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Demokratie gegen Deepfakes stärken
09. September 2026
Lokalmedientage: Faktenchecks vor Ort – wie wir unsere Demokratie gegen Deepfakes stärken
Desinformation ist längst nicht mehr nur ein Problem, das irgendwo im Internet herumwabert oder auf nur die große weltpolitische Bühne ins Visier nimmt. Sie kommt auch dort an, wo Menschen Politik unmittelbar erleben: im Rathaus, im Gemeinderat, in der Lokalzeitung und in der eigenen Gemeinde.
Was nach Plot in einem dystopischen Film klingt, ist inzwischen auch im Münchner Umland Realität: Der Münchner Merkur berichtete über einen Erpressungsversuch gegen den Emmeringer Bürgermeister Stefan Floerecke (CSU). Dabei wurden manipulierte Inhalte eingesetzt und mit Deepfake-Videos gedroht.
Über Desinformation und Deepfakes haben wir auch bei den diesjährigen Lokalmedientagen gesprochen. Denn wenn ein gefälschtes Video täuschend echt aussieht, wenn sich eine Behauptung in wenigen Stunden über Facebook, TikTok oder WhatsApp verbreitet und gleichzeitig das Vertrauen in Medien und Politik sinkt, stellt sich auch für Lokalredaktionen eine ganz praktische Frage: Wie finden wir heraus, was stimmt? Und wie schaffen wir es, dass die Menschen uns auch glauben?
Zu Gast beim Panel „„Fake oder Fakten?“ der grünen Landtagsfraktion waren Caroline Lindekamp, Direktorin Faktencheck bei CORRECTIV, und Thomas Laschyk, Gründer und Chefredakteur des Volksverpetzers. Beide beschäftigen sich täglich damit, wie Falschinformationen entstehen, wie sie sich verbreiten und wie man ihnen etwas entgegensetzen kann.
KI als Brandbeschleuniger für Fake News?
Dabei wurde schnell klar: Faktencheck ist nichts Neues. Journalist*innen prüfen ihre Informationen, bevor sie sie veröffentlichen. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der sich Falschinformationen verbreiten – und die Qualität der Fälschungen. Mit generativer KI lassen sich heute Bilder, Stimmen und Videos erzeugen, die auf den ersten Blick kaum noch von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind.
Für Lokalmedien ist das eine besondere Herausforderung. Sie arbeiten nah an den Menschen und genießen gerade deshalb oft großes Vertrauen. Gleichzeitig fehlt in kleinen Redaktionen häufig die Zeit, jede Behauptung aufwendig zu überprüfen. Und wurde eine Falschinformation erst einmal veröffentlicht, reicht ein nachträglicher Hinweis oft nicht aus. Es braucht eine transparente Korrektur und den Mut, Fehler offen einzugestehen.
Wir haben deshalb auch ganz konkret auf Bayern geschaut: Welche Falschinformationen landen bei Lokalredaktionen besonders häufig? Wie können Redaktionen ihre Verifikation verbessern? Was können gemeinsame Recherchen und Kooperationen mit Faktencheck-Angeboten wie CORRECTIV leisten? Und wie lässt sich Faktencheck-Arbeit überhaupt finanzieren, wenn die personellen Ressourcen vor Ort ohnehin knapp sind?
Faktenchecks sind kein „Linke-Bubble-Gedöns“. Sie sind Teil demokratischer Grundversorgung.
Das klarzustellen ist für mich besonders wichtig. Wer vor Ort wissen will, was in der eigenen Gemeinde tatsächlich passiert, braucht verlässliche Informationen. Und wer Politik machen oder politische Entscheidungen beurteilen will, braucht eine gemeinsame Faktenbasis.
Deshalb reicht es nicht, nur auf den nächsten Deepfake zu reagieren. Wir brauchen überall im Land lebendige Lokalmedien, Medienbildung für alle Altersgruppen und Räume, in denen Menschen Fragen stellen und Informationen gemeinsam überprüfen können. Und wir brauchen Redaktionen, die sich von der Lautstärke von Social Media nicht vor sich hertreiben lassen.
Denn Demokratie entscheidet sich nicht nur in Berlin, Brüssel oder Washington. Sie entscheidet sich auch im Gemeinderat, im Lokalblatt und bei der Frage, ob die Menschen vor Ort wissen, wem sie glauben können.