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Grüne wollen längeres gemeinsames Lernen ermöglichen

14. April 2026

Chancengerechtigkeit statt Herkunftsschicksal

Am Montag, 04.05., erhalten wieder tausende Kinder in Bayern ihre Übertrittszeugnisse – für viele Familien eine große Belastung. Mit nur zehn Jahren stehen Schülerinnen und Schüler vor einer Entscheidung, die oft eine Weichenstellung für das restliche Leben ist.

Die Landtags-Grünen wollen diesen Druck entschärfen und bringen dazu am Mittwoch, 06.05., einen Gesetzentwurf ein: Künftig sollen Schulträger die Möglichkeit bekommen, Gemeinschaftsschulen zu gründen, in denen Kinder länger gemeinsam lernen können.

Statements Gabriele Triebel, Sprecherin für Bildung:

„Mit zehn Jahren in eine Schulform gesteckt zu werden, setzt Kinder und Familien massiv unter Druck. Bildung sollte fördern, nicht einschränken. Dafür brauchen Schülerinnen und Schüler mehr Zeit, ihr Potenzial zu entfalten.“ 

„In Bayern entscheidet noch immer das Elternhaus stärker als die Leistung über den Bildungsweg. Das ist ein strukturelles Problem. Längeres gemeinsames Lernen ist der Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit.“


Die Eckpunkte des Gesetzentwurfs:

  • Eine „Öffnungsklausel“ im Schulgesetz verankern (Art. 126 BayEUG).
  • Schulträger können „Sekundarschulen besonderer Art“ beantragen.
  • Das sind Gemeinschaftsschulen, in denen Kinder von der fünften bis mindestens zur neunten Klasse gemeinsam lernen.
  • Unterricht ohne frühe Aufteilung, inklusiv und binnendifferenziert.
  • Alle Bildungsabschlüsse bleiben erreichbar, Anschluss an Gymnasium sowie an Berufsausbildung bleibt gewährleistet.
  • Keine zusätzliche finanzielle Belastung für Schulträger.

Der Vorschlag hat klare Vorteile: Er entlastet Grundschulen vom pädagogisch schädlichen Selektionsdruck. Er gibt Kindern aus benachteiligten Familien mehr Zeit, ihr Potenzial zu entfalten. Gleichzeitig sichert das Modell Schulstandorte im ländlichen Raum, die aktuell durch sinkende Zahlen von Schülerinnen und Schülern bedroht sind.

Hintergrund: Bayern teilt so früh wie kaum ein anderes Land seine Kinder auf unterschiedliche Schulformen auf. Mit zehn Jahren fällt eine Entscheidung, die den weiteren Bildungsweg maßgeblich prägt – im OECD-Durchschnitt erfolgt diese Entscheidung erst mit 15 bis 16 Jahren. Gleichzeitig zeigt der aktuelle ifo Chancenmonitor: Bayern ist Schlusslicht bei der Bildungsgerechtigkeit. Nur 20,1 Prozent der Kinder aus nicht-akademischen Haushalten besuchen ein Gymnasium – bei privilegierten Kindern sind es 52,7 Prozent. Selbst bei gleicher Leistung erhalten Kinder aus benachteiligten Familien laut Studien seltener eine Empfehlung für das Gymnasium. Die frühe Aufteilung verstärkt damit soziale Ungleichheit.