen Versorgung. Das geht aus einer aktuellen Anfrage von Florian Siekmann, Sprecher für queeres Leben der Landtags-Grünen hervor.  

Darum geht's: 

Besonders auffällig ist dabei, dass sich die Übertragung bei heterosexuellen Kontakten seit den 2000er-Jahren verdoppelt hat und inzwischen an die Zahlen bei Männern heranreicht, die Sex mit Männern haben. Zudem ist bei fast einem Drittel der Fälle der Übertragungsweg unbekannt. Das erschwert die gezielte Prävention. 

Auch bei den HIV-Schwerpunktpraxen* gibt es keine positiven Entwicklungen in Bayern. Die Zahl der Praxen und qualifizierten Ärzt*innen stagniert seit Jahren. Jede HIV-Praxis muss in Bayern rein rechnerisch schon jetzt 400 HIV-Patient*innen versorgen. Dazu kommt, dass rund ein Drittel dieser Ärztinnen und Ärzte (14 von 43) kurz- und mittelfristig in Ruhestand gehen werden und Bayern auf ein Versorgungsproblem zuläuft. Die geographische Verteilung der Praxen ist zudem stark auf München und andere Großstädte konzentriert. 

Auch bei den Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten gibt es keinen langfristig positiven Trend. Zwar zeigt sich 2025 ein positiver Trend bei Syphilis und Hepatitis B, bei antibiotikaresistenten Tripper-Infektionen steigen die Zahlen dagegen weiterhin. Die Zahlen zeigen zudem, dass auch Frauen und heterosexuelle Kontakte mittlerweile stärker betroffen sind. 

Die wichtigsten Zahlen: 

  • Die HIV-Neuinfektionen stagnieren 2025 auf hohem Niveau. 
  • Die Übertragung bei heterosexuellen Kontakten hat sich seit den 2000er-Jahren verdoppelt. 
  • Bei fast einem Drittel der Fälle ist der Übertragungsweg unbekannt. 
  • Von den 43 HIV-Schwerpunktärzt*innen in Bayern werden 14 kurz- oder mittelfristig in den Ruhestand gehen (rund ein Drittel). 
  • Jede HIV-Praxis versorgt schon jetzt rechnerisch rund 400 HIV-Patient*innen. 
  • Bei antibiotikaresistenten Tripper-Infektionen steigen die Fallzahlen weiter an. 

Florian Siekmann, Sprecher für queeres Leben der Landtags-Grünen, erklärt: 

„Bayerns HIV-Prävention droht zu scheitern, wenn wir nicht endlich effektivere Wege finden, um HIV in der breiten Bevölkerung sein Stigma zu nehmen, Testangebote breiter auszurollen und die medikamentöse HIV-Prävention (PreP) flächendeckend und möglichst niederschwellig zugänglich zu machen. Die Neuinfektionen verharren auf einem hohen Niveau. 

Wenn wir HIV und Menschen, die damit leben, entstigmatisieren wollen, brauchen wir wohnortnahe Versorgung für HIV-Positive, flächendeckend kostenlose Testangebote und das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass eine in Therapie befindliche HIV-Infektion nicht mehr ansteckend ist. Nur so können wir die globalen Ziele der WHO und von UNAIDS noch erreichen.“ 

Die Landtags-Grünen fordern: 

  • Effektivere Wege um Stigma abzubauen, durch Schulung des Praxispersonals für diskriminierungsfreie Behandlung sowie Bewusstsein in der Bevölkerung fördern, dass eine in Therapie befindliche HIV-Infektion nicht mehr ansteckend ist. 
  • Kostenlose HIV-Tests flächendeckend ausrollen – niedrigschwellig, auch anonym, wohnortnah und ohne Hürden.  
  • Medikamentöse HIV-Prävention, also PrEP, bayernweit zugänglich machen – besonders auch außerhalb der Großstädte.  
  • Wohnortnahe Versorgung für Menschen mit HIV sichern, damit Beratung, Behandlung und Begleitung nicht vom Wohnort abhängen.  
  • Präventionsarbeit gezielt ausbauen – mit Angeboten, die auch Menschen erreichen, die bisher nicht von klassischen Kampagnen angesprochen werden. 

Hinweis: 

*HIV-Schwerpunktpraxen sind Praxen, in denen spezialisiert fortgebildete Ärzt*innen HIV-Patient*innen versorgen. Die Fortbildung folgt der Qualitätsvereinbarung HIV/AIDS der kassenärztlichen Bundesvereinigung und beinhaltet u.a. eine 6-monatige Arbeit unter Anleitung in einer HIV-Schwerpunktpraxis. Nur Ärzt*innen mit dieser Qualifikation dürfen HIV-Patient*innen behandeln – reinen Hausärzten ohne diese Qualifikation ist dies nicht erlaubt.