21. Dezember 2011

Investitionsstau im Kulturbereich

Die Grünen im Bayerischen Landtag warnen vor einem enormen Investitionsstau im Kulturbereich. „Wie eine schriftliche grüne Anfrage ergeben hat, gibt es insgesamt einen riesigen Investitionsbedarf von 1,5 bis 2 Milliarden Euro in den nächsten fünf bis zehn Jahren im Bereich Museen und Archive“, erklärt der kulturpolitische Sprecher Sepp Dürr. „Wir fordern von der Staatsregierung einen Realisierungs- und Finanzierungsplan, wie sie dies bewältigen will.“

Allein der Restfinanzierungsbedarf im Kulturhaushalt liege die nächsten Jahre bei 466 Millionen Euro, der der Schlösserverwaltung bei knapp 100 Millionen Euro. Dazu kommen laut Angaben der Staatsregierung die geplante Erweiterung des Museums Mensch und Natur mit 65 Millionen Euro, die das Deutsche Museums, Anteil Bayern, mit 180 Millionen Euro, der Neubau des NS-Dokumentationszentrums München, Anteil Bayern, mit 28 Millionen Euro und ein Depot für die Staatlichen Museen und Sammlungen mit 135 Millionen Euro.

Noch nicht bekannt seien z. B. die Sanierungskosten der Glyptothek, des Bayerischen Nationalmuseums, der Staatlichen Bibliothek Passau und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs oder der Magazinbauten der Bayerischen Staatsbibliothek und des Staatsarchivs München. „Zu den Bestandssicherungsmaßnahmen in Museen, Bibliotheken und Archiven gab es in der Antwort keine Angaben, aber ein Bedarf von deutlich mehr als 100 Millionen Euro ist längst absehbar.“ Dazu komme ein „erheblicher Bedarf“ für die digitale Archivierung der Bestände, hier rechnet Sepp Dürr nochmals mit deutlich mehr als 100 Millionen Euro.

Bei den nichtstaatlichen Museen sehen die Landtagsgrünen ebenfalls einen enormen Investitionsbedarf bei Bestandssicherung, digitaler Archivierung und energetischer Sanierung: „Die dringend nötigen Maßnahmen sprengen jeden Kommunalhaushalt“. Bestes Beispiel dafür sei die Stadt Regensburg, die leichtfertig für den von Ministerpräsident Seehofer und Wissenschaftsminister Heubisch geplanten Bau des Museums Bayerische Geschichte eine hohe städtische Millionen-Hilfe zugesagt habe. „Aber für die Sanierung des eigenen Historischen Museums der Stadt fehlt seit Jahren das Geld“, kritisiert Sepp Dürr. Das reichste und wichtigste Regionalmuseum zur bayerischen Geschichte warte seit 1993 auf seine Sanierung. Es sei nur noch zu einem Drittel zu besichtigen. Es wieder begehbar zu machen, werde sicher mehr als 20 Millionen Euro kosten. „Seehofer und Heubisch sollen erst mal ihre Pflichten erfüllen, statt beständig von der nächsten Kür zu träumen.“ Es sei verantwortungslos, beständig neue Projekte ins Feld zu führen, wenn sie nicht sagen könnten, wie sie den enormen, bereits vorhandenen Bedarf finanzieren wollen.

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Dr. Sepp Dürr
Kultur- und forschungspolitischer Sprecher
Tel: 089/4126-2733
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Email.: sepp [dot] duerr [at] gruene-fraktion-bayern [dot] de (Dr. Sepp Dürr)