Justiz

„Kindesmissbrauch ist keine religiöse Angelegenheit“

Auch der Staat muss seiner Verantwortung gerecht werden, fordert Gabriele Triebel nach der Pressekonferenz von Kardinal Reinhard Marx ein Jahr nach dem Gutachten zu Missbrauchsfällen in seinem Bistum.

„Sexualisierte Gewalt an Schutzbefohlenen, insbesondere an Kindern und Jugendlichen, ist eine Form der Gewalt, deren Aufarbeitung und Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist“, sagt Gabriele Triebel, Sprecherin für Religion der Landtags-Grünen. „Die Aufarbeitung darf nicht allein der Täterorganisation überlassen werden. Kindesmissbrauch ist keine religiöse Angelegenheit.“ Das WSW-Gutachten habe deutlich gemacht: „Die katholische Kirche hat hier ein institutionelles Problem, das sind keine Einzeltäter. Der Staat muss endlich seiner Verantwortung gerecht werden und Betroffene besser unterstützen!“

Zwar habe Kardinal Marx betont, dass er nichts rückgängig machen, aber von nun an Dinge anders gestalten könne. Die Bemühung der Kirche erkenne sie an, sagt Gabriele Triebel. Dennoch müsse klar sein: „Der Kardinal hat die Aufgabe, den Aufklärungsprozess in Zusammenarbeit mit der Staatsregierung voranzutreiben. Nur eine wirklich unabhängige Aufarbeitung wird den Anliegen der Menschen, die von sexualisierter Gewalt im kirchlichen Umfeld betroffen sind, gerecht.“

Seit einem Jahr – seit Veröffentlichung des zweiten Missbrauchsgutachtens der Kanzlei WSW – fordern die Landtags-Grünen eine unabhängige staatliche Ombudsstelle, an die Betroffene sich wenden können, um unterstützt zu werden. Doch bislang lehnt das dafür zuständige Sozialministerium dies ab. Gabriele Triebel: „Die Söder-Regierung hat offenbar kein gesteigertes Interesse, Licht in die dunklen Ecken der Kirche zu bringen. Es ist ein Problem, dass sie sich bis heute für die Aufklärung der Missbrauchsfälle in den Kirchen offenbar nicht verantwortlich fühlt.“