Landwirtschaft | Wald
Offener Brief: Landwirtschaft vor Hitze und Trockenheit schützen!
18. August 2026
Klare Linie und mehr Tempo notwendig
In einem Offenen Brief appellieren Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende, und Mia Goller, Sprecherin für Landwirtschaft, an Ministerpräsident Dr. Markus Söder, die Landwirtschaft in Bayern rasch vor den Folgen von Hitze und Trockenheit zu schützen und jetzt eine langfristige Strategie für eine klimaresiliente Landwirtschaft auf den Weg zu bringen.
„'Ich kann es nicht regnen lassen‘, sagt Agrarminister Alois Rainer. Das stimmt. Aber genau deshalb muss Politik dafür sorgen, dass unsere Landwirtschaft auch mit weniger Regen zurechtkommt. Die CSU hat im Bund und in Bayern die Verantwortung für die Agrarpolitik – und sie darf diese Verantwortung nicht beim Wetterbericht abgeben. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen jetzt konkrete Unterstützung und vor allem eine Perspektive: Wir müssen Wasser in Böden und Landschaft halten, Betriebe beim sparsamen Umgang mit Wasser unterstützen, Forschung und Innovation voranbringen und Investitionen in eine klimaresiliente Landwirtschaft ermöglichen. Es reicht nicht zu sagen, was ein Minister nicht kann. Entscheidend ist, was er tut. Und da muss die CSU endlich mehr für unsere Landwirtschaft tun.”
„Unsere Landwirtschaft ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bayern - unsere Bäuerinnen und Bauern erzeugen unsere Lebensmittel, pflegen unsere Kulturlandschaft, erhalten regionale Wirtschaftskreisläufe und tragen entscheidend dazu bei, dass Bayern auch in Krisenzeiten über eine sichere heimische Lebensmittelversorgung verfügt. Dazu braucht es auch eine langfristige Strategie für eine klimaresiliente Landwirtschaft der Zukunft in Bayern. Wir brauchen keine weiteren Pilotprojekte, sondern konkrete Unterstützung für die Betriebe vor Ort.”
Hier der Offene Brief im Wortlaut:
Offener Brief: Bayerns Landwirtschaft vor Hitze und Trockenheit schützen – Jetzt handeln!
München, den 18.08.2026
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder,
In Bayern brennt es.
Hitze, Trockenheit und zunehmend lange Phasen ohne ausreichende Niederschläge stellen auch in diesem Jahr viele landwirtschaftliche Betriebe in Bayern vor enorme Herausforderungen. In vielen Regionen sind bereits deutliche Ertragseinbußen zu verzeichnen, die Futterversorgung wird schwieriger und zugleich steigen die Kosten für Bewässerung und andere notwendige Anpassungsmaßnahmen. Die Klimakrise ist längst Realität – auch in Bayern. Das wissen und spüren die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte unmittelbar.
Es geht buchstäblich um ihre wirtschaftliche Existenz, um die Zukunft ihrer Höfe – und damit auch um die Zukunft einer sicheren und regionalen Lebensmittelversorgung in Bayern für uns alle. Denn die Landwirtschaft ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bayern. Unsere Bäuerinnen und Bauern erzeugen unsere Lebensmittel, pflegen unsere Kulturlandschaft, erhalten regionale Wirtschaftskreisläufe und tragen entscheidend dazu bei, dass Bayern auch in Krisenzeiten über eine sichere heimische Lebensmittelversorgung verfügt.
Deshalb muss jetzt gehandelt werden. Die betroffenen Betriebe brauchen kurzfristig konkrete Unterstützung. Gleichzeitig müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass unsere Landwirtschaft auch langfristig mit den Folgen der Klimakrise umgehen kann. Hitze und Trockenheit sind keine Ausnahmeerscheinungen mehr, auf die wir alle paar Jahre mit einem neuen Notprogramm reagieren können. Bayern braucht deshalb auch eine langfristige Strategie für eine klimaresiliente Landwirtschaft.
Dazu ist es nötig, die Klimakrise mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu bekämpfen. Die Entscheidung, das Ziel der Klimaneutralität Bayerns um fünf Jahre nach hinten zu verschieben, ist das falsche Signal. Wir haben keine zusätzlichen fünf Jahre Zeit. Was heute entschieden wird, bestimmt mit darüber, unter welchen Bedingungen Landwirtschaft in Bayern morgen noch möglich sein wird.
Als Ministerpräsident tragen sie die Verantwortung dafür, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte von ihrer Arbeit leben und auch in Zukunft für eine sichere Lebensmittelversorgung in Bayern sorgen können.
Wir bitten Sie daher, folgende Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Für gute, sinnvolle und zeitnah umzusetzende Vorschläge können Sie auch mit unserer Unterstützung rechnen.
1. Liquidität sichern.
Bayern muss alle Möglichkeiten nutzen, Direktzahlungen möglichst früh auszuzahlen. Betriebe, die durch erhebliche witterungsbedingte Ernteausfälle in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, brauchen zudem schnell zugängliche und unbürokratische Überbrückungshilfen.
2. Forschung und Wissenstransfer ausbauen – Beratung unmittelbar verstärken.
Die staatliche Landwirtschaftsberatung muss Betriebe gerade jetzt gezielt bei Fragen zu Wassermanagement, trockenheitsangepassten Kulturen, Futterversorgung und Bodenschutz unterstützen. Vorhandenes Wissen muss schnell zu den Höfen gelangen.
Wir brauchen mehr Forschung zu trockenheits- und hitzetoleranten Kulturen und Sorten, zu neuen Anbausystemen und zu e nem sparsamen Umgang mit Wasser. Entscheidend ist aber auch, dass diese Erkenntnisse schnell und praxisnah bei den landwirtschaftlichen Betrieben ankommen. Das heißt: Die Wasserberatung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten muss personell und fachlich so ausgestattet sein, dass sie die Betriebe bei der Anpassung an zunehmende Hitze und Trockenheit wirksam unterstützen kann.
3. Wassersparende Investitionen kurzfristig fördern.
Investitionen in Tröpfchenbewässerung, Regenwasserspeicher, intelligente Bewässerungssteuerung und gemeinschaftliche Lösungen mehrerer Betriebe sollten vereinfacht und stärker gefördert werden. Jeder Liter Wasser, der gezielt eingesetzt oder gespeichert werden kann, hilft den Betrieben besser durch Trockenperioden zu kommen.
4. Wasser in der Landschaft halten.
Wir müssen weg von einer Politik, die Wasser möglichst schnell ableitet. Böden, Moore, Auen, Hecken und andere Landschaftsstrukturen müssen wieder stärker dazu beitragen können, Niederschläge aufzunehmen und zurückzuhalten. Wasserrückhalt muss zu einem zentralen Bestandteil der bayerischen Klima- und Landwirtschaftspolitik werden.
5. Gesunde Böden stärken.
Humusreiche und lebendige Böden können deutlich mehr Wasser speichern und helfen gleichzeitig gegen Erosion. Vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, groforstsysteme und andere bodenschonende Wirtschaftsweisen müssen deshalb langfristig und verlässlich gefördert werden. Wer Wasser im Boden hält und ihn widerstandsfähiger macht, erbringt eine Leistung für die gesamte Gesellschaft.
6. Die Richtungen Anreize setzen.
Die GAP-Mittel ab 2028 müsse in qualifizierende Maßnahmen fließen, die Betriebe tatsächlich fit machen für den Klimawandel und konkrete Leistungen der Höfe für Klima, Umwelt und Gesellschaft honorieren. Pauschale Flächenprämien sollten der Vergangenheit angehören. Dafür muss sich Bayern einsetzen.
Nehmen Sie Ihre große Verantwortung ernst und handeln Sie jetzt, um die Lebensgrundlage unserer Bäuerinnen und Bauern sowie die regionale Lebensmittelversorgung in Bayern langfristig zu schützen.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Schulze, MdL
Fraktionsvorsitzende
Mia Goller, MdL
Sprecherin für Landwirtschaft und Wald