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Veranstaltungsbericht Kollegin KI – Gute Arbeit in Zeiten von Künstlicher Intelligenz

19. Mai 2025
18:00 Uhr

Künstliche Intelligenz verändert schon heute, wie wir arbeiten – und wird künftig viele Berufe, Arbeitsweisen und Branchen grundlegend beeinflussen. Eva Lettenbauer MdL legt einen Schwerpunkt auf optimale berufliche Weiterbildung durch Bildungsfreistellung in Bayern. Im Webinar diskutierten Expertinnen aus Wissenschaft, Praxis und Politik, welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben – und was es politisch jetzt braucht, um „gute Arbeit“ auch im KI-Zeitalter zu sichern. Was kann KI – und was nicht?  

Prof. Dr. Melanie Arntz, Arbeitsmarktforscherin an der FAU und Vizedirektorin des IAB, betonte, dass KI besonders gut strukturierte, sich wiederholende Tätigkeiten übernehmen kann. Dazu zählen Verwaltungsarbeiten, Datenanalysen oder auch einfache kreative Aufgaben. Arntz erforscht, welcher Anteil von Tätigkeiten in einem Beruf potenziell automatisiert werden können. „Das Substituierungspotenzial ist auch bei Berufen mit viel Fachwissen deutlich gestiegen“, so die Wissenschaftlerin. Anteile übernehmen könne KI nahezu alle Branchen, besonders aber wirtschaftsnahe Dienstleistungen. Gleichzeitig sieht Arntz die Notwendigkeit, klare Regeln und Verantwortlichkeiten zu definieren – denn wenn Entscheidungen automatisiert werden, stellt sich die Frage: Wer trägt am Ende die Verantwortung? 

Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Soziologin und Direktorin am bidt, warnte davor, sich von den Möglichkeiten der KI blenden zu lassen: „Wir neigen oft dazu, KI zu überschätzen und die Fähigkeit der Beschäftigten, sie sinnvoll in den Kontext einzubauen, zu unterschätzen.“ Sie macht deutlich, dass KI nur dann gut funktioniert, wenn ausreichend qualitativ hochwertige Daten vorliegen. Doch oft fehlt es genau daran. Der Schlüssel liegt aus ihrer Sicht nicht nur in der Technik, sondern bei den Menschen: „Wer die Fehler der KI erkennt, bleibt unersetzlich.“ 

Dr. Laura Dornheim, CDO der Stadt München, brachte konkrete Beispiele aus der Verwaltungspraxis mit – etwa das städtische KI-Tool „MucGPT“ oder intelligente Anwendungen in Bibliotheken und dem Tiefbau. Sie betonte: „KI ist kein Allheilmittel. Sie ist ressourcenintensiv und nicht immer nötig.“ Vielen lasse sich mit bewährter Software effizienter lösen. Es brauche aus ihrer Sicht gezielte Investitionen in digitale Bildung und Aufklärung, um digitale Souveränität zu stärken. Nur so können Bürgerinnen und Bürger – aber auch Mitarbeitende in der Verwaltung – fundiert mitentscheiden, wo und wie KI sinnvoll eingesetzt wird. 

Eva Lettenbauer, MdL, Sprecherin für Arbeit setzt sich für gezielte politische Maßnahmen ein, um KI als Werkzeug für gute Arbeit zu nutzen: „Wenn KI Anteile der Arbeit übernimmt oder unsere Arbeitswelt verändert, ersetzt sie seltenst ganze Berufe. Wir müssen jetzt die Weichen stellen – für gute berufliche Bildung und lebenslange Weiterbildung und faire, sichere und nachhaltige Arbeitsbedingungen. Dazu gehören konkret die Etablierung einer Bildungsfreistellung in Bayern, Begleitforschung zu gesellschaftlichen und sozialen Folgen von KI sowie Ethische Leitplanken durch einen sozialpartnerschaftlich ausgestalteten European AI Act.”