Müssen die Kosten im Gesundheitssystem wirklich wachsen? Oder ist es möglich, durch weniger Erkrankungen und Pflegebedarfe, bzw. mildere Verläufe durch bessere Begleitung die Kosten im Zaum zu halten? Gesundheitspolitik ist hierzulande in erster Linie Krankenversorgungspolitik und damit ein riesiger Reparaturbetrieb. Im Zentrum steht die Heilung von Krankheiten, nicht die Förderung von Gesundheit.
Die Vernetzung von Pflege und Akutversorgung ist für die Stärkung der Prävention dringend notwendig. Ebenso, wie Kinder und Jugendliche von Anfang an für die Themen gesunde Ernährung und Bewegung zu sensibilisieren – und zwar unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Durch Übergewicht und Folgeerkrankungen wie Diabetes laufen jährlich immense Kosten auf, die zum Teil vermeidbar wären. Dafür brauchen wir aber mündige und gut informierte PatientInnen, die aktiv daran mitwirken, die bestmögliche Behandlung zu erhalten. Durch immer prekärere Arbeitsverhältnisse und Langzeitarbeitslosigkeit kommt ein weiteres großes Problem auf uns zu, auf das wir noch keine Antwort haben.
Ein Präventionsgesetz auf Bundesebene ist notwendig, um Finanzierung und Angebotskoordination endlich abzusichern und um die Primärprävention umfassend zu stärken. Dabei ist es auch notwendig, sowohl die Verhaltens- wie vor allem auch die Verhältnisprävention in den Lebenswelten (Settings) der Menschen zu verankern. Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass Gesundheit und Krankheit im alltäglichen Lebensumfeld, in Stadtteilen, Schulen, Kindergärten oder Betrieben entstehen. Maßnahmen zu gesunder Ernährung, Bewegung und psychischer Gesundheit sollten besonders berücksichtigt werden. Investitionen in Gesundheit müssen aber auch in der Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Umwelt-, Städtebau-, Kinder- und Jugendpolitik sowie in weiteren Politikfeldern getätigt werden.
Prof. Dr. Michael Schütte, Leiter des Fachbereiches Health Care Management, FOM Fachhochschule für Ökonomie und Management, Niedergelassener Hals-Nasen-Ohren Arzt: „Es brennt: An Prävention kommt keiner vorbei“
