Kultur und Heimat

Arbeit bezahlen statt Stillstand

Kunst-Stipendienprogramm für alle ausweiten

Kulturschaffende leben wieder einmal in Angst. Das Schreckgespenst „Überkompensation“ folgt ihnen auf Schritt und Tritt – weil die CSU/FW-Regierung unzureichende Hilfsprogramme mit dem Bund obendrein schlecht abgestimmt hat. Auch Steuernachzahlungen, die jetzt hereinflattern, brechen vielen, die ihren Notgroschen längst aufgezehrt haben, das Genick. „You can’t squeeze blood out of a turnip“ – eine leere Zitrone kann man nicht auspressen, heißt es. Andere Länder reagieren längst weitsichtig auf die massiven Pandemie-Belastungen im Kulturbereich, indem sie Betroffenen mittels Stipendien helfen. Auch viele Grün (mit)regierte Länder haben Stipendienprogramme aufgelegt: Sie sind mit Bundeshilfen oder ALG II kombinierbar und fördern eine kreative Nutzung der erzwungenen Auszeit. –  Wo Bayern mit einem Stipendienprogramm für Kulturschaffende „in der Anfangsphase ihres Schaffens“ in Höhe von insgesamt 25 Millionen Euro endlich längst überfällige erste Schritte geht, ist z.B. NRW schon zwei Schritte weiter. Die erste Runde des dortigen Stipendienprogramms war im August 2020 mit einer Gesamtsumme von 105 Millionen Euro aufgelegt worden, jetzt wurden weitere 90 Millionen nachgelegt. Antragsberechtigt dort sind freischaffende, professionell arbeitende Künstlerinnen und Künstler aller Sparten – ohne Altersbeschränkung, frei vom Zeitpunkt des Berufsanfangs und frei in der Art des künstlerischen Vorhabens. Die Mittelverwendung wird über eine Sachbeschreibung geleistet – ein Traum, wenn man so den Fokus auf die kreative Arbeit statt auf Bürokratie legen kann.
„Wo andernorts beim Ergebnis danach gefragt wird, wie ein Stipendium zukunftsweisende Perspektiven brachte, wird in Bayern der Blick schon vorab verstellt. Man beschneidet Hilfen von vornherein, indem man nur wenige an die Fördertöpfe lässt. Einige Verbände kritisieren übrigens, dass es die ministeriell eingeplanten 5.000 förderberechtigten Nachwuchskünstler*innen gar nicht gäbe“, kritisiert Sanne Kurz, unsere Grüne Sprecherin für Kulturpolitik und Film.  
Darum beantragten wir Landtags-Grüne eine pragmatische Ausweitung des Stipendien-Programms auf alle Menschen, die in Bayern von Kunst leb(t)en. Dass davon auch Publikum und Gesellschaft profitieren können, beweist unsere Forderung nach einer Förderfähigkeit neuer kreativer Ansätze der Kunstvermittlung im Stipendienprogramm. Erfolge feiern konnten wir bei der von uns schon im Dezember 2019 beantragten familienfreundlicheren Förderung: So werden bei dem aktuellen Stipendienprogramm, wie von uns Landtags-Grünen gefordert, Erziehungszeiten bei Fristen endlich anerkannt. Gleichwohl unterstreicht Sanne Kurz: „Den Nachwuchs fördern ist gut. Alle in den Genuss einer Ideen-Anschub-Finanzierung kommen lassen ist besser für Kulturschaffende und Publikum.“
Nähere Informationen zum Antrag, der im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst am 14. April mehrheitlich abgelehnt worden ist: Hier