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Rassistische und ausländerfeindliche Straftaten in Bayern auf Rekordniveau

03. Juni 2026

Mehrheit der Taten kommt aus dem rechten Milieu

Eine aktuelle Anfrage der Landtags-Grünen zeigt: 2025 wurden in Bayern so viele rassistische und ausländerfeindliche Straftaten registriert wie noch nie. Besonders alarmierend: Der Großteil der Delikte ist nachweislich politisch rechts motiviert.

Die Entwicklung ist seit Jahren eindeutig. Während rassistische und ausländerfeindliche Straftaten stark zunehmen, bleibt der Schutz von Betroffenen und der Kampf gegen Diskriminierung aus Sicht der Landtags-Grünen unzureichend.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 2025 wurden in Bayern so viele fremdenfeindliche Straftaten registriert wie noch nie: 1.891 Delikte.
  • Darunter erreichten sowohl die rassistischen Straftaten (655) als auch die ausländerfeindlichen Straftaten (785 Delikte) neue Höchststände. Beide haben sich innerhalb weniger Jahre massiv erhöht: um jeweils rund 70 Prozent gegenüber dem Jahr 2022.
  • Die überwiegende Mehrheit dieser Delikte war politisch rechts motiviert (87 Prozent der rassistischen, 90 Prozent der ausländerfeindlichen Straftaten).
  • Die Zahl der fremdenfeindlichen Gewaltdelikte ist mit 153 Taten gegenüber dem vorangegangenen Rekordjahr leicht gesunken, bleibt aber auf hohem Niveau.
  • 316 Straftaten richteten sich gegen Asylsuchende, Geflüchtete, Geduldete und Menschen im Abschiebeschutz, darunter auch ein versuchtes Tötungsdelikt. 89 Prozent dieser Taten waren politisch rechts motiviert.

Statement Cemal Bozoğlu, Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus:

„Die Zahl rassistischer und ausländerfeindlicher Straftaten steigt seit Jahren massiv an. Besonders schockierend sind die die vielen Angriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte. Hinter dem Großteil dieser Taten steht das rechte Milieu. Rassistische Hetze bleibt nicht folgenlos – sie schafft ein Klima, in dem Menschen bedroht, angegriffen und eingeschüchtert werden. Gerade jetzt, wo rechtsextreme Kräfte immer stärker werden, muss der Staat entschlossen dagegen vorgehen. Jetzt braucht es klare Haltung und vor allem einen besseren Schutz für Betroffene.” 

Statement Gülseren Demirel, Sprecherin für Integration:

„Diese Zahlen müssen die Staatsregierung wachrütteln. Es darf nicht angehen, dass Menschen in Bayern Angst haben müssen, wegen ihrer Herkunft oder ihres Aussehens beleidigt, bedroht und angegriffen zu werden. Es ist höchste Zeit für ein bayerisches Antidiskriminierungsgesetz. Unser Gesetzentwurf liegt längst auf dem Tisch und würde den Schutz vor Diskriminierung und rassistischen Übergriffen deutlich verbessern. Betroffene brauchen mehr als halbgare Solidaritätsbekundungen  sie brauchen funktionierende Beratungs- und Unterstützungsstrukturen sowie klare Ansprechpersonen bei Polizei und Justiz.”

Die Landtags-Grünen fordern daher:

  • ein Antidiskriminierungsgesetz  für Bayern (hier unser Gesetzentwurf) für besseren Schutz vor Diskriminierung aufgrund von Religion, Hautfarbe oder Herkunft,
  • eine landesweite Antidiskriminierungsstelle für Bayern,
  • eine zivilgesellschaftliche Recherche- und Monitoringstelle zur besseren Erfassung von rassistischen, ausländerfeindlichen und antimuslimischen Straf- und Gewalttaten (nach dem Vorbild von RIAS im Bereich Antisemitismus),
  • eigene Ansprechpersonen bei Staatsanwaltschaften und Polizei sowie eine zentrale beauftragte Person der bayerischen Justiz für rassistische und antisemitische Hassdelikte (nach dem Vorbild der Behandlung antisemitischer Delikte), sowie
  • ein flächendeckendes Netz von Anlauf- und Beratungsstellen für Opfer rassistischer, ausländerfeindlicher und antimuslimischer Straf- und Gewalttaten.

Die Erkenntnisse aus der Anfrage im Detail:

  • 2025 wurden 1.891 fremdenfeindliche (rassistische, ausländerfeindliche, antisemitische) Straftaten registriert. Der Trend zeigt seit Jahren klar nach oben (2024: 1.829; 2023: 1.682; 2022: 1.073). Das entspricht einer Zunahme um 76 Prozent von 2022 auf 2025.
  • Darunter waren:
    • 655 rassistisch motivierte Straftaten. Auch diese Zahl steigt seit Jahren (2024: 626; 2023: 469; 2022: 387). Das entspricht einer Zunahme um 69 Prozent von 2022 auf 2025.
    • 785 ausländerfeindlich motivierte Straftaten. Auch diese Zahl steigt seit Jahren (2024: 736; 2023: 724; 2022: 460). Das entspricht einer Zunahme um 71 Prozent von 2022 auf 2025.
  • 74 Prozent dieser Taten (1.393 Delikte) waren politisch rechts motiviert.
    • 571 von 655 rassistischen Straftaten (87 Prozent) waren politisch rechts motiviert.
    • 703 von 785 ausländerfeindlichen Straftaten (90 Prozent) waren politisch rechts motiviert.
  • 2025 wurden 153 fremdenfeindliche Gewaltdelikte registriert. Gegenüber dem vorangegangenen Rekordjahr (2024: 171) ist die Zahl damit leicht gesunken, gegenüber dem Jahr 2022 (102 Delikte) aber dennoch um 50 Prozent erhöht.
  • 316 fremdenfeindliche Straftaten richteten sich gegen Asylsuchende, Geflüchtete, Geduldete und Menschen im Abschiebeschutz. Darunter sind 13 Gewaltdelikte, unter anderem ein versuchter Tötungsdelikt. 281 dieser Taten (89 Prozent) waren politisch rechts motiviert.

Hintergrund:

  • Die Bezeichnung „fremdenfeindlich” als Überbegriff für rassistische, ausländerfeindliche und antisemitische Straftaten ist problematisch. Er erklärt auch deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger jüdischen Glaubens oder Migrantinnen und Migranten der zweiten oder dritten Generation sprachlich zu „Fremden”. Zudem subsumiert er die qualitativ unterschiedlichen Phänomenbereiche Rassismus und Antisemitismus unter eine Kategorie.
  • Die PMK-Kategorien „rassistisch” und „ausländerfeindlich” lassen sich in der Praxis kaum trennscharf abgrenzen, sodass Doppeleinordnungen nicht ausgeschlossen sind. Hier gibt es Reformbedarf bei der statistischen Erfassung der politisch motivierten Straftaten.

Hier finden Sie die gesamte Anfrage inklusive aller Anlagen.