Energie | Klima

Kostenfalle, Planungschaos und Klimarückschritt

27. Februar 2026

Breite gesellschaftliche Kritik am GEG-Kurswechsel

Angesichts der geplanten Änderungen am Gebäudeenergiegesetz (GEG) formiert sich breite Kritik aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Ricky Dörrie (stv. Vorsitzende Mieterbeirat der Landeshauptstadt München), Markus Käser (Vorsitzender Bürgerenergie Bayern e.V.), Olaf Zimmermann (Vorsitzender SHK Innung), Dr. Martin Sabel (Geschäftsführer Bundesverband Wärmepumpe e.V.), Simon Kempa (Meister Anlagenmechanik Heizung-, Sanitär- und Klimatechnik) warnen gemeinsam mit der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, vor einer Heizkostenfalle für Verbraucher*innen, fehlender Planungssicherheit für Handwerk und Wirtschaft sowie einer drastischen Abschwächung der Klimaziele im Gebäudesektor.

Ricky Dörrie, stv. Vorsitzende des Mieterbeirates der Landeshauptstadt München: 

„Als Mieterbeirat bewerten wir die Änderungen des Gebäudeenergiegesetzes auf Bundesebene äußerst kritisch. Die Reform droht zur Heizkostenfalle für Mieterinnen und Mieter zu werden: Sie tragen dauerhaft steigende Kosten für fossile Energieträger über ihre Nebenkosten, ohne Einfluss auf die Wahl der Heizungsart zu haben.  

Gleichzeitig fehlt Unternehmen und Handwerk die notwendige Planungssicherheit für Investitionen in klimafreundliche Technologien. Statt klarer Leitplanken erleben wir eine Abkehr vom konsequenten Klimaschutz im Gebäudesektor. Eine sozial gerechte Wärmewende braucht Verlässlichkeit, Investitionsklarheit und Schutz für die Menschen, die am Ende die Rechnung zahlen.” 

Markus Käser, Vorsitzender Bürgerenergie Bayern e.V.: 

„Dieses Gesetz ist kein Wärmewende-Plan – es ist die Reanimation fossiler Geschäftsmodelle. Die 65-Prozent-Regel fällt. Das rettet kein Klima – das rettet nur alte fossile Strukturen. Und während man von ‚Technologieoffenheit‘ spricht, bleibt die effizienteste Lösung – Wärmenetze, Quartierslösungen, Bürgerenergie – politisch unterbelichtet. Statt lokaler Wertschöpfung und Energie in Bürgerhand heißt es wieder: Jeder für sich. Ohne klaren Ausstiegspfad ist das kein Transformationsgesetz. Es ist eine Rückfahrkarte ins fossile Zeitalter.“ 

Olaf Zimmermann, Vorsitzender SHK Innung: 

„Meine Meinung als Bürger und Unternehmer: Mit den Änderungen des Gebäudeenergiegesetz werden die Klimaziele bis 2045 nicht erreicht. Statt alte, ineffiziente Öl- und Gasheizungen nach einer bestimmten Laufzeit verpflichtend zu ersetzen, wird ihr Weiterbetrieb wieder dauerhaft erlaubt. Am Ende zahlt der Verbraucher die Zeche und die Abhängigkeit von fossiler Energie bleibt. Es frustriert mich, wie ein Land der Denker und Ingenieure zu wenig in Richtung Zukunft geht, um sein Sektorenziele für das Gebäude und Energie zu erreichen.” 

Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer Bundesverband Wärmepumpe e.V.: 

„Die Heizungsindustrie hat Milliarden in die Wärmewende in Form neuer Produktionsstätten für Wärmepumpen investiert. Ein abrupter Kurswechsel gefährdet diese Investitionen, die im Vertrauen auf verlässliche politische Rahmenbedingungen getätigt wurden. In Zukunft wird man dann dort investieren, wo stabile Rahmenbedingungen gelten, im Zweifelsfall wird das aber nicht in Deutschland sein.“ 

„Mit der Förderung muss die Koalition auch die schwerwiegenden Rückschritte kompensieren, die durch den Wegfall der 65 Prozent-Vorgabe für neue Heizungen entstehen. Die angekündigte Biomasse-Treppe für neue Gas- und Ölheizungen wird deren Wirkung nicht ersetzen können, wenn sie erst ab 2029 einsetzt und nur einen Erneuerbaren-Anteil von 10 Prozent vorsieht. Hier sollte die Koalition erwägen, nachzusteuern.“ 

Simon Kempa, Meister Anlagenmechanik Heizung-, Sanitär- und Klimatechnik: 

„Wenn die Aufklärungspflicht und das verpflichtende Beratungsprotokoll wegfallen, wächst die Gefahr massiver Fehlentscheidungen. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer laufen Gefahr, nicht ausreichend oder falsch informiert zu werden – und am Ende die falsche Heizung einzubauen. In einem ohnehin von Unsicherheit und widersprüchlichen Debatten über CO₂-Preis und Grünbrennstoffquoten geprägten Umfeld öffnet das Tür und Tor für Fehlberatung und kurzfristige Geschäftsmodelle. 

Durch die erneute politische Stärkung von Gas- und Ölheizungen steigt die Verunsicherung weiter: Viele wissen nicht mehr, welche Technologie für ihr Haus wirklich sinnvoll ist und welche Kosten in den kommenden Jahren auf sie zukommen. Dabei gilt: Die richtige Heizung bestimmt nicht ein Gesetz, sondern die individuellen Bedürfnisse und die Gegebenheiten des Gebäudes – Förderprogramme sind ein Zusatz, aber keine Entscheidungsgrundlage. Wenn politisch getroffene und fachlich sinnvolle Entscheidungen im Nachhinein pauschal diskreditiert werden, schwächt das langfristig das Vertrauen in Verlässlichkeit und damit auch unseren Wirtschaftsstandort. Der Energiesektor braucht endlich stabile Rahmenbedingungen und Ruhe, damit Handwerk, Industrie und Verbraucherinnen und Verbraucher verlässlich planen können.“ 

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag: 

„Wer das Heizungsgesetz in dieser Art kassiert, lässt am Ende Hausbesitzer*innen, Mieter*innen und unseren Mittelstand die Rechnung zahlen. Die Bundesregierung schafft jetzt vor allem eines: Neue Unsicherheit. Für Bürgerinnen und Bürger bleiben Öl und Gas ein Kostenrisiko, weil der CO₂-Preis weiter steigt. Für Betriebe fehlt die Planungssicherheit für Investitionen. Und fürs Klima bedeutet jede Verzögerung eine verlängerte Abhängigkeit von fossilen Energien. Die breite Kritik aus der Gesellschaft zeigt: Politik darf nicht aus parteitaktischen Motiven gute Lösungen zurückdrehen, sondern muss das tun, was für die Menschen und unser Land sinnvoll ist.“