Pflege

Akademisierung der Pflege: Landtag vergibt Arbeitsauftrag an Staatsregierung

Grüner Antrag verpflichtet zu Ausbau der qualifizierenden Studienplätze in Bayern. Wir begrüßen die Zustimmung der CSU-Fraktion zu unserem Antrag „Akademisierung in der Pflege ausbauen“ im Gesundheitsausschuss und sehen darin einen „konkreten Arbeitsauftrag“ an die Staatsregierung und Gesundheitsministerin Huml. „Der Widerstand bröckelt“, erklärt der pflegepolitische Sprecher Ulli Leiner. „Langsam wird auch den Letzten klar, dass aufgrund des Fachkräftemangels in der Pflege dringender Handlungsbedarf besteht.“


Derzeit absolvieren weniger als ein Prozent aller Fachkräfte in der Pflege eine akademische Ausbildung. Um die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen, seien deshalb bessere Aufstiegs- und Karriereoptionen in der Pflege dringend nötig. Der schrittweise Ausbau der akademischen Ausbildungsmöglichkeiten ist deshalb ein wichtiger Baustein. „Wir brauchen ein durchlässiges Ausbildungs- und Qualifikationssystem auf allen Ebenen“, so Ulli Leiner. „Beginnend mit der Ausbildung zur Pflegehilfe als Einstiegsqualifikation, den Fachabschlüssen in der Alten- und Krankenpflege bis hin zu den berufsqualifizierenden Hochschulabschlüssen.“

Der beschlossene Antrag der Landtags-Grünen sieht einen Ausbau der direkt für die Pflege qualifizierenden Studiengänge in Bayern vor. Neben der Erhöhung der Zahl der Studienplätze sollen zudem die Studienplätze zur Pflegelehrer-Ausbildung weiter ausgebaut und an den bayerischen Hochschulen neue Lehrstühle und Professuren für Pflegewissenschaften eingerichtet werden.

Der Antrag zur Akademisierung in der Pflege ist Teil eines umfassenden Antragspakets mit dem Motto ‚Pflege in Bayern zukunftssicher machen‘. Bisher hat die Mehrheitsfraktion der CSU alle Grünen Forderungen und Initiativen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege abgewiesen, ohne eigene Vorschläge vorzulegen. Nun scheint die Ablehnungsfront zu bröckeln. Auch bei zwei weiteren Grünen Anträgen, die in dieser Woche im Gesundheitsausschuss debattiert wurden, hat die CSU Zustimmung signalisiert. Allerdings wurden die Anträge noch bis Anfang Juni zurückgestellt, da bis dahin die Ergebnisse einer Angebots- und Bedarfsprognose zum Fachkräftebedarf in der Pflege vorliegen werden. Außerdem soll die Staatsregierung noch über die Ergebnisse des Modellversuchs zur Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung berichten.

Die Grüne Landtagsfraktion fordert in einem weiteren Antrag die schnelle Umsetzung der geplanten Reform der Pflegeausbildung und die Einführung einer gemeinsamen Ausbildung in allen Pflegeberufen. Bei der sog. generalistischen Pflegeausbildung soll nach einer zweijährigen gemeinsamen Ausbildung eine einjährige Spezialisierungsphase folgen, die Fachabschlüsse in den Bereichen Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege möglich macht. „Wir wollen dabei die Erfahrungen aus den Modellversuchen zur Einführung einer generalistischen Ausbildung berücksichtigen“, so Ulli Leiner. „Deshalb haben wir auch unseren Antrag bis zur Berichterstattung über diese Modellversuche zurückgestellt.“ Außerdem fordern die wir in dem Antrag noch eine ausreichende Finanzierung der Praxisanleitung in der betrieblichen Ausbildung in den Pflegeeinrichtungen. Auch dies wäre ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Qualität in der Pflegeausbildung.

In einem weiteren, ebenfalls zurückgestellten Antrag, fordern wir die Einführung eines Bayerischen Pflegemonitors, der alle zwei Jahre bei allen Trägern, Diensten und Einrichtungen der Pflege den Bedarf an Fachkräften und Auszubildenden abfragt und mit den vorhandenen Ausbildungskapazitäten und der Zahl der Auszubildenden abgleicht. Bisher gibt es in Bayern überhaupt keine gesicherten Daten über den zukünftigen Personalbedarf und den Bedarf an Ausbildungsplätzen in der Pflege. Ohne solche Prognosen ist eine politische Steuerung der Ausbildungsangebote und ein gezielter Ausbau der betrieblichen und schulischen Ausbildungsplätze nicht möglich. „Dies scheint nach jahrelangem Widerstand nun auch die CSU begriffen zu haben“, freut sich Ulli Leiner. Die vom Gesundheitsministerium bei der Technischen Universität Dortmund in Auftrag gegebene Studie zur Erfassung des zukünftigen Fachkräfte- und Ausbildungsbedarfs ist hier ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Wir sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse dieser Prognose, unabhängig davon, brauchen wir jedoch eine regelmäßige Feststellung des Bedarfs an Fachkräften in der Pflege. Der hessische Pflegemonitor oder die Gesundheitsberichterstattung in NRW könnten hier Vorbild sein.“

Abgelehnt wurde leider der grüne Antrag für eine bessere Finanzierung der Fort- und Weiterbildung in der Pflege. „Die pauschalisierten Sätze in der stationären Pflege sind bei Weitem nicht ausreichend und in der ambulanten Pflege gibt es überhaupt keine Grundlage für die Finanzierung der Fort- und Weiterbildung,“  beklagt Ulli Leiner. Die verbindlichen Weiterbildungsvorgaben der neuen Ausführungsverordnung zum Pflegegesetz lassen sich so nur sehr schwer umsetzen. „Leider versteckt sich die CSU hier hinter der Selbstverwaltung in der Pflege und verweist lediglich auf die Zuständigkeit der Landespflegesatzkommission,“ kritisiert Ulli Leiner.