Schule

"Seid mutig und habt keine Angst!"

Jugendliche Flüchtlinge debattieren im Landtag. Rund 150 junge Flüchtlinge aus bayerischen Integrationsklassen diskutierten am Donnerstag, den 9. Juli mit Christine Kamm (MdL) und Kerstin Celina (MdL) über ihre Wünsche an die deutsche und bayerische Asylpolitik. Die Schülerinnen und Schüler aus Berufsschulen in Augsburg, Würzburg und Schweinfurt hielten dabei beeindruckende Reden im Plenarsaal des Maximilianeums.

Zunächst hatten die Schülerinnen und Schüler in einer Diskussionsrunde die Gelegenheit, sich mit Christine Kamm, asylpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, über ihre persönlichen Wünsche und Probleme auszutauschen. Sie hatten sich mit zahlreichen Fragen und Wortmeldungen gut auf den Besuch vorbereitet. Die drängendsten Anliegen waren die Probleme bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz und unnötige bürokratische Hürden bei Passverlust oder der Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen. Insbesondere beim Thema Arbeitserlaubnis wurde deutlich, dass Ausländerbehörden in unterschiedlichen Landkreisen oft mit unterschiedlichen Maßstäben  arbeiteten. „Man merkt, dass die jungen Flüchtlinge tagaus-tagein mit den gleichen Problemen konfrontiert sind. Wenn sich etwa Beschwerden über die Willkür von Ausländerbehörden immer wiederholen, kann etwas nicht stimmen“, so Christine Kamm.

Hubert Mayer von der Berufsschule II in Augsburg regte an, zusätzlich zu den regulären Deutschkursen stundenweise Fachsprachkurse für bestimmte Ausbildungs- und Arbeitsbereiche an den Berufsschulen anzubieten. Bereits wenige Fachbegriffe könnten beim Einstieg etwa in die Gastronomie oder die Elektrotechnik enorm helfen, so Mayer.

"Wir wollen eine Bereicherung für Deutschland sein"

In der anschließenden Debatte im Plenarsaal des Landtags hielten die jungen Flüchtlinge vor Medienvertretern emotionale und eindringliche Reden. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Regierung, die uns ein Dach über dem Kopf gegeben und uns versorgt hat. Doch nun möchten wir auf eigenen Beinen stehen und selbstständig leben können.“ Dieser Wunsch  wurde von vielen geäußert. Der 23jährige Muhammad Kamran aus Pakistan fügte hinzu: „Wir haben alle schon schwere Zeiten in unserer Heimat und auf der Flucht erlebt. Doch das wollen wir jetzt hinter uns lassen und positiv in die Zukunft gehen.“ Der Schlüssel für ein sicheres und gutes Leben in Deutschland ist Sprache und Ausbildung. „Seid mutig und habt keine Angst. Bewerbt euch eigenständig für Ausbildungsplätze und lasst euch nicht einreden, dass ihr auf andere warten müsst. Ich habe mich hartnäckig beworben und nun zwei Zusagen bekommen“, ermutigte die dreiundzwanzigjährige Faith Chinaza Okereke aus Nigeria ihre MitschülerInnen. „Wir sind ganz normale Menschen, wie alle anderen auch. Wir sind voller Tatendrang und wollen eine Bereicherung für Deutschland sein“, fügte Evans Adany hinzu. „Wenn wir eine Arbeitserlaubnis haben, ist es für alle Seiten ein Vorteil. Wir können endlich eigenständig sein und Deutschland kann viel Geld für unsere Versorgung sparen“, so der zwanzigjährige Ugander aus Augsburg.

Auch Josephine Steiger von der IHK Schwaben ermutigte die jungen Flüchtlinge, ihre Chancen in Deutschland zu ergreifen. „Sie sind eine Chance für Deutschland und Bayern, keine Belastung. Bayern hat tausende offene Ausbildungsplätze, ergreifen Sie einen!“, so ihr Appell ans Plenum.

Christine Kamm zeigte sich sehr beeindruckt von den Berichten der Flüchtlinge: „Ich bewundere die Energie und den Tatendrang der jungen Leute. Wir in Deutschland können es uns kaum vorstellen, wie schwer es gerade für Jugendliche ist, ihre Heimat in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu verlassen. Viele sehen ihre Familien oft jahrelang nicht und hängen in der Warteschleife des Anerkennungsverfahrens. Wir dürfen die Hoffnungen, die diese jungen Menschen in Deutschland und Bayern setzen nicht enttäuschen, sondern  sollten das Potenzial, das in ihnen steckt durch kluge Rahmenbedingungen stärken. Dazu gehören vor allem der schnelle Zugang zu Sprachkursen und Ausbildungsmöglichkeiten, wie sie etwa die immer mehr werdenden Integrationsklassen in Bayern bieten. Zudem muss Schluss sein mit der willkürlichen Interpretation von Asylregelungen in den unterschiedlichen Ausländerbehörden. Es kann nicht sein, dass Flüchtlinge trotz Duldung keine Arbeitserlaubnis bekommen. Hier brauchen wir ein bayernweit einheitliches System.“