Demokratie | Gegen Rechts

Hasskriminalität in Bayern auf Rekordhoch

21. August 2026

Besonders starker Anstieg bei frauenfeindlichen Hassdelikten

Aus einer Anfrage der Landtags-Grünen (hier ZIP-Datei herunterladen) geht hervor: Die Hasskriminalität in Bayern nimmt stark zu und befindet sich mit dem jüngsten Wert für 2025 auf einem Rekordhoch. Insbesondere steigen dabei auch die Zahlen der frauenfeindlichen Hassdelikte stark an.

Wesentliche Erkenntnisse aus der Anfrage: 

  • Im Jahr 2025 wurden in Bayern 2.084 Straf- und Gewalttaten im Bereich der Hasskriminalität registriert. Dies ist der Höchstwert seit Beginn der Erfassung (2012). Die Zahlen haben sich damit in den letzten fünf Jahren um zwei Drittel erhöht (2021: 1225 Delikte). 
  • Mit 168 Gewalttaten im Bereich der Hasskriminalität bleibt auch diese Zahl auf einem hohen Niveau, sinkt aber leicht im Vergleich zum Vorjahr (2024: 194). 
  • 70 Prozent der Hasskriminalitäts-Delikte (1.459) werden rechtsextremen Täterinnen und Tätern zugeordnet. 
  • 69 frauenfeindliche Hassdelikte wurden registriert. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024 mit 49 Delikten (plus 41 Prozent). Gegenüber 2023 (23 Delikte) hat sich die Zahl sogar verdreifacht

Zitate Cemal Bozoğlu, Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus: 

„Die neuen Höchstwerte geben großen Anlass zur Sorge.  Hass gegen Minderheiten und Andersdenkende endet viel zu oft in Gewalt. Der Großteil dieser Straftaten geht vom rechtsextremen Milieu aus. Rechtsextreme schüren Hass – mit Worten und Taten – der gesellschaftlich immer mehr verfängt und eine immense Gefahr für unser Miteinander darstellt. Dem müssen wir als Politik und Gesellschaft noch entschlossener entgegentreten.“ 

„Opfer von Hasskriminalität dürfen nicht allein gelassen werden. Deshalb braucht es noch stärkere Beratungsstrukturen und eine bayerische Landesantidiskriminierungsstelle. Sie soll als zentrale Anlauf- und Beratungsstelle den unterschiedlichen Betroffenengruppen Hilfe und Unterstützung anbieten. Gleichzeitig gilt: Menschenfeindliche Straftaten müssen konsequent verfolgt und mit der vollen Härte des Rechtsstaats geahndet werden.“ 


Zitate Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende: 

“Hass gegen Frauen ist keine Meinung. Oft wirkt er als Einstiegsdroge für Extremismus verschiedenster Art. Wie gefährlich er ist, zeigen die stark ansteigenden frauenfeindlichen Straftaten. Wir müssen hier entschieden gegensteuern. Der Freistaat muss dafür sorgen, dass Frauen sich frei bewegen, äußern und engagieren können, ohne angefeindet oder bedroht zu werden.” 

„Wir brauchen endlich eine bayerische Meldestelle für Antifeminismus, um Frauen besser zu schützen. Nur indem wir sichtbar machen, wo und in welcher Form Frauen angegriffen werden, können wir politisch gezielt dagegen vorgehen. Unsere Vorschläge liegen längst auf dem Tisch. Die Staatsregierung muss jetzt dringend ins Handeln kommen." 


Zur Bekämpfung von frauenfeindlicher Hasskriminalität und zum besseren Schutz von Frauen fordern die Landtags-Grünen die Einführung einer Meldestelle für Antifeminismus auf Landesebene, die antifeministische Vorfälle systematisch erfasst und regionale Schwerpunkte sichtbar macht. Diese Daten sollen Politik und Gesellschaft sensibilisieren sowie eine Grundlage für politische Gegenmaßnahmen schaffen. Bereits zu den letzten Haushaltsberatungen hatten die Landtags-Grünen einen Antrag auf Finanzierung einer solchen Stellen eingereicht. Passiert ist seitens der Staatsregierung bislang nichts. 

Zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Allgemeinen fordern die Landtags-Grünen: 

  • ein umfassendes, ressortübergreifendes Handlungskonzept zur Bekämpfung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit 
  • leichtere Anzeigemöglichkeiten (auch Online) 
  • schnelle, konsequente Strafverfolgung 
  • eine zentrale bayerische Landesantidiskriminierungsstelle, die als zentrale Anlauf- und Beratungsstelle Opfern von Diskriminierung jeglicher Art Hilfe und Unterstützung anbietet. 
  • einen flächendeckenden Ausbau der Beratungsstrukturen für Opfer von Hasskriminalität 


Weitere Erkenntnisse aus der Anfrage: 

  • Unter die 168 Gewalttaten im Bereich der Hasskriminalität fallen neben 152 Körperverletzungsdelikten auch zwei Brand- und Sprengstoffanschläge, drei (versuchte) Tötungsdelikte und drei als terroristisch bewertete Taten. 
  • 214 Personen wurden Opfer von diesen Gewalttaten. Damit ist die Zahl gegenüber dem vorangegangenen Rekordjahr 2024 (303 Personen) gesunken. 
  • Bei den sonstigen Straftaten (nicht Gewalttaten) dominieren Volksverhetzung (760 Delikte), Sachbeschädigungen (167 Delikte) und Propagandadelikte (279 Delikte), es gibt aber auch einige Fälle von Nötigung und Bedrohung (82 Delikte). 
  • Während 70 Prozent (1.459 Delikte) der Straf- und Gewalttaten rechtsextremen Täter*innen zugeordnet werden, entfallen 12,6 Prozent (263 Delikte) auf „sonstige Zuordnung” und 11,7 Prozent (243 Delikte) auf „ausländische Ideologie“. 
  • Die Zahl der Hasskriminalität mit rechtsextremen Täter*innen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: 960 (2022), 1.283 (2023), 1.400 (2024), 1.459 (2025). 
  • 64 Prozent aller Hassdelikte werden aufgeklärt. Damit liegt die Aufklärungsquote bei Hassdelikten deutlich über der Aufklärungsquote bei Politisch Motivierter Kriminalität insgesamt (49 Prozent). 
  • Zur Motivation der Delikte im Bereich der Hasskriminalität:* 
  • 1.891 Delikte waren fremdenfeindlich motiviert. Damit wurde das vorangegangene bisherige Rekordjahr 2024 (1.829 Delikte) nochmals übertroffen. Zuvor war die Zahl ebenfalls bereits gestiegen: 1.073 (2022), 1.682 (2023). Davon waren 543 Delikte antisemitisch motiviert. Diese Zahl bleibt damit auf einem ähnlich hohen Niveau wie 2024 (579 Delikte) und 2023 (589 Delikte, bisheriges Rekordjahr). 
  • 180 Delikte waren homophob oder transphob motiviert und richteten sich gegen die sexuelle Identität oder die geschlechtliche Diversität der Opfer. Dies ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2024 (243 Delikte) und 2023 (190 Delikte). 
  • 69 Delikte waren frauenfeindlich motiviert (s.o.). 
  • 300 Delikte richteten sich gegen tatsächliche oder vermeintliche politische Gegner*innen. Das ist ein Rückgang gegenüber 2024 (416 Delikte) und 2023 (329 Delikte). 
  • 200 Delikte waren islamfeindlich motiviert. Diese Zahl hat sich in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich erhöht: 171 (2023; Quelle: Drs. 19/2016), 213 (2024). 
  • 19 Delikte waren antiziganistisch motiviert. 
  • 16 Delikte richteten sich gegen Menschen mit Behinderung. 
  • 10 Delikte richteten sich gegen Menschen aufgrund ihres gesellschaftlichen Status. 


* Die Kategorien der PMK (Politisch Motivierte Kriminalität) sind nicht trennscharf, wodurch es zu Mehrfachnennungen kommt. Bei Addition der einzelnen Kategorien erhält man daher eine höhere Zahl als die Gesamtzahl von 2.084 Delikten. 


Weitere Quellen: 

Die Vergleichszahlen aus vergangenen Jahren sind früheren Anfragen der Landtags-Grünen zu entnehmen:

  • Zahlen aus dem Jahr 2024 stammen aus der Anfrage “Hasskriminalität in Bayern 2024”, die über diesen Link (ZIP-Datei) abrufbar ist. 
  • Zahlen aus dem Jahr 2023 stammen aus der Anfrage “Entwicklung der rassistisch, antisemitisch, homophob und misogyn motivierten Hasskriminalität 2023", die über diesen Link (ZIP-Datei) abrufbar ist.