München (sip). Nach dem öffentlichen Wirbel um die Salvatorrede von Michael Lerchenberg haben die Landtagsgrünen heftige Vorwürfe gegen den Bayerischen Rundfunk erhoben. So hat das Bayerische Fernsehen bei der Wiederholung des Starkbieranstichs am Freitagabend die Rede des "Bruder Barnabas" nicht in vollem Umfang ausgestrahlt, sondern umstrittene Passagen einfach ohne weiteren Hinweis für die Zuschauerinnen und Zuschauer herausgeschnitten. "Das ist eine Form politischer Zensur, die in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen einfach nicht stattfinden darf", kritisierten Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen und Ludwig Hartmann, Mitglied im Rundfunkrat.
Was die die Grünen besonders auf die Barrikaden bringt ist der Umstand, dass der BR nicht nur den KZ-Vergleich herausgeschnitten hat, der letztlich Stein des Anstoßes und Grund für Michael Lerchenbergs Rückzug vom Nockherberg war. "Das Bayerische Fernsehen hat die Zensurschere weiter wüten lassen und quasi im vorauseilenden Gehorsam gleich auch noch Lerchenbergs Kritik an der bayerischen Polizei eliminiert." Diese Passage hatte insbesondere Innenminister Herrmann empört, der pikanterweise auch Vertreter der Staatsregierung im Rundfunkrat ist. Margarete Bause: "Es kann nicht angehen, dass den Zuschauerinnen und Zuschauern die umstrittenen Stellen vorenthalten werden und im Windschatten der Kritik an Lerchenbergs KZ-Vergleich auch gleich weitere für die Staatsregierung unliebsame Textteile zensiert werden. Damit macht sich der BR zum willfährigen Werkzeug der Staatsregierung und entmündigt sein eigenes Publikum, das sich schließlich selbst eine Meinung bilden können muss."
Gerade angesichts der öffentlichen Debatte um die Rede sei es ein Armutszeugnis für den BR, dass Lerchenbergs Salvatoransprache ohne weitere Hintergrundinformation für die Zuschauerinnen und Zuschauer verändert worden sei. "Dem Fernsehpublikum wurde die Wiederholung einer Live-Sendung in Echtzeit suggeriert, ohne jeglichen Hinweis darauf, dass und warum man Teile herausgeschnitten hat. Viele saßen daher ratlos vor dem Fernseher und konnten nicht nachvollziehen, warum die Rede eine solche Aufregung nach sich gezogen hatte. Gerade deshalb wäre es wichtig gewesen, die Salvator-Ansprache ungekürzt zu senden, damit sich die Zuschauer selbst ein Bild machen können", betont Ludwig Hartmann. "Das ist ein Rückfall in längst vergangen geglaubte Zeiten, in denen sich der BR bundesweit Negativschlagzeilen für seine Zensurbereitschaft eingehandelt hatte."
Der Umgang des Bayerischen Fernsehens mit der Nockherberg-Wiederholung soll nun nach dem Willen der Grünen ein Nachspiel im Rundfunkrat haben.

