Mobilität und Verkehr

Erster Grüner Fahrzeugkongress

Auftakt für weiteren Dialog

Vertreter*innen aus der Autoindustrie, aus Energie- und Digitalwirtschaft und aus Wissenschaft und Politik haben sich auf Einladung der grünen Landtagsfraktion am 8. Februar in Ingolstadt getroffen. Der mit etwa 150 Teilnehmer*innen gut besuchte und gelungene Kongress befasste sich mit dem tiefgreifenden Wandel, dem die Fahrzeugindustrie derzeit unterworfen ist.

Dr. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender im Bundestag, führte ein mit einem Überblick, Prof. Markus Lienkamp zeigte in seinem Einführungsvortrag den Weg zu einer Elektrifizierung des Verkehrs. Dr. Tobias Brunner sprach über die Möglichkeiten der Wasserstoff-Brennzelle und plädierte für eine anwendungsbezogene Technologieoffenheit.
Angesichts der Klimaziele von Paris, zu denen sich besonders die großen Fahrzeugbauer explizit bekannten, und des Verkehrsinfarkts in den Ballungsräumen herrschte Einigkeit, dass die bayerische Fahrzeugindustrie vor einer der größten Herausforderungen ihrer Geschichte steht: Wir müssen umstellen auf emissionsfreie Fahrzeuge und neue, digital vernetzte Mobilitätslösungen. Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn sie Hand in Hand geht mit der Energiewende hin zu 100 Prozent Erneuerbaren. Neue Geschäftsfelder werden sich durch die immer weitere Vernetzung eröffnen, etwa im Bereich „mobility as a service“ und autonomes Fahren. Für eine sozialverträgliche und ökologische Transformation braucht es daher Anstrengungen bei der Weiterbildung und Qualifizierung der Arbeitnehmer*innen.

In kompetenten Fachpanels diskutierten Expert*innen über diese verschiedenen Aspekte: Digitalisierung und autonomes Fahren, die Herausforderungen der Elektrifizierung und die Bedeutung der Wasserstoff-Brennzelle gegenüber dem batterieelektrischen Antrieb. Ebenso beleuchteten sie die tiefgreifenden Auswirkungen des technologischen Wandels auf den Arbeitsmarkt und die mittelständischen Zulieferbetriebe. Auch die Bedeutung von multimodalen Mobilitätslösungen und Visionen für den Verkehr von morgen waren Thema.

Fazit: Die Wirtschaft braucht eine mutige Politik mit klaren Rahmenbedingungen, die den richtigen Rahmen setzt für die Umsetzung der Klimaschutzziele und der Verkehrswende. Dazu gehören zum Beispiel der konsequente Ausbau der Ladeinfrastruktur, auch für Nutzfahrzeuge, eine verlässliche und realistische CO2-Bepreisung und die schnelle Bereitstellung der digitalen Netze in ganz Bayern.

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende, Dr. Markus Büchler, Sprecher für Mobilität, und Barbara Fuchs, wirtschaftspolitische Sprecherin, zeigten sich als Gastgeber*innen sehr zufrieden mit den Ergebnissen des Kongresses und freuen sich auf eine Fortsetzung des Austauschs.

Impressionen

Wir haben Katharina, Barbara und Markus gefragt, wie der Fahrzeugkongress für sie war, was er gebracht hat und wie es weiter gehen soll.

Wie war der Fahrzeuggipfel für dich?

Katharina Schulze: Ich bin absolut begeistert vom ersten grünen Fahrzeugkongress! Es hat vibriert im Raum – so viele gute Gespräche und intensiver Austausch! Besonders gefreut hat mich, das vor Ort eine so Dichte von Fachkompetenz zusammengekommen ist und so konstruktiv diskutiert hat. Vertreter*innen aus der Zivilgesellschaft, Wissenschaftler*innen und Unternehmer*innen aus der Fahrzeugbranche und den Zulieferbetrieben wollen aktiv mit uns daran arbeiten, Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Automobilindustrie in Bayern zu schaffen.

Barbara Fuchs: Der Fahrzeuggipfel war ein voller Erfolg. Er hat bewiesen, dass wir Grüne Ökonomie und Ökologie zusammen denken. Wir haben mit unseren Lösungsideen aufgezeigt, daß eine sozialverträgliche und ökologische Transformation der Automobilindustrie gelingen kann. Dafür haben wir von den Unternehmen viel Zuspruch erhalten, diese wünschen sich klare und bessere Rahmenbedingungen der Politik (Planungssicherheit, Förderprogramme, die tatsächlich bei den KMUs ankommen, etc.).

Markus Büchler: Für mich hat der erste Grüne Fahrzeuggipfel mit vielen Vertretern aus Industrie und Zulieferbetrieben gezeigt: Die schützende Hand, die Staats- und Bundesregierung über dem Verbrennungsmotor ausbreiten, hilft nicht, sondern behindert Fortschritt und gefährdet Hunderttausende Jobs! Denn die Fahrzeuge müssen schnell und komplett emissionsfrei werden! Wenn wir dies bei deutschen Fahrzeugen nicht schnell genug umsetzen können, werden wir bald auf Importe aus Fernost angewiesen sein. Deshalb brauchen wir eine Politik, die unserer Wirtschaft im Mobilitätsbereich Mut, Verlässlichkeit und Orientierung gibt. Nur dann kann sie die emissionsfreien Autos und Nutzfahrzeuge von morgen bauen und verkaufen und im internationalem Wettbewerb bestehen.

Was hat der Fahrzeuggipfel gebracht?

Barbara Fuchs: Wir haben zum einen unsere Sichtbarkeit bei den „großen“ Konzernen verstärkt und werden hier unserer Rolle als Taktgeberin gerecht.
Zum anderen haben wir bewiesen, dass wir Grüne auch in den Wirtschaftsthemen kompetent arbeiten und Lösungsvorschläge vorlegen können.
Außerdem haben sich die Beobachtungen meiner bisherigen Arbeit und der Chinareise im Gespräch mit den Zulieferbetrieben bestätigt, wir können aktuell beobachten, wie die Wertschöpfung sukzessive nach China abwandert. Dieser Prozess muss unbedingt gestoppt werden, wenn wir auch in Zukunft führend in der Automobilindustrie sein wollen. Es hat mich darin bestärkt, die Zulieferindustrie (hier besonders die KMU) weiterhin zu unterstützen. Deren Lage ist dramatisch, das hat das Panel nochmals verdeutlicht.

Markus Büchler: Für mehr Lebensqualität in unseren Städten und Dörfern und für mehr Mobilität mit weniger Staus müssen wir das Straßenverkehrsaufkommen reduzieren. Das heißt für unsere Industrie weniger Auto- und LKW-Absatz. Gleichzeitig sieht sich unsere Industrie wachsender Konkurrenz aus Asien gegenüber. Deutschland und Bayern drohen den Anschluss zu verlieren. Der Kongress hat viele Ideen geliefert, wie neue Produkte und neue Geschäftsmodelle entstehen können. Auch wenn die Fertigung von Elektrofahrzeugen einfacher wird und weniger Arbeitsplätze braucht: Viele neue Jobs können entstehen im Bereich Mobility as a service, in Software-Applikationen, autonomem Fahren, autonomen Bussen, im wachsenden ÖPNV und vielem anderen mehr. 

Katharina Schulze: Grün bewegt Bayern! Der Fahrzeuggipfel ist erst der Auftakt für einen gemeinsamen Dialog über die Zukunft des Autostandorts Bayern. Wir werden weiter daran arbeiten und zusammen mit Expert*innen Ideen und Vorschläge entwickeln, wie und unter welchen Bedingungen das Auto der Zukunft in Bayern gebaut werden kann. Denn das ist unser Ziel: Die vielen Arbeitsplätze und die Wertschöpfung in der Region sollen erhalten bleiben und die Mobilitätsinnovationen der Zukunft sollen bei uns entwickelt werden. Wir werden auch auf parlamentarischer Ebene weiter Anträge in den Bayerischen Landtag einbringen, damit die Weichen für eine nachhaltige Mobilität richtig gestellt sind! Schon jetzt ist klar: Natürlich schaffen wir den Wandel. Wir haben so viele kluge, leidenschaftliche und innovative Menschen in unserem Land, da werden wir die Veränderungen schon meistern.

Wie geht’s weiter?

Markus Büchler: Politik muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass auch in Zeiten des Umbruchs Forschung, Entwicklung, Fertigung und Arbeitsplätze im Mobilitätssektor in Bayern bestehen können. Das wollen wir Grüne schaffen! In den nächsten Monaten wollen wir aus der Opposition heraus in Bayern und im Bund auf eine rasche Verkehrswende drängen. Damit wollen wir Klimaschutz und die Sicherung von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen in Fahrzeugbau und Mobilitätswirtschaft vereinen. Letztlich wollen wir baldmöglichst in Regierungsverantwortung den Geschäftsideen und den Jobs von Morgen den Weg ebnen. Für Wohlstand und Wertschöpfung in Bayern!

Barbara Fuchs: Ich arbeite weiter an einer Stärkung der mittelständischen Zulieferbetriebe, hierzu sind bereits aussichtsreiche Folgetermine bzw. ein Projekt fixiert. Zudem werde ich weiter den Austausch mit der IGM BaWü halten, da im dortigen Transformationsteam interessante Ideen entwickelt werden, die auch in Bayern ihre Anwendung finden könnten. Insgesamt gilt es weiterhin genau zu beobachten, was auf Bundes- und Landesebene passiert, um die Automobilindustrie zu transformieren. Beispielhaft kann hier der Automobilfonds genannt werden, dessen Geld nicht bei den KMUs sondern bei den großen Konzernen angekommen ist.

Katharina Schulze: Wir bleiben weiter dran! Wie oft habe ich beim Fahrzeugkongress gehört, dass Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen muss. Und genau das machen wir Grüne gerne. Wir gestalten mit den beteiligten Akteur*innen zusammen die Zukunft! Zu den klaren Rahmenbedingungen gehört neben einem festen Ausstieg aus dem Verbrenner auch die passende Infrastruktur: 100 % Erneuerbare Energien, ein digitales Bayern, Ladestationen im ganzen Land und die Unterstützung in der Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter*innen. Zukunft wird aus Mut gemacht – diesen Spirit hat der Grüne Fahrzeugkongress gelebt!