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Bayerns Kommunen versinken in roten Zahlen: 4 Milliarden Euro Defizit in sechs Monaten

16. Oktober 2026

Zwei Drittel der kreisfreien Städten haben finanzielle Probleme

Bayerns Kommunen stecken weiter tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2026 haben sie ein Finanzierungsdefizit von 4,05 Milliarden Euro angehäuft. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der Landtags-Grünen nach den Haushaltssperren in Augsburg und Nürnberg hervor.

Die Zahlen zeigen, wie konstant Bayerns Kommunen inzwischen unter Druck stehen: Das Minus liegt nach den ersten sechs Monaten 2026 annähernd auf dem hohen Niveau des Vorjahres (4,55 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025) und nahe am Minus des gesamten Vorjahres von 4,68 Milliarden Euro. Obwohl die Einnahmen durch Steuern steigen, wachsen die laufenden Ausgaben schneller. 

Besonders angespannt ist die Lage der kreisfreien Städte: 16 von 25 Städten haben Schwierigkeiten, aus ihrem laufenden Haushalt ausreichend Geld für ihre Kredittilgungen bereitzustellen. Auch Hunderte kleinere Gemeinden stehen finanziell unter Druck.  

Claudia Köhler, Sprecherin für Haushalt der Landtags-Grünen: 

„Wieder vier Milliarden Euro Minus in nur einem halben Jahr – das ist ein gewaltiges Warnsignal. Unsere Landkreise, Bezirke, Städte und Gemeinden halten Bayern am Laufen. Sie bauen Schulen, sanieren Straßen, schaffen Kitaplätze und sorgen dafür, dass unsere Wirtschaft vor Ort funktioniert. Doch immer mehr Kommunen müssen jeden Euro dreimal umdrehen. Wenn sie ihre Investitionen zusammenstreichen müssen, trifft das auch Handwerksbetriebe, Bauunternehmen und Arbeitsplätze in der Region. Bayern braucht finanzstarke Kommunen, die gestalten und investieren können. Die Staatsregierung muss endlich dafür sorgen, dass unsere Städte und Gemeinden wieder Luft zum Atmen bekommen.“ 

Stephanie Schuhknecht, Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag und Grünen-Abgeordnete aus Augsburg:  

„In Augsburg erleben wir gerade, was diese Zahlen im Alltag bedeuten: Die Stadt zieht die Haushaltsbremse, wichtige Projekte geraten unter Druck. Und Augsburg ist kein Einzelfall. Wenn fast zwei Drittel der kreisfreien Städte Schwierigkeiten haben, ihre laufenden Verpflichtungen zu stemmen, muss das bei der Staatsregierung Alarm schlagen. Die Kommunen brauchen Geld, über das sie selbst entscheiden können, und eine Förderung, die auch bei klammen Kassen funktioniert. Markus Söder muss den Städten und Gemeinden endlich mehr finanziellen Spielraum geben, statt ihnen immer neue Lasten aufzubürden.“ 

Die zentralen Erkenntnisse aus der Grünen-Anfrage: 

  • Im ersten Halbjahr 2026 haben Bayerns Kommunen 4,05 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Das Defizit liegt annähernd auf dem hohen Niveau des Vorjahres: Im ersten Halbjahr 2025 lag es bei 4,55 Milliarden Euro, im Gesamtjahr 2025 bei 4,68 Milliarden Euro. 
  • Kosten steigen schneller als Steuereinnahmen: Die kommunalen Steuereinnahmen stiegen um 2,9 Prozent auf rund 11,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig wuchsen die laufenden Ausgaben um 3,7 Prozent auf 24,72 Milliarden Euro. 
  • Besonders unter Druck – die kreisfreien Städte: 16 von 25 Städten (64 Prozent) erreichen die vorgeschriebene Mindestzuführung nicht oder können ihre regulären Tilgungen nicht vollständig aus den laufenden Mitteln decken. 7 Haushalte (28 Prozent) waren zum Stichtag noch nicht genehmigt; sechs Haushalte (24 Prozent) können ihren laufenden Haushalt nicht ausgleichen bzw. verzeichnen einen negativen Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit. Vier Städte werden voraussichtlich das gesamte Jahr 2026 nur eingeschränkt wirtschaften können, weil sie sich in vorläufiger Haushaltsführung befinden. 
  • Auch kleinere Gemeinden trifft es hart: 557 der 1.610 vorgelegten Haushalte kreisangehöriger Gemeinden erreichen die Mindestzuführung nicht oder weisen entsprechend hohe Tilgungsbelastungen auf. Darunter sind 309 Haushalte, die keinen Ausgleich im laufenden Haushalt erreichen beziehungsweise einen negativen Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit aufweisen. 27 Gemeinden befinden sich voraussichtlich 2026 in vorläufiger Haushaltsführung. 
  • Landkreise etwas stabiler: Bei 21 der 66 vorgelegten Kreishaushalte zeigen sich Probleme bei der Mindestzuführung oder der Deckung regulärer Tilgungen. 6 erreichen keinen Ausgleich des Verwaltungshaushalts bzw. weisen einen negativen Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit auf. Kein bayerischer Landkreis befindet sich voraussichtlich über das gesamte Jahr 2026 in vorläufiger Haushaltsführung. 
  • Die Staatsregierung selbst bezeichnet die finanziellen Rahmenbedingungen als „spürbar angespannt“ und räumt mögliche Folgen für die kommunalen Haushalte und Investitionen ein. 

Die Landtags-Grünen fordern deshalb: 

  • Mehr frei verfügbares Geld für Kommunen: Den Anteil der Städte und Gemeinden am allgemeinen Steuerverbund erhöhen und die Schlüsselzuweisungen dauerhaft stärken. 
  • Investitionen trotz knapper Kassen ermöglichen: Die staatlichen Fördersätze für finanzschwache Kommunen gezielt erhöhen, damit etwa Schulen, Kitas und wichtige Infrastrukturprojekte weiter gebaut und saniert werden können. 
  • Kommunen bei ihren Aufgaben entlasten: Der Freistaat muss die Kosten für Aufgaben, die er den Kommunen überträgt, auskömmlich finanzieren. 
  • Planungssicherheit schaffen: Die kommunale Finanzierung langfristig verlässlich aufstellen, damit Städte und Gemeinden notwendige Projekte auch über mehrere Jahre planen können. 

Hinweis:  

Die Haushaltsdaten beziehen sich auf den Stichtag 30. Juni 2026.