Energie | Klima
Facts zur Öl- und Gaspreiskrise
10. März 2026
Fakten und Hintergründe zur aktuellen Öl- und Gaspreiskrise
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Die aktuellen Entwicklungen auf den Energiemärkten machen erneut deutlich, wie riskant Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern sind. Massiv steigende Öl- und Gaspreise belasten viele Menschen – Mieterinnen und Mieter ebenso wie Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer in Bayern – und zeigen, wie verletzlich ein auf Öl und Gas basierendes System ist. Gleichzeitig setzt die Bundesregierung weiter voll auf eine fossile Renaissance, will die Erneuerbaren ausbremsen, und erhält dafür Unterstützung aus Bayern. „Wir brauchen eine Anpassung der Strategie. Die Bundesministerin geht da mutig und richtig voran“ waren die Worte von Markus Söder in einer PK am 10.02.2026. Die aktuellen Entwicklungen zeigen ein anderes Bild:
Aktuelle Zahlen Preisentwicklung fossiler Energie in Bayern und Deutschland
- Bayerns Gasspeicher sind derzeit zu unter 20 % gefüllt. Der Speicher in Wolfsberg lag bereits Anfang Februar unter 5 %.
- Der Gaspreis im Großhandel liegt Stand 09.03.2026 bei bereits über 60 Euro die MWh und ist damit fast doppelt so teuer wie am 01.03.2026 (da lag der Preis bei 37 Euro).
- Der Preis für Rohöl ist in einem Monat über 30 % gestiegen. Die Spritpreise sind ebenso massiv gestiegen (Diesel von 1,75 auf 2,15 €/l; Benzin von 1,84 auf 2,07 €), Tendenz weiter steigend.
- 6,5 Mrd. Euro sind 2025 für Öl und Gas aus Bayern ins Ausland geflossen. 2026 könnte diese enorme Summe deutlich überboten werden.
Auswirkungen Netzpaket auf Bayern
- Der geleakte Entwurf für ein neues Netzpaket aus dem Haus der Bundeswirtschaftsministerin Reiche offenbart die Pläne für ein strategisches Ausbremsen der erneuerbaren Energien: Überall dort, wo über 3 % der erneuerbaren Strommenge im vorausgehenden Jahr abgeregelt werden musste, können die Netzbetreiber zukünftig Netzengpassgebiete ausweisen. Dort können sie neuen Anlagen für erneuerbare Energien den Zugang zum Netz für über 10 Jahre verweigern. Sollte die Anlage dennoch angeschlossen werden, müssen die Netzbetreiber bei Abregelungen keine Ausfallleistungen mehr zahlen. Dieser sogenannte Redispatch-Vorbehalt würde eine Finanzierung von neuen Projekten extrem erschweren. Die geplante 3-Prozent-Regel wird in Bayern in nahezu allen ländlichen Gegenden überschritten.
- Insgesamt lag die Abregelungsquote 2025 bayernweit bei 4,6 % (Erzeugung erneuerbare Energien bei 47,7 TWh, Abregelung bei 2,2 TWH) und hat sich in den letzten drei Jahren jeweils verdoppelt.
- Intelligente Steuerungen sind gefragt, welche die Infrastruktur besser ausnutzen. Batterien bieten enorme Chancen, den Solarstrom vom Tag in die Nacht zu bringen. Druck auf die Netzbetreiber bewirkt einen zügigen Ausbau anstatt zehn Jahre Stillstand.
Auswirkungen des geplanten „Heizungsgesetzes“ / „Gebäudemodernisierungsgesetzes“ auf Bayern
- Wärmepumpen sind heute die beliebteste Heizungsform, sehr effizient und kostengünstig im Betrieb. Das neue GMG will jedoch auch neue Öl- und Gasheizungen durch eine Grüngasquote ermöglichen. Das Problem ist, dass die nötigen Mengen nicht verfügbar sind und das Grüne Gas sehr teuer sein wird.
- Die Biomethan-Einspeisung lag 2025 in Deutschland bei 11 TWh1 bzw. 1,4 Prozent des Gesamtwärmebedarfs. Der jährliche Heizbedarf Deutschlands liegt bei etwa 800 TWh2. Allein das Ziel, ab 2029 zehn Prozent Grüngasquote für neue Gasheizungen mit Biomethan zu erfüllen, würde somit deutschlandweit zukünftig eine Verachtfachung der Biomethanquote bedeuten.
- Für Bayern wäre mindestens eine Verdoppelung der Energiepflanzenfläche notwendig; 11 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Bayerns werden heute bereits für den Energiepflanzenanbau verwendet. Um 10 % zu erreichen, wäre eine Steigerung auf 22 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche nötig, wenn das Gas in reinen Biomethananlagen erzeugt wird. Um eine Quote von 65 % Grüngas zu erreichen, müsste die komplette landwirtschaftliche Nutzfläche Bayerns für Energiepflanzen verwendet werden. Alleine schon die geringe Menge von 10 % hätte aber gravierende Auswirkung auf die Flächenkonkurrenz. Siehe: Statusreport Gas: Die wichtigsten Daten auf einen Blick | BDEW
- Sollte anstatt Biomethan Wasserstoff verheizt werden, wären die Kosten für Verbraucher*innen noch höher und heute kaum abschätzbar. Der Industrie und der Flugzeugbranche würden diese Ressourcen dann fehlen.
- Importe von Biomethan in diesen Größenordnungen sind äußerst unwahrscheinlich, da keine Kapazitäten dafür auf ausländischen Märkten existieren.
Auswirkungen des Solarförderstopps (EEG 2027) auf Bayern
- Der dritte Angriff auf die erneuerbaren Energien ist mit dem EEG 2027 geplant. Kleine Solaranlagen sollen keine garantierte Einspeisevergütung mehr bekommen. Ihre maximale Leistung wird auf 50 % reduziert.
- Anlagen über 25 kWp wird zukünftig der erzeugte Strom nicht mehr automatisch abgenommen, sondern sie müssen ihn selbst vermarkten. Damit wird es maximal kompliziert, Solarstrom zu erzeugen, denn die Vermarktung von Kleinstmengen lohnt sich bisher kaum.
- Noch dazu sollen große Wind- und Solaranlagen künftig auf den Zuschlag aus den Ausschreibungen beschränkt werden. Zusätzliche Gewinne, die sie in guten Jahren am Strommarkt erzielen könnten, sollen abgeschöpft werden.
- Bayern war bislang größter Profiteur der EEG-Förderung kleiner PV-Anlagen .
- Über 720.000 Bayerische PV-Anlagen kleiner als 25 KW wurden bislang durch das EEG gefördert3. Das entspricht über einem Viertel der deutschlandweit geförderten PV-Anlagen in diesem Segment.
- Durch die Verunsicherung bricht der PV-Markt in Bayern bereits jetzt ein, mit gravierenden Folgen für zahlreiche Unternehmen. Seit Jahresbeginn wurden lediglich knapp über 1.000 neue Solaranlagen in Bayern zugebaut. Zum Vergleich: im selben Zeitraum im Vorjahr waren es über 9.000.
- Der Grundstein für die Umstellung auf erneuerbare Energien in den eigenen vier Wänden ist in aller Regel die PV-Anlage auf dem Dach. Dann folgt oft der Speicher, die Wärmepumpe oder das E-Auto. Für Eigentümer*innen, für das Klima und die Wirtschaft eine mehr als sinnvolle Investition, bei der die Wertschöpfung vor Ort bleibt. All dies ist durch die Pläne der Bundesregierung gefährdet.
Weitere Infos zum Thema:
- Offener Brief von Katharina Schulze an Katherina Reiche und Markus Söder
- Dringlichkeitsantrag: Nachhaltig, günstig leben: Mieter, Hausbesitzer und unsere Wirtschaft vor Öl- und Gaspreis-Kostenschock schützen