Landwirtschaft | Wald
Höfesterben in Bayern: Erstmals weniger als 100.000 Betriebe
21. Oktober 2026
„Eine Strategie für die nächsten Jahre und Jahrzehnte sehen wir nicht!“
Erstmals gibt es in Bayern weniger als 100.000 Bauernhöfe – das Höfesterben geht weiter. Das zeigt der Agrarbericht 2026, den Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber heute im Landwirtschaftsausschuss vorgestellt hat. Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 2.597 auf 98.138 gesunken. Besonders auffällig: In allen Größenklassen geht die Zahl der Betriebe zurück – nur bei den Höfen mit mindestens 100 Hektar steigt sie um knapp 4,8 Prozent. Dabei verspricht die Staatsregierung ausdrücklich eine Landwirtschaft jenseits von „Wachsen oder Weichen“.
Mia Goller, Sprecherin für Landwirtschaft und Wald der Landtags-Grünen, erklärt:
„2.597 Höfe weniger – hinter jedem einzelnen stehen Menschen, Familien und oft Generationen harter Arbeit. Und mit jedem Hof, der aufgibt, verliert Bayern ein Stück seiner bäuerlichen Vielfalt. Der Agrarbericht zeigt: Nur die Zahl der großen Betriebe wächst, alle anderen Größenklassen verlieren. Das ist genau das ‚Wachsen oder Weichen‘, das Ministerin Kaniber angeblich verhindern will. Wir brauchen eine Politik, mit der auch kleine und mittlere Höfe gut wirtschaften können und die jungen Menschen den Mut gibt, einen eigenen Hof zu gründen. Dazu gehören bezahlbarer Grund und Boden, verlässliche Förderung und echte Planungssicherheit.“
Die Landtags-Grünen mahnen zudem, dass der Agrarbericht die langfristigen Folgen der Klimakrise für die Landwirtschaft zu wenig in den Mittelpunkt stellt. Dürren, Wassermangel und Wetterextreme bedrohen Ernten und damit die wirtschaftliche Grundlage vieler Höfe. Dabei sind die Folgen des Dürrejahres 2026 in den aktuellen Zahlen noch gar nicht berücksichtigt.
„Wer heute einen Hof übernimmt, muss wissen, wie er dort auch in 20 Jahren noch wirtschaften kann. Dafür brauchen unsere Bäuerinnen und Bauern einen konkreten Plan: Wie halten wir Wasser in der Landschaft? Wie schützen wir unsere Böden vor dem Austrocknen? Wie sichern wir Ernten bei zunehmender Hitze und Trockenheit? Die Staatsregierung muss Klimaschutz und Anpassung endlich zur festen Grundlage ihrer Agrarpolitik machen – mit klaren Zielen, verlässlicher Förderung und einer Strategie für ganz Bayern.“
Auch beim Ökolandbau sehen die Landtags-Grünen erheblichen Handlungsbedarf. Rund 14 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werden ökologisch bewirtschaftet. Bis 2030 will Bayern einen Anteil von 30 Prozent erreichen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Biolebensmitteln.
„Bio schützt unsere Böden und unser Trinkwasser, fördert die Artenvielfalt und schafft regionale Wertschöpfung. Die Nachfrage ist da, die Ziele sind gesetzt. Jetzt muss die Ministerin erklären, wie sie dem Ökolandbau neuen Schwung geben will. Bayern hat sich vorgenommen, bis 2030 auf 30 Prozent Ökofläche zu kommen. Politik heißt gestalten und hier fehlt es am Engagement.”
Die Landtags-Grünen fordern von der Staatsregierung zudem konkrete Antworten auf entscheidende Fragen: Welche Ziele hat sie erreicht, wo bleibt sie zurück und welche Schritte folgen daraus?
„Frau Kaniber, das Höfesterben geht weiter, der Ökolandbau kommt kaum voran und die Klimakrise bedroht unsere Ernten. Wir brauchen jetzt konkrete Antworten und eine Strategie, die auf den Höfen ankommt: Wie stärken Sie kleine und mittlere Betriebe? Wie die Hofnachfolge und Existenzgründerinnen und Gründer? Wie bringen Sie Bio voran und wie machen Sie unsere Landwirtschaft fit für immer heißere und trockenere Sommer? Was wird getan, bis wann und mit welchem Geld? Wir sehen viele taktische Maßnahmen, die kurzfristig helfen, aber eine Strategie für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, die sehen wir nicht. Auf all diese offenen Fragen erwartet unsere Landwirtschaft jetzt Antworten!“