Sozialpolitik

Gute frühkindliche Betreuung kommt allen Kindern zugute

Im Februar 2016 hat der Sozialausschuss des Landtags eine Petition des Forums Bildungspolitik zur "Verbesserung der Rahmenbedingungen für frühkindliche Bildung" positiv beschlossen. Die Petition enthält Forderungen für eine Verbesserung der Qualität in den Kindertagesstätten.

So soll der verbindliche Mindestanstellungsschlüssel von jetzt 1:11 auf 1:9 angehoben und der Gewichtungsfaktor zur Förderung von Kindern unter drei Jahren von 2,0 auf 3,0 verbessert werden. Damit die Petition des Forums nicht gänzlich folgenlos bleibt, haben die Landtagsgrünen die wesentlichen Anliegen noch einmal in Form eines Antragspakets "Mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung" aufgegriffen. Leider hat die CSU einmal mehr, sämtliche Anträge unter Verweis auf die hohen Kosten und angeblich fehlendes Fachpersonal abgewiesen. Offensichtlich war die Zustimmung zur Petition eine reine Schaufensterveranstaltung.


Um den gestiegenen pädagogischen Anforderungen an die Kindertagesstätten gerecht zu werden, fordern wir eine schrittweise Verbesserung des Stellenschlüssels in den Kitas. „Der Anstellungsschlüssel ist die entscheidende Stellschraube zur Verbesserung der Betreuungsqualität“, erläutert Christine Kamm, die GRÜNE Sprecherin für frühkindliche Bildung. In einem ersten Schritt wollen wir deshalb im kommenden Kitajahr den förderrelevanten Anstellungsschlüssel von 1:11 auf 1:10 verbessern. Ab dem Kitajahr 2019/2020 soll dann als zweiter Schritt eine Anhebung auf 1:9 folgen. Für Kinderkrippen existiert bisher überhaupt kein verbindlicher Stellenschlüssel. Hier wollen wir in einem ersten Schritt einen Schlüssel von 1:5 ins BayKiBiG aufnehmen. Ab dem Jahr 2019/2020 soll dann eine weitere Anhebung auf 1:4 folgen. Auch die kindbezogene Förderung von Kindern unter drei Jahren wollen wir durch eine Anhebung des Gewichtungsfaktors am 3,0 deutlich verbessern. Pro Kind bedeutet das eine zusätzliche jährliche Förderung von rund 1.000 €. Damit könnten die Kinderkrippen zusätzliches Personal und kleinere Gruppen finanzieren. „Gerade die kleinsten Kinder in den Kitas brauchen eine besonders intensive pädagogische Betreuung und eine verlässliche persönliche Bindung zu den ErzieherInnen“, so Christine Kamm. „Dies funktioniert nur in Kitas mit kleinen Gruppen und einer optimalen Personalausstattung.“


Um den Kitaträgern bei der Umsetzung des besseren Personalschlüssels mehr Planungssicherheit zu ermöglichen, soll sich die Berechnung des Anstellungsschlüssels am Jahresmittelwert der Zahl der betreuten Kinder orientieren. Kurzfristige Schwankungen bei den Buchungszeiten und der Zahl der Kinder haben dann keine unmittelbare Auswirkung auf den Personaleinsatz. „Eine erhöhte Planungssicherheit der Träger hat unmittelbare Konsequenzen auf die Anstellung des pädagogischen Fachpersonals“, erklärt Christine Kamm. „Der Anteil der Teilzeitkräfte in den Kitas liegt mittlerweile bei fast 60 Prozent und über 40 Prozent der neuen ErzieherInnen werden nur noch befristet eingestellt. Die mit der kindbezogenen Förderung nach dem BayKiBiG verbundene Unsicherheit, geht so letztlich zu Lasten der Erzieherinnen und Erzieher.“


Eine weitere wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Kitas wären feste Verfügungszeiten für alle Tätigkeiten, die nicht unmittelbar mit der Betreuung der Kinder zusammenhängen. Durchschnittlich braucht eine ErzieherIn 25 Prozent ihrer Arbeitszeit für Teamsitzungen, Elternarbeit, Vor- und Nachbereitung, Fort- und Weiterbildungen sowie Verwaltungsaufgaben. „Für diese sog. mittelbaren pädagogischen Tätigkeiten gibt es bisher kein festes Zeitbudget“ beklagt Christine Kamm. „Die ErzieherInnen müssen sie quasi nebenher erledigen.“ Die GRÜNEN wollen deshalb 20 Prozent der Arbeitszeit der pädagogischen Fachkräfte verbindlich für diese Aufgaben freihalten. Dies muss natürlich bei der Berechnung des Anstellungsschlüssels berücksichtigt werden.
Auch zur Freistellung von Kitaleitungen existiert bisher keine verbindliche Regelung. Bayern hinkt hier im Bundesvergleich weit hinterher. Jede vierte bayerische Kita hat überhaupt keine Freistellung der Kitaleitung. Nur 15 Prozent der Kitas verfügen über eine vollständig freigestellte Leitung. Im Durchschnitt werden in Bayern pro Vollzeitbeschäftigter 1,3 Stunden freigestellt, während es im Bund 2,1 Stunden sind. „Die Kitaleitung hat jedoch eine wichtige Rolle bei der Einhaltung und Verbesserung der Qualitätsstandards in den Einrichtungen.“  Für Christine Kamm ist deshalb völlig klar, dass wir  dringend einheitliche und verbindliche Vorgaben für die Freistellung des Leistungspersonals brauchen. Auch diese Freistellungszeiten müssen bei der Berechnung des Stellenschlüssels berücksichtigt werden. „Wir wollen einen Stellenschlüssel, der tatsächlich abbildet, wie viel Arbeitszeit für die Betreuung der Kinder zur Verfügung steht!“
Kürzlich hat Christine Kamm in einer Pressekonferenz mit der Bürgermeisterin, Eva Bönig, unser Antragspaket vorgestellt.
Die Anträge und eine Zusammenfassung sind hier zu finden.