Gleichstellung | Queer | Frauen
Straftaten gegen LSBTIQ* bleiben auf hohem Niveau
27. Mai 2026
Fast die Hälfte ist rechts motiviert
Queerfeindliche Hasskriminalität bleibt im Jahr 2025 mit 181 Straftaten in Bayern auf hohem Niveau, darunter ein Mordversuch und 15 Körperverletzungen und gefährliche Körperverletzungen. Das zeigt die Antwort auf eine Anfrage der Landtags-Grünen.
2024 waren es 176 angezeigte Taten, 2023 190 Taten. Die Polizei geht selbst davon aus, dass noch immer ca. 80 - 90 % aller queerfeindlichen Straftaten nicht angezeigt werden – das Dunkelfeld ist also weiter riesig. Von den bekannten Straftaten entfallen 44 % auf rechte Täter, ein erschreckend hoher Wert, der im Vergleich zum Vorjahr nochmal um 7 % gestiegen ist. Hass gegen vielfältige Lebensentwürfe wird besonders stark von Rechtsextremen geschürt.
Der Anteil an Straftaten in Bezug auf die sexuelle Orientierung bzw. die geschlechtsbezogene Diversität ist mit gut 79 % und 60 % dabei nahezu gleichgeblieben. Besorgen muss vor allem die zwar leicht verbesserte, aber immer noch unterdurchschnittliche Aufklärungsquote: Straftaten gegen die sexuelle Orientierung werden nur zu 53 %, gegen geschlechtsbezogene Diversität zu 52% aufgeklärt. Die allgemeine Aufklärungsquote von Hasskriminalität liegt immerhin bei 64%.
Florian Siekmann, Sprecher für queeres Leben der Landtags-Grünen, sagt:
„Die Zahl an Anzeigen bei queerfeindlichen Straftaten in Bayern bleibt auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Betrachtet man die Dunkelfeldquote müssen wir leider von über 1500 Straftaten in Bayern ausgehen. Queere Menschen sind dabei leider auch körperlicher Gewalt ausgesetzt: erstmals findet sich auch ein Mord in der Statistik und auch die Anzeigen wegen Körperverletzung und sogar gefährlicher Körperverletzung bleiben auf einem hohen Stand.
Mein Appel bleibt: Queerfeindliche Straftaten immer konsequent anzeigen, denn nur angezeigte Taten können auch von der Polizei verfolgt werden. Deshalb muss die Kampagne „Zeig Flagge, zeig’s an!“ endlich auf sämtliche bayerischen Polizeipräsidien ausgeweitet werden. Es braucht das klare politische Signal des CSU-Innenministers, dass queerfeindliche Straftaten nirgends geduldet werden. Dafür muss auch die Aufklärungsquote besser werden, sowohl bei Straftaten gegen die sexuellere Orientierung als auch gegen die geschlechtsbezogene Diversität bleibt sie weiter unterdurchschnittlich.
Der von Markus Söder angekündigte Aktionsplan Queer lässt noch immer auf sich warten. Er darf keinesfalls ein Papiertiger werden, sondern muss wirksame Strategien zum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt entwickeln, damit Bayern für die queere Community endlich ein sicheres Zuhause wird. Besonders eindrücklich zeigt dies, dass sich die Beratungsfälle bei der Fachstelle „strong!“ für Opfer von Hasskriminalität 2025 mehr als verdoppelt haben. Das muss ein Warnsignal sein: Diese Fachstelle braucht dringend eine langfristig gesicherte Finanzierung! Der Ermittlungsdruck auf die Täter muss steigen, besonders in sich weiter radikalisierenden rechtsextremistischen Kreisen.“
Terminhinweis:
Von Montag, 1. Juni 2026 – Dienstag, 30. Juni 2026 ist Pride Month mit zahlreichen CSDs in Bayern: https://www.gruene-bayern.de/csds-in-bayern/