Soziales

Debatte über das Schicksal ehemaliger Heimkinder - Grünes Antragspaket fordert Umsetzung einer Landtagsresolution zur Heimerziehung in Bayern

Die Grüne Landtagsfraktion hat mit einem Antragspaket offene und unerledigte Punkte aus einer interfraktionell vom Landtag in der vergangenen Legislatur verabschiedeten Resolution zur ‚Aufarbeitung der Situation ehemaliger Heimkinder in Bayern‘ aufgegriffen. Aus diesem Grund wurde in dieser Woche erneut im Sozialausschuss über die Tätigkeit der bayerischen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder berichtet. Einige wichtige Punkte bei der Aufarbeitung des den Heimkindern widerfahrenen Unrechts und Leids sind immer noch nicht erledigt.

„Als ein wichtiger Teil dieser Aufarbeitung muss nun endlich das schon lange beschlossene Forschungsprojekt über das Unrecht in der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre auf den Weg gebracht werden“ fordert die Grüne Sozialpolitikerin Kerstin Celina. Im Beirat der bayerischen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder wird schon seit längerem über die Inhalte eines solchen Forschungsprojektes beraten. Bisher wurde jedoch lediglich eine kleine Vorstudie beim Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in Auftrag gegeben. Erst nach Vorlage des Berichts soll über die Ausschreibung einer Studie entschieden werden. Der Grünen Landtagsfraktion dauert das alles zu lange. „Uns ist es wichtig, nun endlich ein großes Forschungsprojekt auszuschreiben und einen konkreten Zeitplan für die Studie zu haben“, erläutert Kerstin Celina.

Die Grüne Fraktion fordert mit einem weiteren Antrag spezielle Beratungsangebote für pflegebedürftige ehemalige Heimkinder und die Bereitstellung von Alternativen zum Pflegeheim. „Viele Betroffene wollen im Alter auf keinen Fall in einem Altersheim leben“, so Kerstin Celina. „Bei einer Heim-Unterbringung gegen ihren Willen droht ihnen eine schmerzhafte Retraumatisierung.“ Für Kerstin Celina ist deshalb völlig klar: „Kein ehemaliges Heimkind darf gegen seinen Willen in einer stationären Altenpflegeeinrichtung untergebracht werden.“ Die Grünen schlagen konkret vor, die bayerische Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder auch zur Erstberatung für Fragen der Pflegebedürftigkeit zu nutzen. Wenn es um die Bereitstellung von konkreten ambulant betreuten Alternativen zur stationären Unterbringung geht, können die Betroffenen dann an regionale Beratungsstellen und Anbieter weiter verwiesen werden. Mittlerweile haben die Mitarbeiter der bayerischen Anlauf- und Beratungsstelle zumindest eine Fortbildung zu Pflegefragen erhalten. Es fehlt allerdings noch die ausdrückliche Übertragung der Aufgabe der Pflegeerstberatung an die Anlaufstelle.

Außerdem muss der Freistaat mit entsprechenden Modellprojekten ambulante Pflege- und Wohnmöglichkeiten fördern, die in ihrer Konzeption die speziellen Traumata und Bedürfnisse der ehemaligen Heimkinder berücksichtigen. „Wir wollen natürlich keine exklusiven Einrichtungen ausschließlich für ehemalige Heimkinder“, erklärt Kerstin Celina. „Wir brauchen jedoch Projekte und Anbieter alternativer Wohnformen, die für die speziellen Probleme dieser Menschen sensibilisiert sind.“

Hier geht es zum Antrag "Studie über das Unrecht der Heimerziehung und die Folgeschäden bei den ehemaligen Heimkin-dern in Bayern "
Hier geht es zum Antrag "Alternativen zur Heimunterbringung für pflegebedürftige ehemalige Heimkinder"