Kultur und Heimat

Konzertsaal-Debatte: Sanierung des Gasteigs ist Bankrotterklärung

Als "Bankrotterklärung der bayerischen Kulturpolitik" kritisierte unser kulturpolitischer Sprecher Sepp Dürr im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst die überraschende, in der Öffentlichkeit, den Medien und bei den Betroffenen auf Unverständnis gestoßene Entscheidung von Ministerpräsident Seehofer, auf einen Konzertsaalneubau zu verzichten und stattdessen mit der Stadt München die Philharmonie im Gasteig zu entkernen und neu aufzubauen. Kunstminister Spaenle, der in der Sitzung auf Initiative der Grünen berichtete, betonte, dass sein Haus lediglich Seehofer zugearbeitet, die

Entscheidung dann aber diesem überlassen habe. Argumente für diese „belastbare Grundsatzentscheidung“ konnte er nicht nennen.

Er musste sogar einräumen, dass man sich bisher weder über die Kosten noch die Dauer des Umbaus Gedanken gemacht habe. Auch die Frage, ob eine gemeinsame Bespielung der Philharmonie durch zwei Orchester überhaupt realistisch ist, nachdem alle Untersuchungen sie als nicht praktikabel verworfen haben, blieb von ihm unbeantwortet, ebenso ob es verlässliche Finanzierungszusagen des BR als Träger des Symphonieorchesters und der von Seehofer angeführten privaten Sponsoren gibt.

Sepp Dürr verwies auf die Verantwortung von Regierung und Landtag für die gesamte bayerische Kulturlandschaft. Das BR-Symphonieorchester habe Weltrang, aber um dieses Niveau auf Dauer zu halten, benötige das Orchester eine eigene Spielstätte bzw. ein uneingeschränktes Erstbelegungsrecht. Denn nur dadurch sei heute die international geforderte Flexibilität und Planungssicherheit zu erreichen, etwa bei der Verpflichtung von GastdirigentInnen und SolistInnen. Andererseits sei es „nicht Staatsaufgabe, Säle solventer Kommunen zu sanieren“.

Die Grünen fordern seit Jahren ein kulturpolitisches Entwicklungskonzept, um die kulturelle und regionale Vielfalt Bayerns zu sichern und zu finanzieren. Allein der Investitions- und Sanierungsbedarf im Kulturbereich, erinnerte Dürr, belaufe sich auf mehrere Milliarden Euro. Die Staatsregierung müsse diese Hausaufgaben dringend erledigen. Erst dann sei eine sachgerechte Entscheidung über einen neuen Konzertsaal möglich. Aber die jetzt angestrebte Lösung bedeute einen schweren Rückschlag für das BRSO und die gesamte Musiklandschaft.