Seit langem drängen die Grünen darauf, dass Wissenschaftsminister Heubisch die Entscheidungskriterien für den Standort des geplanten Museums der Bayerischen Geschichte offenlegt und dem vielfach kritisierten Gemauschel um die Ortsauswahl ein Ende setzt. Einen Tag, bevor er dem kulturpolitischen Sprecher Sepp Dürr die Antwort auf eine entsprechende Anfrage zum Plenum vorlegen muss, ist der Minister nun immerhin in die Teiloffensive gegangen und hat dem Kulturausschuss Auszüge aus der Vorlage für den Ministerrat zukommen lassen.
„Kein Wunder, dass sich der Minister bislang bei seiner Entscheidung für Regensburg nicht in die Karten schauen lassen wollte“, so Sepp Dürrs Fazit. „Das Entscheidungsraster ist erschreckend dürftig und ein Schlag ins Gesicht vieler Städte und Gemeinden, die sich mit großem Engagement ebenfalls als Standort für das neue Landesmuseum beworben haben. Der Verdacht erhärtet sich, dass Regensburg von Anfang an als Favorit feststand.“
So habe der Ministerrat beispielsweise als Entscheidungskriterium die historische Bedeutung der Bewerberkommune für Bayern bewertet. „Es ist schwer nachzuvollziehen, warum dem Wissenschaftsministerium zufolge die frühere Kaiserstadt Nürnberg oder die Römer- und Reichsstadt Augsburg historisch weniger wichtig für Bayern sein sollen als Regensburg,“ so Sepp Dürr. Der Bewerberstadt Landshut werde gar durch ein lapidares Minus im Bewertungsraster jegliche historische Bedeutung abgesprochen.
Völlig widersprüchlich im Plus-Minus-Raster des Ministeriums sei auch die Bedeutung bereits vorhandener Attraktionen bewertet worden: „Während Regensburg aufgrund des großen Touristenzuspruchs ein Plus erhält, gilt für Würzburg die Nähe zum Besuchermagneten Residenz plötzlich als Negativkriterium.“ Ohnehin gilt Würzburg den Juroren aus dem Wissenschaftsministerium ebenso wie Passau schlicht als zu abgelegen. „Das sind doch keine transparenten Kriterien, nach denen so eine weitreichende Entscheidung getroffen werden kann“, kritisiert Sepp Dürr. Es sei ohnehin ein Unding, dass die vielen Bewerberkommunen in ganz Bayern erst jetzt im Nachhinein und nach langem Tauziehen überhaupt Klarheit darüber bekommen, welche Kriterien für die Standortentscheidung letztlich ausschlaggebend waren. „Da hätten sich sicher viele Gemeinden die Arbeit für eine Bewerbung gleich gespart.“
Sepp Dürr steht den Plänen für das Museum für Bayerische Geschichte gerade nach dem völlig intransparenten Auswahlverfahren weiterhin kritisch gegenüber. „Allein für die Finanzierung wichtiger Projekte in den bereits bestehenden bayerischen Museen sind mindestens 1,5 Milliarden Euro notwendig. Warum wir mit Blick auf diesen Investitionsstau Geld für ein neues Museum haben sollen, erschließt sich mir nicht.“
sip
