15. Juli 2011

„Sauberes“ Internet an bayerischen Schulen *UPDATE*

Stopp-Schild

Update:

Die TIME for kids Informationstechnologie GmbH hat uns mit Schreiben vom 14. Juli 2011 aufgefordert, die ihrer Ansicht nach unrichtigen Behauptungen in unserem Artikel ““Sauberes” Internet an bayerischen Schulen” vom 23. Juni 2011 zu korrigieren. Dafür hat die Gesellschaft uns eine Frist bis zum 22. Juli 2011 gesetzt. Laut TIME for kids seien sowohl die  Internetseite des Tierparks Hellabrunn als auch unsere Fraktionswebsite im Datenbanksystem der TIME for kids analysiert und kategorisiert worden. 

Über die Tonalität des Schreibens der TIME for kids GmbH doch sehr verwundert, kommen wir der Bitte um eine Aktualisierung gerne nach, da die Feststellungen in unserem Artikel jedoch nicht falsch waren, ist eine Richtigstellung wie die TIME for kids sie wünscht, leider nicht möglich. 

Am 23. Juni, also zum Zeitpunkt als wir den Artikel über den Schulfilter von TIME for kids verfassten, waren weder die Seite des Tierparks Hellabrunn (Screenshot)  noch unsere Fraktionswebsite (Screenshot) analysiert und kategorisiert worden - hingegen die Seiten der CSU (Screenshot) und CSU-Fraktion (Screenshot) schon . Wir haben damals selbstverständlich die Funktion “Website testen” genutzt und dabei die hier verlinkten Screenshots unserer Suchen erstellt. Daher ist lediglich festzustellen, dass unsere Feststellung zum damaligen Zeitpunkt zutreffend war und erst in der Zwischenzeit die betreffenden Seiten durch die TIME for kids analysiert und kategorisiert wurden. Im Übrigen ist die Internetseite, die TIME for kids in ihrem Schreiben auf Seite 2 als unsere Fraktionswebseite angibt, natürlich die Seite des Landesverbands Bündnis 90/Die Grünen (Screenshot), die damals ebenfalls nicht verfügbar war, und nicht unsere Fraktionswebsite. 

Hinsichtlich der Vorwürfe, ob es nicht im Interesse der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sei, “dass Lehrkräfte in den Schulen die Möglichkeit erhalten, Pornografie , Drogen und Gewalt oder auch Werbung aus der Internetnutzung in der Schule herauszuhalten” und was wir denn bisher unternommen hätten, “um endlich alle Schülerinnen und Schüler vor den Gefahren des Internets in den Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und zuhause in den Familien zu schützen”, wollen wir an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass wir diesbezüglich Forderungen aufgestellt haben, die jedoch keine Filterlösungen vorsehen, die ein sauberes Internet an Bayerischen Schulen (Screenshot) vorgaukeln.

Wir sind davon überzeugt, dass Whitelists bis zum Alter von ca. 12 Jahren sinnvoll sein können. Filterlösungen, die auf eine vollkommene technische Abschottung der Jugendlichen von unerwünschten Inhalten über diese Altersgrenze hinaus setzen und dabei von einem “sauberen Internet” sprechen, halten wir für nicht praktikabel, für Augenwischerei und unsinnig. Diese Filter vermitteln Eltern und Lehrkräften lediglich eine vermeintliche Sicherheit, werden von den Schülerinnen und Schülern oft umgangen und helfen ihnen zudem auch nicht, den Umgang mit problematischen Inhalten zu erlernen. Und genau diese Chance sollten unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule bekommen. Gerade dort muss genügend entsprechend geschultes Personal vorhanden sein, um ihnen zu vermitteln, wie sie sich im Internet sicher bewegen können, wie sie mit problematischen Inhalten umgehen sollen und mit wem sie darüber sprechen können. Daher fordern wir, dass endlich ausreichend medienpädagogisch-informationstechnische BeraterInnen an bayerischen Schulen eingesetzt werden und die Medienbildung fächerübergreifend vermittelt wird!


Artikel vom 23.06.2011:

TIME for kids, ein privates Unternehmen aus Berlin, hat sich zum Ziel gesetzt, Bayern zum Musterland für Kinder- und Jugendschutz im Internet zu machen und Innenminister Herrmann mischt fleißig mit. Im Januar vergangenen Jahres gab er den Startschuss für die „Initiative für ein sauberes Internet an bayerischen Schulen“. Alle Schulen in Bayern sollen „Sorge und Verantwortung übernehmen“, indem TIME for kids-Schulfilter verwendet werden. Die Staatsregierung, insbesondere der eigentlich zuständige Kultusminister Spaenle, wissen hingegen nichts von diesem Anliegen.

Spaenle verweist in der trotz Fristverlängerung sehr dürftigen Antwort auf die Anfrage der medienpolitischen Sprecherin Ulrike Gote lediglich darauf, dass die Staatsregierung allein den Begriff „sauberes Internet“ nie verwenden würde, da dies suggeriere allein durch technische Filterlösungen würden Kinder und Jugendliche im Internet vollständig geschützt. 

TIME for kids sieht einen Schulfilter vor, der laut Internetauftritt der Initiative mit einer intelligenten Technologie bereits über elf Milliarden Webseiten analysiert hat und täglich weitere Millionen überprüft. Die Internetseite unserer Landtagsfraktion ist leider nicht unter den gelisteten Seiten im Gegensatz zu den Webauftritten der CSU. Doch so lange es nicht einmal die Seite des Tierparks Hellabrunn bis in das von TIME for kids gesäuberte Internet der bayerischen SchülerInnen schafft, befinden wir uns ja in bester Gesellschaft. 

Auf eine Antwort wie Minister Herrmann sein Engagement und die Werbung für das Produkt der Firma TIME for kids begründet warten wir mit Spannung. Auch was Minister Spaenle dazu sagt, dass die Homepage der Initiative den Eindruck erweckt, dies sei ein offizielles Anliegen der Staatsregierung ist natürlich nicht minder interessant. Doch beide haben uns bereits Ende April darauf hingewiesen, dass die Beantwortung unserer Briefe „etwas Zeit in Anspruch nehmen wird“. Wir halten Euch selbstverständlich auf dem Laufenden!


Weitere Informationen:

Ulrike Gote
Parlamentarische Geschäftsführerin, hochschulpolitische, medienpolitische und religionspolitische Sprecherin
Tel: 089/4126-2648
Fax: 089/4126-1648
Email.: kontakt [at] ulrike-gote [dot] de (Ulrike Gote)