Kultur und Heimat

Walhalla: Landtag folgt grüner Forderung nach neuem Ausstellungskonzept

Der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst beschloss fraktionsübergreifend und einstimmig, dass die Staatsregierung bis Sommer nächsten Jahres für die Walhalla ein neues Ausstellungskonzept erarbeiten soll. Anlass für die Entscheidung war ein grüner Antrag.

Für den kulturpolitischen Sprecher Sepp Dürr ist der Entwurf von König Ludwig I. aus dem Jahr 1842, in der Walhalla Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ zu ehren, die zum Zusammenhalt des „teutschen“ Volkes Vorbildliches beigetragen haben, um die nationale Identität zu stärken, nicht mehr zeitgemäß. Dass die Regierung stur am Konzept von Ludwig festhalte und vermeintliche „Lücken“ der kollektiven Erinnerung aus den letzten Jahrhunderten durch „Nachnominierungen“ auffüllen wolle, sei genauso absurd wie die Vorstellung, eine Regierung könne heute noch dem Volk verordnen, welche Helden zu verehren seien, so Dürr in der Ausschussdiskussion: „Die Idee von Ludwig ist ganz ihrer Zeit verhaftet. Es macht keinen Sinn, ein Konzept aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fortführen und ‚verbessern‘ zu wollen. In der Walhalla sollen deshalb keine neuen Büsten aufgestellt werden.“ Die jetzige Präsentation sei für die Besucherinnen und Besucher nichtssagend und lediglich eine bloße Aneinanderreihung von Büsten und Gedenktafeln.

Um das Potenzial der Walhalla auszuschöpfen und an das große BesucherInnen-Interesse anzuknüpfen, solle die Walhalla zu einem Museum mit angeschlossenem Lernzentrum ausgebaut werden, so Dürr. Es gelte ein Konzept zu entwickeln, das das Vermächtnis Ludwigs historisierend aufgreife und kritisch reflektiere, welche Funktionen früher und heute „Helden“ und Vorbilder erfüllten. Insbesondere für Kinder und Jugendliche biete die Walhalla eine optimale Gelegenheit für Fragen, warum Personen von König Ludwig als Vorbilder ausgewählt wurden und welche ihnen selber heute vorbildlich erscheinen.

Argumente gegen die Vorschläge der Grüne blieben die CSU-Mitglieder in der Diskussion schuldig. Sie verwiesen lediglich auf die erfreulich hohe Zahl von jährlich 200.000 Besucherinnen und Besuchern. Wie Freie Wähler und SPD stießen sie sich allerdings daran, dass wir vorgeschlagen hatten, künftig keine Neuaufnahmen mehr vorzunehmen. Selbst dem um den entsprechenden Passus gekürzten Antrag wollte die CSU, anders als die Oppositionsfraktionen, nicht zustimmen. Erst danach fand ein mündlich formulierter, überfraktioneller Antrag auch ihre Unterstützung: Der Staatsregierung muss – wie von uns Grünen gefordert - bis Mitte nächsten Jahres ein zeitgemäßes Ausstellungskonzept vorlegen.


Schriftliche Anfrage von Sepp Dürr vom 21.12.1998: Aufnahme von Büsten in die Ruhmeshalle und die Walhalla

Anfrage zum Plenum von Sepp Dürr zur Walhalla und Ruhmeshalle vom 18.06.2009