Verbraucherschutz

Verseuchtes Wasser

CSU wehrt sich gegen Untersuchungen Verseuchtes Wasser in Altötting: PFOA-Skandal und kein Ende

Im Industriepark Gendorf im Landkreis Altötting wurde von der Firma Dyneon über Jahrzehnte hinweg PFOA (Perfluoroktansäure) produziert. PFOA ist ein Emulgator, der in Gegenständen wie Teflonpfannen oder Funktionsjacken verwendet wird. Über das Abwasser ist PFOA in die Alz geleitet worden und ins Grundwasser und damit ins Trinkwasser gelangt. Die Konzentration von PFOA im Wasser hat die Grenzwerte bei weitem überschritten. PFOA steht im Verdacht, krebserregend zu sein und einige weitere gesundheitliche Schäden hervorzurufen.

Über viele Jahre haben die Bewohner*innen des Landkreises Altötting PFOA über das Trinkwasser zu sich genommen. Erst als Greenpeace im Jahr 2006 Wasserproben aus der Alz untersuchte, wurde das ganze Ausmaß der Verseuchung bekannt. Seitdem ist jedoch viel zu wenig passiert. Es wurden zwar mit einiger Verzögerung Aktivkohlefilter in die meisten Trinkwasserbrunnen eingebaut, die Bevölkerung wurde jedoch vor allem über die gesundheitlichen Auswirkungen weiter im Unklaren gelassen. Erst einzelne erste Bluttests zeigten, dass die Belastung der Menschen mit PFOA um bis zu 150mal höher lag als bei Menschen, die kein PFOA mit dem Trinkwasser zu sich genommen hatten. Seitdem macht sich Unsicherheit im Landkreis Altötting breit, da niemand genau weiß, wie hoch seine Belastung mit PFOA ist. Erst jetzt wurde eine groß angelegte Bluttestserie durchgeführt, deren Ergebnisse aber erst im Herbst vorliegen sollen. Angeblich seien die Laboruntersuchungen sehr kompliziert. Die Menschen werden also weiter im Unklaren gelassen, die Angst steigt.

Vor allem viele Eltern sind besorgt, wie sich PFOA auf die Entwicklung ihrer Kinder auswirkt.

Bezeichnenderweise werden bei Kindern unter sieben Jahren keine Bluttests durchgeführt. Und das, obwohl bekannt ist, dass ein wachsender Körper bei erhöhten Konzentrationen von gefährlichen Stoffen heftiger und mit mehr Schäden reagieren kann als der Körper eines Erwachsenen. Säuglinge sind besonders betroffen, da PFOA die natürliche Sperre im Körper der Mutter überwindet und direkt in hoher Konzentration über die Muttermilch in den Körper des Kindes gelangt. Säuglinge haben regelmäßig eine wesentlich höhere PFOA-Konzentration im Blut als ihre Mütter. Zudem sind insbesondere die Langzeitwirkungen von PFOA bei unter 7-Jährigen, also die Auswirkungen auf einen sich entwickelnden Organismus durch diese hohe PFOA-Belastung, noch nicht untersucht.

Gisela Sengl, unsere landwirtschaftspolitische Sprecherin und Rosi Steinberger, unsere verbraucherschutzpolitische Sprecherin haben deshalb einen Antrag gestellt, dass bei Kindern unter sieben Jahren kostenlose Bluttest durchgeführt werden. Unglaublich, aber wahr: Dieser Antrag wurde von der CSU abgelehnt! Man werde stattdessen „Beratungen für die betroffenen Eltern durchführen“. Hier stellt sich die Frage, wozu beraten werden soll, wenn die Blutwerte der Kinder nicht bekannt sind? Will man hier verhindern, dass sich der Skandal noch mehr ausweitet?

Interessant ist auch die Begründung der zuständigen Landesanstalt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), die ebenfalls keine Bluttests an Kindern durchführen will: Man wüsste aus der wissenschaftlichen Literatur, dass das Blut von Kindern nicht höher belastet ist als das der Eltern.
Wir lesen jetzt also Bücher und brauchen nichts mehr untersuchen?
Das ist außerdem schlicht falsch! Im Umweltausschuss hat das Umweltministerium gerade erst erklärt, dass im ersten Lebensjahr des Säuglings das Blut des Säuglings deutlich stärker mit PFOA belastet ist als das Blut der Mutter.
Und weiter das LGL: Der Aufwand der Blutentnahme bei Kleinkindern sei zu hoch und die Belastung der Blutentnahme solle vermieden werden.
Zu hoher Aufwand? Wir dürfen keinen Aufwand scheuen, um das Risiko, das den Menschen angetan wurde, zu minimieren!
Und Belastung? Blutentnahme bei Kleinkindern ist heute Standard. Und die Belastung durch PFOA im Blut der Kinder ist für diese Kinder langfristig vielleicht deutlich höher als eine kurzfristige Belastung durch Blutentnahmen.
Es scheint sich um Ausreden zu handeln, um nicht mit möglicherweise unangenehmen Ergebnissen konfrontiert zu werden.

Gisela Sengl, landwirtschaftspolitische Sprecherin: „Da PFOA im Verdacht steht krebserregend zu sein, ist hier Gefahr im Verzug. Wir haben heute keine Ahnung, was PFOA in den Körpern von unter 7-jährigen anrichtet. Wir wissen nicht, welche unmittelbaren Folgen und welche Langzeitfolgen PFOA in wachsenden Körpern hat. Das müssen wir aber jetzt sofort wissen. Und deshalb brauchen wir dringend die Bluttests und wir brauchen dringend die Langzeittests. Sonst werden wir eines Tages mit schlimmen Fakten konfrontiert, die wir hätten verhindern können, wenn wir gehandelt hätten. Es ist unsere Aufgabe die Gesundheit der Menschen in Bayern zu schützen.
Es ist verantwortungslos, dass so lange nichts gegen den Eintrag von PFOA ins Wasser getan wurde. Es wäre noch verantwortungsloser, jetzt nicht umfassend zu reagieren!“

Unser Antrag