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Rechte Straftaten in Bayern auf einem Allzeithoch
12. Juni 2026
144 Gewaltdelikte
Aus der Antwort auf eine aktuelle Anfrage der Landtags-Grünen zu rechts motivierten Straf- und Gewalttaten in Bayern geht hervor:
- Die Zahl der politisch rechts motivierten Straf- und Gewalttaten in Bayern liegt auf einem neuen Allzeithoch: 3.724 Delikte im Jahr 2025 sind um 47 Prozent mehr als noch im Jahr 2022.
- Darunter sind 144 Gewaltdelikte, die meisten davon rassistisch (35 %) und/oder ausländerfeindlich (48 %) motiviert.
- Antisemitische, fremdenfeindliche und antimuslimische Straftaten sind allesamt überwiegend rechts motiviert.
Statements Cemal Bozoğlu, Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus:
„Der Rechtsruck, den wir erleben, entlädt sich zunehmend in Hass und Gewalt. Viel deutlicher kann ein Warnsignal kaum sein. Wir dürfen auf keinen Fall akzeptieren, dass Menschen mit Migrationsgeschichte oder Menschen muslimischen und jüdischen Glaubens um ihre Sicherheit fürchten müssen. Die Staatsregierung muss diese Entwicklung endlich als das benennen, was sie ist: eine wachsende Bedrohung für unser demokratisches Zusammenleben.”
„Ein umfassendes Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus ist längst überfällig. Neben konsequenter Strafverfolgung braucht es eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene von rechter Gewalt und ein gut ausgebautes Beratungsnetz. Ein demokratischer Rechtsstaat muss sich daran messen lassen, wie entschlossen er Menschen vor Hass und Gewalt schützt.“
Die Landtags-Grünen fordern daher:
- ein umfassendes und ressortübergreifendes Handlungskonzept zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in all ihren Formen.
- erleichterte Anzeigemöglichkeiten (auch Online),
- eine schnellere und konsequentere Strafverfolgung,
- eine zentrale bayernweite Anlauf-, Informations- und Monitoringstelle zu rechten Angriffen und Straftaten sowie
- einen flächendeckenden Ausbau der Beratungsstrukturen für Opfer rassistischer, antisemitischer, antiziganistischer und antimuslimischer Übergriffe und Straftaten.
Die Erkenntnisse aus der Anfrage im Detail:
- 2025 wurden in Bayern 3.724 politisch rechts motivierte Straftaten registriert. Das ist eine erneute Steigerung gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2024 (3.612 Delikte). Gegenüber dem Jahr 2022 (2.541 Delikte) ist ein Anstieg, um rund 47 Prozent zu verzeichnen.
- Während die Gesamtzahl rechter Straftaten steigt, werden sie immer seltener als extremistisch eingestuft (2020: 2.455 Delikte bzw. 79 Prozent; 2025: 508 Delikte bzw. 14 Prozent).*
- 2025 wurden 144 rechts motivierte Gewaltdelikte registriert. Das sind etwas weniger als im Vorjahr (2024: 170), insgesamt zeigt der Trend aber klar nach oben (2023: 143; 2022: 111; 2021: 96).
- Unter den Gewalttaten waren die meisten rassistisch (50 Delikte → 35 Prozent) und/oder ausländerfeindlich (69 Delikte → 48 Prozent) motiviert.
- Bei den Gewaltdelikten handelt es sich überwiegend um Körperverletzungsdelikte (91 Körperverletzungen, 40 gefährliche Köperverletzungen). Es gibt aber auch neun Fälle von Widerstand bzw. Angriffe gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, einen Raubdelikt sowie einen versuchten Mord.
- Insgesamt wurden 200 Personen im Jahr 2025 in Bayern Opfer rechter Gewalt. In 133 Fällen konnten der oder die Täter*innen ermittelt werden.
- Politisch rechte Motive stellen jeweils den häufigsten Hintergrund bei den folgenden Formen der Hasskriminalität dar: antisemitische Straftaten (306 von 543 Straftaten → 56 Prozent), fremdenfeindliche Straftaten (1.393 von 1.891 Straftaten → 74 Prozent), antimuslimische Straftaten (152 von 200 Straftaten → 76 Prozent).
- 644 politisch rechts motivierte Straftaten richteten sich gegen (tatsächliche oder vermeintliche) politische Gegnerinnen und Gegner.
- Zusätzlich wurden 142 politisch motivierte Straf- und Gewalttaten dem Spektrum der Reichsbürgerinnen und Reichsbürger bzw. Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter zugeordnet. Überwiegend handelt es sich dabei um Erpressungsdelikte, aber auch beispielsweise um fünf Angriffe auf Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte.
- Zusätzlich wurden 2.564 politisch motivierte Straftaten der Kategorie „sonstige Zuordnung” registriert. Darunter sind auch 80 teilweise hochgefährliche Gewalttaten (zehn gefährliche Körperverletzungen, 19 Körperverletzungen, zwei schwere Brandstiftungen, drei Brandstiftungen, 20 Angriffe auf Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte).
Hintergrund:
* Um diese gegenläufigen Trends zu verstehen, sollten die Bewertungskriterien der bayerischen Anwendung des sog. “Extremismus-Markers” öffentlich zugänglich gemacht werden. Eine transparente und bundesweit einheitliche Anwendung ist wichtig, um Vergleichbarkeit und Vertrauen zu schaffen.