Bayern

Forschungsreaktor Garching: Wiederholte Schlamperei muss Konsequenzen haben

Ludwig Hartmann sieht mangelndes Problembewusstsein beim Betreiber: „Es gibt kein tragfähiges Sicherheitskonzept“

Die Landtags-Grünen üben nach dem erheblichen Radioaktivitätsaustritt am Forschungsreaktor Garching schwere Kritik am Betreiber und der bayerischen Atomaufsicht. „Zum wiederholten Mal schlampt die Technische Universität München in Garching und gefährdet so die Menschen in der Umgebung“, analysiert Fraktionschef Ludwig Hartmann. „Der Vorfall zeigt deutlich: Es gib dort kein tragfähiges Sicherheitskonzept und keinen Kontrollautomatismus, der einfache menschliche Fehler auffängt. Das ist bei einem Atommeiler untragbar und muss Konsequenzen habe.“

Für Ludwig Hartmann ist klar, dass der Reaktor nach Überschreiten des Jahresgrenzwerts für C14 in diesem Jahr nicht mehr angefahren werden darf. „Gleichzeitig müssen wir eine grundlegende politische Debatte über den Forschungsreaktor führen. Für den derzeitigen Betrieb mit hoch angereichertem, waffenfähigem Uran gibt es keine rechtlich gültige Genehmigung. Damit muss endgültig Schluss sein“, fordert Ludwig Hartmann.  Die TUM sei in der Pflicht, die vor siebzehn Jahren angeordnete Umstellung auf niedriger angereicherte Brennstäbe endlich zu vollziehen.

Unverständnis äußert Ludwig Hartmann über die Kommunikation des Betreibers und des FW-Umweltministeriums. Schon die Tatsache, dass der meldepflichtige Vorfall in die Kategorie „Eilt“ eingestuft wurde, zeige dessen Brisanz. Unter über 250 meldepflichtigen Ereignissen in den letzten vier Jahren habe es nur vier der Kategorie ‚Eilt‘ gegeben. „Dass die TUM und auch das FW-Umweltministerium als zuständige Atomaufsicht den Vorgang jetzt kleinreden, ist ein Rückfall in atomkrafthörige Zeiten“, so Ludwig Hartmann.

Offensichtlich habe es auf beiden Seiten schon vor dem Zwischenfall „wenig Problembewusstsein“ gegeben. Nach manipulierten Messwerten im Jahr 2012 seien dem Reaktorbetreiber monatliche Monitoringmessungen auferlegt worden. Ludwig Hartmann: „Jetzt stellen wir fest: Die TUM ist klammheimlich zu einem vierteljährlichen Messzyklus zurückgekehrt und hat obendrein die damals geforderte und installierte C14-Rückhalteeinrichtung nicht betrieben. Hier hat die Atomaufsicht kläglich versagt.“ Die Landtags-Grünen kündigen eine parlamentarische Aufarbeitung des Vorgangs an. „Das FW-Umweltministerium gibt hier ein schlechtes Bild ab. Atomaufsicht soll die Menschen schützen, nicht den Betreiber“, so Ludwig Hartmann.