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Bürokratieabbau: Kulturwandel für mehr Entscheidungsfreudigkeit
29. Juni 2026
Ausbildung und Schulung als Schlüssel zu zielorientierter Verwaltung
„Wir fragen uns oft, warum Verwaltungsprozesse bei uns so lange dauern und Entscheidungen hin und her geschoben werden. Der Kulturwandel in unserer Verwaltung fällt aber nicht vom Himmel und muss als Führungsaufgabe verstanden werden. Eins ist jedenfalls sicher: Führungskraft zu sein ist kein „learning-by-doing-Prozess“. Wenn wir am Mindset in unseren Verwaltungen etwas ändern wollen, müssen wir den Bediensteten diese Führungs-Fähigkeiten auch mitgeben und sie regelmäßig evaluieren und weiterentwickeln.“
„Wenn eine Mitarbeiterin in einer Verwaltung eine rasche Entscheidung fällen soll, braucht sie die Sicherheit, dass ihre Führungskraft sich uneingeschränkt vor sie stellt – egal ob mal ein Fehler passiert oder nicht. Ist das nicht der Fall, werden Entscheidungen lieber in zahllosen internen Schleifen abgesichert. Was wir dringend brauchen, sind Menschen auf Führungspositionen, die in ihrer Ausbildung gelernt haben, sich selbst zu reflektieren und eine Verwaltung etablieren wollen, die sich selbst als Dienstleisterin und Problemlöserin für die Bürgerinnen und Bürger versteht. Dazu gehört neben verpflichtenden Ausbildungsmodulen zu Führung eine Fehlerkultur, bei der Fehler als Lern- und Denkanstoß verstanden werden und niemand für Fehler bestraft wird“,
erklärt Johannes Becher, Erster stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied der Enquetekommission Bürokratieabbau. Die Kommission hat am 11.06.2026 die Handlungsempfehlungen zum Bereich „Bürokratieabbau in Ausbildung in Führung“ beschlossen und nun veröffentlicht. Diese basieren auf intensiven Diskussionen mit externen Expert*innen sowie Berichten der Staatsregierung und wurden mehrheitlich oder einstimmig angenommen.
Johannes Becher erklärt:
„Deutsche Verwaltungen sind europaweiter Spitzenreiter bei der Quote an Juristinnen und Juristen in Führungspositionen – in Skandinavien arbeiten dort nur halb so viele Juristinnen und Juristen und diese Staaten sind für pragmatische und unbürokratische Lösungen bekannt. Die Enquete empfiehlt daher, mehr Diversität in der Verwaltung aufzubauen und Führung denen zu überlassen, die unabhängig von ihrer Ausbildung schon Führungsqualität bewiesen haben. Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen und zu motivieren, brauchen wir auch der Verwaltung darüber hinaus konkrete und messbare Zielvereinbarungen, die bei Erreichung auch belohnt werden müssen. Wer sich als besonders leistungsstark und zielorientiert hervorhebt, soll dann auch schneller und unbürokratischer befördert und besser bezahlt werden: nicht allein das Alter und die Dienstdauer darf hier entscheidend sein.“
Folgende Punkte aus den Empfehlungen sind den Landtags-Grünen besonders wichtig:
- Im Berufsbeamtentum sollen starre Hierarchien abgebaut und zu einem Arbeiten auf Augenhöhe umgebaut werden.
- Es sollen unbürokratische Feedbackmechanismen etabliert werden, die Rückmeldungen von Beschäftigten und Bürgerinnen und Bürgern systematisch einbeziehen – Feedback soll explizit erwünscht sein und spürbare Veränderungen daraus entstehen.
- Problemlösungen sollen primär durch die staatlichen Beschäftigten selbst erfolgen, sodass externe Berater nur in seltenen Fällen hinzugezogen werden müssen. Agile Instrumente (gezielte Kampagnen, Intrapreneurship-Programme und Projekttage zur Generierung von Innovationsideen) sollten Bestandteil des staatlichen Innovationsmanagements werden.