Queere Menschen im Sport

Fußballer Thomas Hitzlsperger, der australische fünffache Schwimm-Olympiasieger Ian Thorpe, Tennislegende Martina Navratilova - dass es im Sport Homosexuelle gibt, ist kein Geheimnis. Es gibt aber kaum Beispiele von Sportler*innen, die sich noch während ihrer aktiven Zeit im Spitzensport outen, insbesondere unter den Männern. Obwohl hohe Funktionäre beispielsweise im Fußball gebetsmühlenartig ihre Unterstützung kundtun, sollte sich denn ein*e Sportler*in outen wollen, gibt es nach wie vor Stimmen die sagen „Mach das bloß nicht! Das kann das Ende deiner Karriere sein.“ –selbst betroffene Ex-Sportler*innen argumentieren noch so.
Die Warnungen vor einem Outing haben eine Basis: Homophobie. Und die ist real. Mehrere nationale und internationale Studien (z.B. ‚Queere Freizeit‘ des DJI) belegen, dass Beleidigung und Diskriminierung aufgrund von nicht-heterosexueller Orientierung oder nicht cis-Geschlechtlichkeit in Sportvereinen und im Rahmen kommerzieller Sportangebote Alltag ist. In Sportvereinen erzählen mehr als 60% der für die Studie befragten queeren Jugendlichen darüber. Die Staatsregierung aber kennt keine Fallzahlen, erklärt ihr Nichtwissen mit der Selbstverwaltung von Vereinen.
„Bayern tut bei jedem queerpolitischen Thema so, als ginge es die Regierung einfach nichts an. Was man nicht sieht, ist auch nicht da. Das muss sich ändern! Denn diese Art ist eine fatale Missinterpretation von ‚Leben und leben lassen!‘.“ so Tessa Ganserer, unsere queerpolitische Sprecherin. Sie hat einen Antrag gestellt, der die Staatsregierung auffordert, die Diskriminierung queerer Menschen im Sport zu erfassen und darüber zu berichten.
„Es gäbe nationale Studien und deren Ergebnisse seien auch auf Bayern übertragbar – mit diesem Argument wurde der Antrag abgelehnt.“, berichtet Martin Runge aus dem behandelnden Ausschuss. Und bestätigt damit quasi Ganserers These: Aus den bayerischen Augen, aus dem bayerischen Sinn. Eigene Zahlen braucht es nicht, und um die Bewertung der Ergebnisse kümmern sich andere.
Dass Homophobie sowie Ignoranz gegenüber queeren Themen und Problemstellungen in Bayern nicht nur im Sport, sondern strukturell vorhanden sind und nicht bekämpft werden, liegt laut Tessa Ganserer an der Inaktivität der Bayerischen Staatsregierung. „Bayern ist deutschlandweit das einzige Bundesland, dass keinen Aktionsplan gegen Diskriminierung und für Akzeptanz von queeren Menschen vorgelegt hat. Im Grunde genommen ist das eine Watschen für mindestens 10-15% der Bayer*innen. Das Ergebnis sehen wir auf allen Ebenen. Im Sport weiß man von nichts. In Sachen Sicherheit hält das Innenministerium sich und der Polizei Augen und Ohren zu. Die Infrastruktur an Beratungseinrichtungen für Jugendliche ist im ländlichen Raum eine Katastrophe. In Schulen wird – wenn überhaupt – Toleranz gegenüber queeren Menschen gelehrt, nicht aber Akzeptanz. Queere Jugendliche fühlen sich an Schulen extrem häufig diskriminiert (Schulklimabericht München). Und der Umgang mit Asylbewerber*innen, die wegen ihrer Homo- oder Trans*sexualität fliehen mussten und hier in Sammelunterkünften den gleichen Repressalien und der gleichen Gewalt ausgesetzt sind, ist menschenverachtend.“
Dass Bayern sich weiter in den meisten Bereichen auf zivilgesellschaftlichem Engagement ausruht, wird die Fraktion der Grünen nicht akzeptieren. Entweder die Regierung legt einen akzeptablen Plan vor und handelt, oder die ehrenamtlichen Vereine und Einrichtungen werden entsprechend gefördert. Als queerpolitische Stimme im Landtag werden Tessa Ganserer und die Fraktion weiter aktiv sein, auf Missstände hinweisen und der Regierung laufend den queerpolitischen Spiegel vorhalten.
Unser Antrag