Kultur und Heimat

Lebensraum Denkmal

Verrammelte Türen, löchrige Fenster, abgeblätterter Putz – so manches denkmalgeschützte Objekt macht einen traurigen Eindruck. Dabei ist der beste Denkmalschutz ein Gebäude auch zu nutzen.

Denkmalschutztour Tag 1

Coburg

Der erste Tag unserer Denkmaltour führte uns auf Einladung des dortigen Grünen Kreisverbands nach Coburg. Bei einem Rundgang durch die Altstadt wurden wir von Herrn Dr. Eidt, dem Vorsitzenden des Vereins „Stadtbild Coburg“ geführt. Seit Jahrzehnten unterstützt der Verein Privatpersonen bei der Instandhaltung ihrer historischen Gebäude. Damit retten sie nicht nur einzelne Häuser, sondern leisten einen großen Beitrag am Erscheinungsbild der Stadt. Im zweiten Teil des Stadtrundgangs besichtigten wir das Kretschenviertel und diskutierten die Pläne, die rund um das Kongresshaus bestehen. Hierbei übernahmen die Mitglieder des Vereins „Altstadtfreunde Coburg“ die Federführung.

Kulmbach
Die Plassenburg in Kulmbach ist DAS Wahrzeichen der großen Kreisstadt. Als eines der imposantesten und größten Renaissancebauwerke Deutschlands ragt sie weit über die historischen Altstadt auf dem Buchberg und ist weit ins Land zu sehen. Sie lockt mit ihren Museen Besucher aus ganz Deutschland und darüber hinaus an. Allerdings ist die Besucherzahl eher rückläufig und soll gesteigert werden. Liegt es an der Erreichbarkeit oder am Angebot für Tourist*innen? Oder was muss aus denkmalpolitischer Seite getan werden? Gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen Akteuren sind wir auf Initiative des Kreisverbands der Grünen diesen Fragen nachgegangen. Beim Rundgang wurde deutlich, dass es auf der Burg an einem attraktiven Gesamtkonzept fehlt. Dies wäre nach Meinung von Dr. Sabine Weigand der erste Schritt mehr Besucher auf die Burg zu locken. „Es ist Aufgabe der Kommune alle Interessierten an eine Tisch zu holen und ein stimmiges Nutzungskonzept zu erarbeiten.“ Das Interesse der Kulmbacher an einer Belebung der Burg ist in jedem Fall gegeben. 

Denkmalschutztour Tag 2

Bayreuth

Unser zweiter Tag der Denkmaltour führte uns in die Innenstadt von Bayreuth. Ausgehend von der Stadtkirche besichtigten wir die kleinen Gassen der Altstadt, abseits der Touristenströme und neu sanierten Straßen und Plätze. In der Kirchgasse war deutlich zu erkennen, wie Häuser sich entwickeln, wenn Eigentümer über Jahrzehnte nichts investieren. Putz bröckelt, Fenster brechen und gewähren Tauben Einlass in ganze Stockwerke. Direkt daneben, auf den ersten Blick ein neu saniertes schmales Stadthäuschen. Klopft man hier jedoch an die Fassade, so hört man den dumpfen Klang einer Kunststoffdämmung, die auf die Jahrhunderte alten Sandsteinmauern aufgetragen wurde. Bezirksheimatpfleger und Norbert Hübsch, Geschäftsführer des Historischen Vereins für Oberfranken waren sich einig, dass die alten Balken und das ursprüngliche Gemäuer darunter innerhalb kürzester Zeit verfallen würden. Hier wurde der Stadt Bayreuth von Seiten aller Anwesenden mangelndes Interesse und fehlendes Engagement attestiert. Der Rundgang führte weiter über den Marktplatz zur Schlosskirche und dem neu sanierten Opernhaus, welches im Besitz der Schlösser- und Seenverwaltung ist. An dieser Stelle drücken Teilnehmerinnen des Rundgangs ihren Unmut darüber aus, dass sich die Stadt nicht ausreichend für den Erhalt des Operncafés eingesetzt hat. Offensichtlich gelte das Interesse der Stadt mehr dem Anlocken von Touristen, als der eigenen Bevölkerung, die mit dem Opernhaus eine wichtige Spielstädte für Veranstaltungen nur noch sehr eingeschränkt nutzen kann. Ein Aspekt, der sich nach Ansicht der Teilnehmer auch in der Spitalgasse zeigt. An dieser Stelle verfällt seit Jahrzehnten ein wunderbar gelegenes altes Sandsteinhaus. Hier wurde in Kombination mit dem daneben liegenden leeren Grundstück die Errichtung eines Mehrgenerationenhauses mit verschiedensten Nutzungen gewünscht.

Zum Abschluss unseres Aufenthalts trafen wir uns in einem neu sanierten Stadthaus, zu einem generellen Gespräch über den Denkmalschutz unter anderem mit dem Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Dippold und Dr. Norbert Hübsch. Diskutiert wurde das generelle Problem, dass zu viel historische Bausubstanz verloren geht. Manche Eigentümer zeigen keinerlei Bereitschaft zur Sanierung, obwohl sie die finanziellen Möglichkeiten dazu hätten und auch Förderung von Seiten des Denkmalschutzes stattfinden könnte. Lieber geben sie ihre Häuser dem Verfall preis. Leider gibt es hier wenig rechtliche Möglichkeiten, Denkmalschutz durchzusetzen. Enteignungen sind kompliziert und langwierig. „Denkmalschutz kann nur in partnerschaftlichen Zusammenwirken von Bevölkerung, Kommunen und staatlichen Behörden gelingen“, meint Sabine Weigand. „Wir müssen bei den Menschen das Bewusstsein schärfen dafür, dass Denkmäler Anker unserer Identität sind und das Gesicht unserer Städte und Dörfer prägen. Ohne sie wären wir ein großes Stück ärmer.“

Creußen
Am zweiten Tag entdeckte Dr. Sabine Weigand, denkmalschutzpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion im Landtag außerdem das oberfränkische Städtchen Creußen. Sie war einer Einladung der Grünen Fraktion im Stadtrat gefolgt, der auch dankenswerter Weise die Organisation vor Ort übernahm. Renate van de Gabel-Rüppel und Bürgermeister Dannhäuser begrüßten Dr. Weigand im Rathaus, wo sich die Abgeordnete ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Anschließend ging es auf Tour durch die Stadt beginnend beim Hämmerleinhaus, das eben so wie sein Gegenüber dringend auf eine Sanierung wartet. Hier wünscht man sich in Creußen eine Nutzung als Bürgerhaus mit Gemeinschaftsräumen und einem Café oder aber ein kleines Hotel. Letzteres scheiterte bisher daran, dass sich kein Pächter fand. Am Dorfplatz stellte man übereinstimmend fest, dass es an Lebendigkeit fehlt. Neue Ideen wären dringend von Nöten. Durch die Habergasse gelangte die Gruppe schließlich zum Krügemuseum, wo Weigand das weltberühmte Creußener Steinzeug bewunderte und gerne Bier aus einem dieser Krüge getrunken hätte. Neben vorbildlichen Sanierungsobjekten finden sich in Creußen leider auch noch Gebäude, die aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden müssen. Bisher gab es hier gute Unterstützung durch die Städtebauförderung. Aber es braucht auch Ideen, um das Stadtzentrum zu beleben. „Vielleicht wäre hier ein Bürgerideenwettbewerb ein guter Gedanke“, meint Weigand.

Denkmalschutztour Tag 3

Weiden

Dr. Sabine Weigand grüne Sprecherin für Denkmalschutz im Landtag hat im Rahmen ihrer Denkmaltour in Weiden Station gemacht. Empfangen wurde sie von der grünen Stadträtin Gisela Helgath und ihren Stadtratskolleg*innen, außerdem waren Frau Vorsatz vom Kulturamt und Baudezernent Oliver Seidel, sowie Anna Toman, Landtagsabgeordnete aus Tirschenreuth, Sprecherin für Schulpolitik der Grünen Fraktion. Treffpunkt war der Bahnhofsplatz in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Hauptpostamt. Dieses denkmalgeschützte Gebäude befindet sich seit einiger Zeit in Privatbesitz. Schon seit längerem verfolgt die Stadt den Gedanken das gesamte Areal um den Bahnhof neu zu denken und umzugestalten. Ein Rahmenplan beinhaltet als Leitlinie die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes durch die Verlagerung des Busbahnhofs, den Bau eines Parkhauses unter Einbeziehung eines Mobilitätskonzepts. Mit Anwohnern und Gebäudeeigentümern steht man bereits in einvernehmlichem Kontakt. Schwierig gestalten sich allerdings die Verhandlungen mit der Bahn, die keine Bereitschaft zum Grundstücksverkauf erkennen lässt. Darüber hinaus fehlen sinnvolle Ideen zur Nutzung des brach liegenden Postgebäudes. „Wenn ein Gebäude genutzt wird, so muss man sich um den Erhalt weniger Sorgen machen,“ erklärt Baudezernent Seidel. „Die Stadt signalisiert die Bereitschaft zu konstruktiven Gesprächen.“

„Der Bahnhofsvorplatz mit Umgriff auf angrenzende Liegenschaften sind ein klassischer Fall für ein Stadtplanerisches Nutzungskonzept unter Einbeziehung der Denkmalpflege und verkehrspolitischer Planungen“, stellt Dr. Sabine Weigand fest. „Das Postgebäude ist ein anschauliches Beispiel für Verwaltungsbauarchitektur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und könnte mit seinen schlossähnlichen Türmchen zu einem attraktiven Blickfang werden.“

„Sicherlich wird es für die Stadt Weiden nicht einfach sein zeitnah optimale Lösungen zu finden. Dennoch lohnt sich die Mühe aus dem Bahnhofsviertel ein attraktive Eingangspforte zur Stadt und einen Ort mit hoher Aufenthalts- und Lebensqualität zu machen“, zeigte sich Anna Toman überzeugt.

Anschließend besuchte Dr. Sabine Weigand den Flurerturm mit dem „Milchladl“. „Als einziges Überbleibsel des äußeren Stadtberings kommt diesem denkmalgeschützten Ensemble besondere historische Bedeutung zu. Dankenswerter Weise hat die Stadt hier bereits viel investiert. Jetzt gilt es eine optimale Nutzung für diese bezaubernde Immobilie zu finden“, stellt Weigand fest. Die Idee hier ein kleines charmantes Hotel einzurichten fand in der Runde großen Anklang, aber es ließen sich auch andere Möglichkeiten denken, dieses Schmuckstück mit neuem Leben zu füllen.

Denkmalschutztour Tag 5
 

Dettelbach
Ein neu gegründeter Ortverband der Grünen, alte Probleme beim Denkmalschutz: Beim Spaziergang durch den Ort mit vielen Interessierten Dettelbachern wurde deutlich, wieviel alte Bausubstanz in dem Örtchen noch vorhanden ist. „Ihr seid ja fast die fränkische Toskana: so viele schöne alte, historische Bürgerhäuser, ein prächtiges Rathaus und ein intakter Mauerring, das ist doch eine Gesamtattraktion“, ist Dr. Sabine Weigand begeistert. Stärker als die Leerstände stachen viele gelungene Sanierungen ins Auge, so wie die alter Posthalterei. Auf die Sanierung vieler Denkmäler in Privatbesitz hat die unterfränkische Kommune keinen Einfluss, kann aber als Vorbild für eine gelungene Sanierung ein Zeichen setzen: „Es ist ja schon vorbildlich, dass die Stadt ein Stadtentwicklungskonzept durchlaufen hat, jetzt gilt es dieses umzusetzen. Bei diesem Schatz an denkmalgeschützten Häuser bietet es sich an, noch zusätzlich ein Kommunales Denkmalkonzept in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalschutz zu entwickeln“, ergänzt die Abgeordnete. Das Denkmalkonzept bietet die Möglichkeit zusammen mit Experten Potentiale sowohl für die Bürger, als auch den Tourismus, auszuloten. Damit verbunden müsste auch ein kommunales Verkehrskonzept sein, denn „auf den ersten Blick präsentiert sich Dettelbach als Autostadt“, so Weigand. Auch die Aufenthaltsqualität kann noch verbessert werden, hier ist noch viel Luft nach oben. „Man muss die Schönheit nur wachküssen“, zieht die Denkmalschützerin ihr Fazit. 

Rothenburg
Der Tag in Rothenburg begann mit einer Besichtigung des neu sanierten Spitals, jetzt Schülerwohnheim, durch den federführenden Architekten Teichmann. Eindrucksvoll wurde die ursprüngliche Bausubstanz herausgearbeitet und in den einzelnen Stockwerken vorbildlich in den Vordergrund gestellt. Geschickt wurde die moderne Technik in Podesten versteckt und gleichzeitig die durchhängenden Decken des 440 Jahre alten Bauwerks ausgeglichen. Die Sanierung erfolgte in harmonischer Zusammenarbeit zwischen der Stadt Rothenburg, der Unteren Denkmalschutzbehörde, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Landkreis Ansbach. „Glückwunsch zu dieser gelungenen Sanierung. So geht eine Kommune vorbildlich mit ihrer historische Bausubstanz um. Und wenn dann auch noch eine Nutzung im öffentlichen Interesse erfolgt, so ist das beispielhaft“, freut sich Sabine Weigand.

Zweite Station in Rothenburg war die Judengasse, wo die Stiftung Kulturerbe Bayern, vertreten durch Herrn Himpsl und der Verein Alt-Rothenburg, vertreten durch die Herren Naser und Knoll, stolz ihr Sanierungsprojekt Judengasse 10 präsentierten. Die Stiftung wurde nach dem Vorbild des National Trust gegründet, um bürgerschaftliches Engagement in den Denkmalschutz zu bringen. Sie möchte die historischen Baudenkmäler vor dem Verfall bewahren und einer sinnvollen Nutzung zuführen. Das Haus Judengasse 10 ist ihr erstes großes Projekt, das sie mit Unterstützung des Vereins Alt-Rothenburg mit Enthusiasmus angeht. Im ersten Stock des Denkmals findet sich noch eine sehr gut erhaltene mittelalterliche Bohlenstube. „Der Fund der Mikwe im Keller ist ein absoluter Glücksfall. Dieses jüdische Ritualbad wurde vermutlich von der gesamten jüdischen Gemeinde genutzt und wird, wie es der Glaube verlangt, von lebendigem Wasser gespeist, in diesem Fall Grundwasser“, erläutert Weigand. Das zukünftige Nutzungskonzept sieht Wohn- und Vereinsräume vor. Das Erdgeschoss soll öffentlich zugänglich werden. Das Nebenhaus, in Besitz des Vereins Alt-Rothenburg, soll zeitgleich saniert werden. „Es ist der Stiftung Kulturerbe Bayern zu wünschen, dieses Objekt erfolgreich zu sanieren und damit mehr Unterstützer zu gewinnen“, so Weigand.