Bildung | Wissenschaft
Grüne Anfrage zu Schulleitungen in Bayern
05. April 2026
Es fehlt an Schulleitungen in Bayern
Bayern hat einen enormen Engpass in den Schulleitungen. Ausgerechnet da, wo Bayerns Nachwuchs ausgebildet werden soll, hakt es an allen Ecken und Enden. Das zeigt eine Schriftliche Anfrage* (Anlagen siehe unten) der Landtags-Grünen: 50 Schulleitungen sind im laufenden Schuljahr nicht besetzt. Allein an den Grund- und Mittelschulen sind 26 Stellen vakant, an den Förderschulen hat sich die Zahl von 9 unbesetzten Stellen im Vorjahr auf 19 unbesetzte Stellen erhöht - und auch zwei Realschulen und drei Gymnasien im Freistaat sind momentan führungslos. Das muss sich dringend ändern.
Der Antrag der Landtags-Grünen zum Haushalt:
In ihrem Änderungsantrag zum Haushalt 2026/2027 fordern die Landtags-Grünen 3000 zusätzliche Lehrkräfte für Bayerns Schulen. Davon sind pro Jahr 100 neue Stellen für Grund-, Mittel- und Förderschulen zum Abbau der Unterrichtsverpflichtung von Schulleitungen vorgesehen. Denn: Es darf nicht sein, dass SchulleiterInnen zusätzlich zu ihrem Unterricht nebenher noch die ganze Schule leiten müssen. SchulleiterInnen müssen hier gezielt entlastet werden, um sich um komplexe Aufgaben wie den Aufbau des Ganztags, Digitalisierung oder die pädagogische Führung des Schulteams zu kümmern.
Die Führungskrise im Einzelnen:
- Besonders an Grund-, Mittel- und Förderschulen steigen die Zahlen für unbesetzte Schulleitungsstellen: Zum Schuljahr 2023/2024 waren an diesen Schulen 28 Schulleitungsstellen unbesetzt, zum Schuljahr 2024/2025 46 Stellen und Stand heute sind noch immer 45 Stellen unbesetzt.
Frauen bleiben in Bayerns Schulleitungsstellen weiterhin unterrepräsentiert: Zum Stichtag fürs laufende Schuljahr beträgt etwa der Anteil weiblicher Lehrkräfte an Bayerns Realschulen mehr als 70 Prozent, eine Leitungsposition inne haben davon allerdings nur knapp mehr 35 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich an den Gymnasien (knapp mehr als 31 Prozent weibliche Schulleitungen bei fast 63 Prozent weiblicher Lehrkräfte) sowie an den Fach- und Berufsoberschulen (knapp 27 Prozent weibliche Schulleitungen bei mehr als 59 Prozent weiblicher Lehrkräfte).
Die Staatsregierung tappt weiterhin willentlich im Dunkeln: Überlastungsanzeigen von Schulleitungen werden nicht erfasst. Ebenso wenig, wie viele Schulleitungen ihre Vorqualifikation vor Antritt ihrer Stelle nicht absolviert haben.
Mit Ansage: In den kommenden Jahren werden sich mehr als 600 Schulleitungen in den Ruhestand verabschieden.
Im Vergleich zum Vorjahr gibt es im laufenden Schuljahr an weiteren zwölf Gymnasien und sechs beruflichen Schulen eine erweiterte Schulleitung. Grund- und Mittelschulen können aber weiterhin keine erweiterte Schulleitung einführen.
Sturköpfig bei Teilzeit: Die Staatsregierung schließt die Arbeit in Teilzeit als Schulleitung aus. Dabei sieht der Bayerische Schulleitungsverband Verbesserung der Teilzeitmöglichkeiten als dringend notwendig an.
Statement Christian Zwanziger, MdL, Mitglied des Bildungsausschuss:
„Schulen ohne Leitung laufen im Dauer-Notbetrieb – das können wir für unsere Kinder nicht ernsthaft wollen. Die Staatsregierung hat es Schwarz auf Weiß, dass im laufenden Schuljahr fast 50 Schulleitungen fehlen und sich in den kommenden Jahren mehr als 600 Schulleiterinnen und Schulleiter in den Ruhestand verabschieden werden. Wenn wir es nicht endlich schaffen, die Schulleitungen vor dem Ausbrennen zu schützen, und den Beruf attraktiv zu machen, werden wir diese Stellen nicht in höchster Qualität besetzt bekommen.
Wir brauchen wirksame Maßnahmen, um talentierte Führungskräfte zu gewinnen und zu halten. Besonders Frauen sind in Schulleitungen stark unterrepräsentiert, weil die Rahmenbedingungen nicht passen. Es wird Zeit, dass die Staatsregierung diesen Bedarf anerkennt und endlich handelt. Unsere Kinder verdienen mehr – und gute Bildung braucht gute Führung.“
Weitere grüne Forderungen:
- Modernere Führungsmodelle – Jobsharing und Teilzeitmodelle für Schulleitungen überall ermöglichen → macht Leitungsstellen attraktiver, gerade für Frauen und Teilzeitkräfte. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern VI: Jetzt Jobsharing und Teilzeitmodelle für Schulleitungen aller Schularten ermöglichen!)
Mehr Leitungszeit für alle Schulleitungen → Entlastung sofort spürbar, besonders an Grund-, Mittel- und Förderschulen. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern III: Mehr Leitungszeit für Schulleitungen! )
Frauen gezielt fördern – Programm „Frauen führen Schule“ an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen (ALP) → Mentoring, Fortbildung, Vernetzung; evaluiert und landesweit zugänglich. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern IV: Mehr Frauen in Führung. Mentoring- und Entwicklungsprogramm für weibliche Schulleitungen und Führungskräftenachwuchs in Bayern)
Erweiterte Schulleitungen jetzt auch an Grund- und Mittelschulen einführen → entlastet Schulen mit den größten sozialen Herausforderungen. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern I: Einführung erweiterter Schulleitungen an allen Schularten in Bayern)
Landesweites Netzwerk „Schulleitung vernetzt Bayern“ aufbauen → Professionalisierung, Austausch, Resilienz und Innovationskraft stärken. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern II: Netzwerkstrukturen für Austausch, Unterstützung und Professionalisierung in Bayern schaffen)
Qualifizierung vor Amtsantritt verbessern und Bewerbungsprozess beschleunigen → Entscheidungen bis Weihnachten, mehr Praxisanteile, bessere Vorbereitung. (Antrag: Stärkung der Schulleitungen in Bayern V: mehr Perspektiven, Qualifizierung und Unterstützung für zukünftige Führungskräfte im Bildungssystem)
*Anlagen