Kinder | Jugend | Familie

Ferien für den Masterplan?

27. August 2026

Staatsregierung lässt Zeit verstreichen

1. Ausgangslage & Hintergrund 

Lehrkräfte sind die prägende Kraft für die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung von Bayerns Schülerinnen und Schülern. Sie legen den Grundstein für unseren wertvollsten Rohstoff: Bildung.  

Doch der Beruf ist für junge Menschen in Bayern so unattraktiv wie noch nie. In der Folge entscheiden sich immer weniger Studierende für ein Lehramtsstudium. Die Zahlen sind erschreckend:  

  • Lehrkräftemangel bis 2032: Voraussichtlich werden über 2.000 Vollzeitlehrkräfte fehlen (Quelle: Bayerische Prognose zum Lehrereinstellungsbedarf 2026, S.42)

  • Halbierung der Erstsemester: Der Anteil der Abiturientinnen und Abiturienten, die ein Lehramtsstudium aufnehmen, ist in den letzten zehn Jahren von 14,8 % (2013) auf nur noch 6,8 % (2023) eingebrochen (Quelle: Schriftliche Anfrage Drs. 19/552, die aktuellen Zahlen werden derzeit von Christian Zwanziger abgefragt)

  • Hohe Abbrecherquote: Über 40 % der Studierenden brechen das Lehramtsstudium in Bayern ab (Quelle: Stifterverband, „Der Lehrkräftetrichter“, S. 6).  

Der Beruf hat sich stark gewandelt: Sozioökonomische Unterschiede, individuelle Förderbedarfe und divergierende Lernvoraussetzungen prägen den Schulalltag. Gleichzeitig erfordert die digitale Welt neue Kompetenzen – Lehrkräfte müssen nicht nur Wissen vermitteln, sondern als Lernbegleiter*innen fungieren. Die Lehrkräftebildung in Bayern wird diesen komplexen Anforderungen bisher jedoch nicht ausreichend gerecht. 

Die individuellen Gründe für die hohe Fluchtquote verdeutlicht eine Umfrage der bayerischen Lehramtsstudierendenvertretungen (Dezember 2023, 2.911 Befragte an zehn Standorten, QuelleBayerische Lehramtsstudierendenvertretungen): 

  • 63 % der Befragten halten das Erste Staatsexamen für nicht mehr angemessen und unzeitgemäß. 

  • Für 41 % ist die hohe Hürde des Staatsexamens ein konkreter Grund, das Studium abzubrechen oder in ein anderes Bundesland mit Bachelor-/Master-System zu wechseln. 

  • Knapp 75 % der Befragten geben an, direkte Angst vor dem Referendariat zu haben. 

2. Grüner Gesetzentwurf “Auf die Lehrkräfte kommt es an” 

Die Bayerische Staatsregierung hat grundsätzlich erkannt, dass das System reformiert werden muss, lässt jedoch wertvolle Zeit verstreichen. Die wissenschaftliche Grundlage für eine Reform liegt seit Mai 2025 mit dem Gutachten der Expert*innenkommission zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung auf dem Tisch. Auf den angekündigten „Masterplan“ der Staatsregierung wartet Bayern unterdessen weiterhin.  

Für die Landtags-Grünen ist klar, dass keine weitere wertvolle Zeit mehr verstreichen darf. Um endlich neue Bewegung in den Prozess zu bringen, legt die Fraktion nun einen eigenen, konkreten Gesetzentwurf vor. 

Unter dem Titel „Auf die Lehrkräfte kommt es an“ schlagen die Landtags-Grünen eine umfassende Novellierung des Bayerischen Lehrerbildungsgesetzes (BayLBG) vor. 

HIER FINDEN SIE DEN GESAMTEN GESETZENTWURF ZUM DOWNLOAD 

3. Die zentralen Forderungen im Überblick 

  • Bachelor-Master-Struktur: 6 Semester schulartübergreifendes Basisstudium (Bachelor) + 4 Semester spezialisierendes Masterstudium. Ersetzung des Ersten Staatsexamens durch den Master of Education (die Staatsprüfung nach dem Referendariat bleibt bestehen). 

  • Vier Lehrämter statt starrem Schulartbezug: Primarstufe, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und Lehramt für Inklusion – mit flexiblen Erweiterungsoptionen für weitere Entwicklungsstufen. 

  • Verbindliche Verankerung von Zukunftsthemen: Lehren und Lernen in der Kultur der Digitalität (inkl. KI), Demokratiebildung, pädagogische Diagnostik, Datenkompetenz, Interkulturalität und inklusiver Umgang mit Heterogenität. 

  • „3+1-Modell“ im Master: Ein strukturell eingebettetes, wissenschaftlich begleitetes Praxissemester (explizit kein Einsatz als billiger Lehrkräfteersatz). 

  • Kürzeres & faireres Referendariat: Verkürzung von 24 auf 18 Monate mit klarer Trennung zwischen Beratung und Bewertung. 

  • Stärkung der Lehrkräftebildungszentren: Ausbau der Schools of Education zu zentralen Koordinierungsstellen mit mehr Kompetenzen und verbindlicher Studierendenberatung.

4. Zitate

Christian Zwanziger, Mitglied im Bildungsausschuss: 

„Die Zukunft unserer Schulen entscheidet sich auch daran, wie wir Lehrkräfte ausbilden. Das notwendige Reformwissen liegt seit Mai 2025 mit dem Gutachten der Expertinnen- und Expertenkommission auf dem Tisch, doch aus den Ankündigungen der Staatsregierung ist bislang keine Reform geworden. Mit unserem Gesetzentwurf zeigen wir, wie eine moderne Lehrkräftebildung aussehen kann, die Lehrkräfte besser auf ihre Aufgaben vorbereitet und den Beruf wieder attraktiver macht.“ 

„Lehrkräfte sollen Kindern und Jugendlichen Sicherheit, Orientierung und Bildung vermitteln. Dafür brauchen sie selbst eine Ausbildung, die sie stärkt, statt verunsichert. Mehr Praxisbezug, zeitgemäße Studieninhalte und ein Referendariat, das begleitet statt abschreckt, sind zentrale Voraussetzungen für gute Schulen und guten Unterricht.“