Demokratie | Gegen Rechts

Mehr Bock auf Demokratie!

26. Juni 2026

Politische Bildung in der Schule

Mehr Bock auf Demokratie – Rückblick auf unsere Veranstaltung zur Politischen Bildung

Wie gelingt es, junge Menschen für Demokratie zu begeistern? Wie viel politische Haltung ist im Klassenzimmer erlaubt und wo verläuft die Grenze der Neutralität? Mit diesen Fragen hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag am 22. Juni 2026 zur Veranstaltung „Mehr Bock auf Demokratie – Politische Bildung in der Schule" eingeladen.

Impulsvortrag: Neutralität ist kein Schweigegebot

Dr. Gero Kellermann von der Akademie für Politische Bildung Tutzing gab einen Impulsvortrag zum Thema „Neutralitätsgebot" vs. politische Haltung – was dürfen Lehrkräfte? Seine zentrale Botschaft: 

Das Grundgesetz beruht auf dem Gedanken der Pluralität. Dieser Gedanke gilt auch für die Schule, allerdings in etwas abgeschwächter Form. Schule und die freiheitliche demokratische Grundordnung gehören eng zusammen.

Das bedeutet: Schule darf in Bezug auf die freiheitliche demokratische Grundordnung nicht „neutral“ sein. Sie muss stattdessen die Grundlagen schaffen, die für eine Demokratie notwendig sind. Dazu gehört vor allem, dass Schülerinnen und Schüler lernen, demokratisch mitzuwirken, also Demokratie aktiv einzuüben.

Auf dem anschließenden hochkarätig besetzten Podium diskutierten Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, wie Partizipation und Demokratiebildung an bayerischen Schulen gestärkt werden können. 

Die Podiumsteilnehmer*innen waren:

  • Prof. Dr. Markus Gloe, Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der LMU München, Lehreinheit Politische Bildung und Didaktik der Sozialkunde, Politik & Gesellschaft
  • Dr. Gero Kellermann, Leiter des Fachgebiets Staats- und Verfassungsrecht sowie Rechtspolitik an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing
  • Florian Kraus, Stadtschulrat, Leiter des Referats für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München
  • David Richter, Stadtschüler*innenvertretung München, Berufsschüler für Holztechnik und im Vorstand des Münchner Haus der Schüler*innnen
  • Dr. Fritz Schäffer, BLLV, erfahrener Gymnasial- und Seminarlehrer
  • Gabriele Triebel, MdL stellv. Vorsitzende des Bildungsausschusses und Bildungspolitische Sprecherin (Moderation)

Zentrale Ergebnisse des Podiums

Lehrkräfte brauchen Rückendeckung: Die Stadt München unterstützt Lehrkräfte an städtischen Schulen mit einer Handreichung. Ziel ist es, Lehrkräften mehr Sicherheit zu geben, wie sie sich verhalten sollen, damit sie nicht dem Vorwurf ausgesetzt sind, gegen das „Neutralitätsgebot“ zu verstoßen, wenn sie sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen. Mit konkreten Beispielen soll die Handreichung Lehrkräften diese Sicherheit geben.

Zudem gibt es eine Meldestelle, bei der alle Mitglieder der Schulgemeinschaft Vorfälle von Diskriminierung oder rechtem Hass melden können. Genau diese Unterstützung fehle vielen Lehrkräften im Freistaat.

Zu wenig Zeit, zu viel Stoff: Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass im Schulalltag zu wenig Raum für aktuelle politische Themen bleibe, weil enge Lehrpläne mit viel Stoff und ständigen Prüfungen kaum Zeit dafür ließen. Das grundsätzliche Problem: Überfachliche Bildungs- und Erziehungsziele wie Demokratiepädagogik würden nur in Präambeln erwähnt, in der Praxis dominierten aber Stofffülle und Prüfungsdruck. 

Mitbestimmung darf nicht an der Schultür enden: Zudem waren sich alle auf dem Podium einig, dass in der Schule zu wenig gelebte Demokratie existiert. Obwohl erwiesen sei, wer in der Schule Demokratie aktiv erlebt hat, später häufiger wähle, sich mehr engagiere und größeres Vertrauen in Institutionen habe. Entscheidend sei dabei das Erleben von Selbstwirksamkeit: Kinder und Jugendliche müssten spüren, dass ihr eigenes Handeln tatsächlich etwas bewirke. Ohne dieses Erleben bleibe das Reden über Demokratie nur theoretisch und wirkungslos.

Das Münchner Haus der Schülerinnen und Schüler (MHDS) zeige, wie gelebte Demokratie aussehen kann – ein Ort, an dem Jugendliche autonom über ihre Themen entscheiden.

Medienbildung muss vorbeugen statt nachträglich reagieren: Verbote hülfen nicht gegen Desinformation und KI im Schulalltag. Sinnvoll sei „Prebunking": vorbeugendes Training gegen Manipulationstechniken, eingebettet in ein schulweites Konzept, statt punktueller Einzelaktionen.

Lehrkräftebildung ist der entscheidende Hebel: Ohne fachlich ausgebildete Lehrkräfte blieben gute Konzepte auf dem Papier. Es brauche verbindliche Module zur politischen Bildung für alle Lehramtsstudierenden.

Die Forderungen der Grünen Landtagfraktion:

  • Politische Bildung ab Klasse 5 an allen Schularten, mindestens zweistündig
  • Klassenrat und Schülerinnenparlamente gesetzlich verankern
  • Gesetzliches Mitbestimmungsrecht für Schülerinnen und Schüler
  • Verbindliches Modul „Politische Bildung" in alle pädagogischen Ausbildungen
  • Politische Medienbildung als fester, präventiver Bestandteil des Unterrichts
  • Meldestellen für Mitglieder der Schulgemeinschaft bei Vorfällen von Diskriminierung, Antisemitismus und rechtem Hass

Der Abend hat gezeigt: Gute Beispiele aus München existieren bereits. Wir setzen uns dafür ein, dass daraus verbindliche Standards für ganz Bayern werden.