Bildung | Wissenschaft
Mehr Zeit für Forschung und Lehre: Hochschulen und Studierende entlasten
24. Februar 2026
Weniger Anträge, weniger Bürokratie
Nachdem die Enquetekommission Bürokratieabbau ihre Handlungsempfehlungen zum Bereich Wissenschaft und Forschung vorgelegt hat, kritisiert Johannes Becher:
„Bayerische Hochschulen verbringen mittlerweile viel zu viel Zeit damit, Anträge für Förderungen auszufüllen oder Drittmittel einzuwerben, anstatt sich auf Forschung und Lehre zu konzentrieren. Und wie bei den Schulen wird intern mit unterschiedlichster Software ohne Schnittstellen gearbeitet. Was wir dringend brauchen, sind daher mehr staatliche Grundfinanzierung und Arbeitsbedingungen, die im internationalen Wettbewerb mithalten können.“
„Die Wissenschaft ist eine internationale Szene, in der der Austausch und Reisen von Studierenden und Lehrenden absoluter Standard ist. Trotz allem arbeiten wir aber bisher nach sehr strengen deutschen Standards des Aufenthalts- und Arbeitsrechts – was gerade für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht aus der EU kommen, sehr abschreckend wirkt. Über unsere analogen Behördenprozesse sind internationale Forschende schockiert bis amüsiert. Da müssen wir endlich digital werden und Prozesse müssen auch vom Ausland aus machbar sein. Außerdem müssen Aufenthaltstitel automatisch an die Vertragslaufzeit an der Hochschule gekoppelt werden. Deutschland ist nicht der Nabel der Welt – wenn wir das nicht begreifen, werden wir langfristig keine Spitzen-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler mehr anwerben können“,
erklärt Johannes Becher, Erster stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied der Enquetekommission Bürokratieabbau. Die Kommission hat am 12.02.2026 die Handlungsempfehlungen zum Bereich Wissenschaft und Forschung beschlossen und nun veröffentlicht. Diese basieren auf intensiven Diskussionen mit externen Expert*innen sowie Berichten der Staatsregierung und wurden mehrheitlich oder einstimmig angenommen.
Johannes Becher fordert:
„Studierende sollten vor allem bei der Beantragung von Förderungen und speziell beim BAföG entlastet werden. Man kann das BAföG zwar mittlerweile online beantragen, aber nach wie vor muss man zahlreiche Nachweise vorlegen, die Informationen enthalten, die anderen staatlichen Stellen eigentlich bekannt sind. Datenschutz wird in Deutschland viel zu oft als Abwehrargument verwendet – dabei soll der Datenschutz ja den Menschen dienen. Hier brauchen wir dringend den skandinavischen Ansatz: Daten, die staatlichen Stellen bereits vorliegen, werden automatisch für die Bearbeitung eines Antrags abgerufen. Das spart Studierenden viel Aufwand und wäre schlicht eine smarte Lösung.“
Folgende Punkte aus den Empfehlungen sind den Landtags-Grünen besonders wichtig:
- End-to-End-digitale Workflows: Etablierung verbindlicher Schnittstellen zwischen staatlichen und hochschulinternen Systemen vermeiden Mehrfacheingaben für alle Beteiligten
- Personalverwaltungs- und Reisekostensysteme an Hochschulen sollen vernetzt – idealerweise zusammengeführt werden
- Bayerisches Better-Practice-System: Hochschulen sollen Verbesserungsvorschläge in einem digitalen Backoffice melden können, um dann möglichst bayernweit ausgerollt zu werden
- Personalverfahren sind vollständig zu digitalisieren und landesweit zu standardisieren: Wiederkehrende Vorgänge wie Einstellungen, Verlängerungen, Beurteilungen und Abrechnungen müssen automatisiert werden
- Spürbare Entschlackung der Antragsformate und Reduzierung der Nachweispflichten – z. B. bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Johannes Becher schlägt vor:
„Besonders wichtig erscheint uns, dass Hochschulen die Möglichkeit bekommen, Bürokratieabbau auch einfach selbst in die Hand zu nehmen und von landesgesetzlichen Regeln einfach mal probeweise abweichen zu können – so genannte Regulatory Sandboxes. Wir GRÜNE haben einen solchen Vorschlag für die Kommunen in den Landtag eingebracht (Kommunales Regelbefreiungsgesetz). Warum also nicht auch den Hochschulen solche Möglichkeiten geben: einfach mal ausprobieren, statt jahrelang den gleichen Verbesserungsvorschlag konsequenzlos ans Ministerium zu schicken. Unsere klügsten Köpfe arbeiten an den Hochschulen – denen sollten wir vertrauen, dass sie selbst in der Lage sind, innovative Ideen für bürokratieärmere Verfahren zu entwickeln und umzusetzen.“